Bayerische KMU und die EU

Bayerische KMU und die EU

Interview mit einer Unternehmerin über die Europa


Bayreuth (Mai/Juni 2019) - Nathalia Rašek-Abach führt in zweiter Generation das unabhängige Prüf- und Zertifizierungsunternehmen EMCCons Dr. RAŠEK GmbH & Co. KG mit Sitz in Moggast und Betriebsteil in Unterleinleiter.

Frau Rašek-Abach, Sie haben familiäre Wurzeln in Österreich, hatten einen österreichischen Pass und führen ein Unternehmen in der Fränkischen Schweiz. Was bedeutet für Sie persönlich „Europäische Union“?

Die EU ist für Deutschland und die anderen Mitgliedsländer äußerst wichtig, insbesondere, um sich wirtschaftlich gegenüber Großmächten optimal positionieren und durchsetzen zu können. Die einzelnen Länder wären ohne starken Verbund in jeder Hinsicht zu klein und zu schwach.

Für mich persönlich bedeutet sie gemeinsamen Schutz der Außengrenzen in den heute angespannten politischen Zeiten, eine starke Einheit, um sich in der Welt behaupten zu können, innerhalb der EU reisen zu können ohne Hindernisse oder Zeitverzug, viele unterschiedliche Menschen, Kulturen und Sprachen kennen zu lernen. Wichtig sind für mich auch Internationale Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen und ein freier Binnenmarkt sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen.

Ihre Kunden kommen aus der ganzen Welt. Warum ist der EU-Binnenmarkt dennoch wichtig für Ihr Unternehmen?

In der Regel läuft der Waren – und Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU problemlos. Ein einheitlicher Binnenmarkt bedeutet für uns keinen Aufwand für Zollformalitäten und erleichtert Kundenprojekten vor Ort. Mit einigen unserer Dienstleistungen sind wir auch im militärischen Bereich tätig. Dank der EU haben wir einen geringeren Aufwand beim Ex-oder Import von Dual Use Gütern und militärisch eingestuften Gütern. Im EU-Arbeitsmarkt können wir uns nach hochqualifizierten Fachleuten umsehen. Europäische Fördergelder ermöglichen uns als relativ kleinem Unternehmen, innovative Forschungsprojekte zu stemmen.  Ein starker und stabiler EURO ist für uns und unsere europäischen Kunden essentiell. Und wir schätzen eine starke Vertretung unserer wirtschaftlichen und politischen Interessen durch die Europäische Union gegenüber anderen Weltmächten.

Das ist viel Lob für den Binnenmarkt. Sicherlich haben Sie aber auch Wünsche für die Zukunft der EU, für sich persönlich, aber auch für Ihr Unternehmen. Bitte verraten Sie uns einige davon.

Für die Zukunft der EU wünsche ich mir und meinem Unternehmen weniger Bürokratie, mehr Transparenz, weniger Überregulierung.  Die EU sollte sich auf wichtige globale Kernthemen wie Wirtschaft, Verteidigung oder Umwelt konzentrieren. Mehr Gestaltungsspielräume für die Mitgliedsländer bei Umsetzung von EU-Regularien in nationale Rechtsprechung machen aus meiner Sicht Sinn.  Mein Wunsch: weniger „gleichmachen“, dafür die Vielfalt bewahren und öfter gemeinsame Nenner finden.

Es wäre schön, wenn nicht nur „in Brüssel“ mehr Praktiker aus den einzelnen Fachgebieten anstelle von Politkern, die mehr oder weniger weit von der Realität entfernt sind, arbeiten. Und dass mit Geldern kostenbewusst umgegangen wird, so wie wir das in unserem Unternehmen auch tun. Das heißt, das für die zukünftige Entwicklung Wichtige zu unterstützen.

Und ganz persönlich wünsche ich mir eine bürgernahe Sprache, die jeder versteht und die  die EU Bürger auch mit ihren Ängsten ernst nimmt. Wir sind in einer ländlichen Gegend verwurzelt. Deshalb wünsche ich mir für unsere Bauern und Handwerker vor Ort, für unsere Vereine, kurz für die kleinen, regionalen Themen weniger Vorgaben, weniger Einmischung, dafür mehr Freiheiten.

Das Interview ist im Magazin 05/2019 Oberfränkische Wirtschaft der IHK Oberfranken Bayreuth erschienen.