Nischenmarkt Kambodscha: Chancen für die deutsche Außenwirtschaft

Nischenmarkt Kambodscha: Chancen für die deutsche Außenwirtschaft

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Juni 2019 – EZ-Scout Oliver Wagener hat sich Ende Februar/Anfang März zusammen mit seiner GBN-Kollegin Dr. Bianca Untied vor Ort Marktchancen für bayerische Firmen in ausgewählten Sektoren näher angesehen

EZ-Scout Oliver Wagener hat sich Ende Februar/Anfang März zusammen mit seiner GBN-Kollegin Dr. Bianca Untied vor Ort Marktchancen für bayerische Firmen in ausgewählten Sektoren näher angesehen und kommt zum Fazit: Kambodscha ist ein spannender,  wachsender und noch wenig fokussierter Nischenmarkt mit Geschäftsopportunitäten für deutsche Spezialanbieter aus verschiedenen Branchen inmitten der ASEAN-Wachstumsregion und mit guter Anbindung aus Thailand und Vietnam. Für den Import einer breiten Palette an Agrarprodukten bietet sich Kambodscha ebenfalls an. Die notwendige Diversifizierung der wirtschaftlichen Produktionsbasis Kambodscha wird weitere Geschäftspotenziale eröffnen, etwa in der leichtindustriellen Fertigung oder im Automotive-Bereich. Kooperationsangebote des GBN und die GIZ-Programme in den Fokus-Sektoren erleichtern bzw. flankieren den Markteinstieg und sollten genutzt werden.

Von deutschen Exporteuren, Importeuren und Investoren bislang fast unbehelligt, befindet sich das kleine südostasiatische Königreich Kambodscha mit seinen 16 Millionen Einwohnern seit einigen Jahren auf einem stetigen Wachstumspfad. Das BIP wuchs seit 2010 um durchschnittlich 7%. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2018 bei ca. 1.500 USD, womit Kambodscha der Status eines "lower-middle-income country" zusteht.

Ungeachtet der hohen Wachstumsraten der letzten Jahre, bleibt die Wirtschaft fragil aufgrund der geringen Diversifikation und der hohen Abhängigkeit von wenigen Exportgütern, v.a. Textil- und Lederfertigung für den Export in die EU und die USA. In den ca. 700 Textilfabriken des Landes arbeiten 800.000 meist weibliche Arbeitskräfte. Die Landwirtschaft machte 2018 noch 26% des BIP aus, beschäftigt aber mehr als 50% der arbeitsfähigen Bevölkerung. Der Bausektor und der Dienstleistungssektor im Bereich Tourismus dank der dynamischen Entwicklung  aus China und anderen asiatischen Ländern boomen ebenfalls seit Jahren.

Kambodschas Regierung will jedoch weg von lohnintensiven Branchen und plant Investitionen in neue Industriesektoren zu fördern. Insbesondere die leichtindustrielle Herstellung von Elektronik- und Kfz-Komponenten oder die Fahrrad-Produktion stehen dabei im Fokus. Auch das Interesse an der Digitalisierung von Produktionsabläufen und Industrie-4.0 ist groß. Geschäftspotential haben auch die Umwelttechnik-Branchen oder der Energiesektor. Die Neuorientierung der Industriepolitik soll über nachhaltige Produktivitätssteigerungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Chancen und Hürden in ausgewählten Marktsegmenten:

  • Von allen Gesprächspartnern wird bestätigt, dass der größte Engpass, mit dem sich das verarbeitende Gewerbe (neben der unzureichenden industriellen Infrastruktur) konfrontiert sieht, der Mangel an ausgebildeten Arbeitern und Fachkräften ist. Die staatlichen Rahmenbedingungen für die Schaffung eines arbeitsmarktrelevanten Ausbildungssystems sind mangelhaft. Somit fällt die Verantwortung dafür weiter in den Bereich der Privatwirtschaft
  • Agrarsektor: Gute Chancen für Exporte in die EU bietet Gemüse, Obst (Bananen, Drachenfrucht, Mango, Zitrusfrüchte), Öle/Saaten (Erdnüssen, Kürbiskerne, Luffa, Zitronenkerne), sowie Bambus und Seide. Das Landwirtschaftsministerium ermöglicht für private Investoren bzw. Handelsfirmen aus der EU den Testanbau von neuen Feldfrüchten in einem seiner 15 Forschungsstationen. Die Regierung schafft zudem Anreize im Agrarsektor durch Steuererleichterungen oder steuerfreie Einfuhr von landwirtschaftlichen Maschinen und Anlagen.

Automotive:

  • Ersatzteile, Werkzeuge, Maschinen/Anlagen für Werkstätten etc. können zollfrei ein-geführt werden.
  • Der Aufbau einer eigenen Zuliefererindustrie im Automotive-Sektor ist noch Zukunftsmusik. Die Sonderwirtschaftszonen bieten hierfür optimale Rahmenbedingungen, in einigen SEZs gibt es Ansiedlungen asiatischer Automobilkonzerne, die in Kambodscha montieren lassen
  • Herausforderung für eine eigene Lieferindustrie wie auch für Service und Wartung ist auch hier der Mangel an ausgebildeten Kfz-Fachkräften (Mechaniker/Mechatroniker).

Erneuerbare Energie:

  • Eine Herausforderung des Energiesektors stellt die Beseitigung der großen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von Stromimporten dar. Der Energiemix Kambodschas wird von Wasserkraft und Kohle bestimmt. Biomasse oder Biogas spielen kaum eine Rolle, die Bedingungen für Solarenergie sind aber günstig, die Kapazitäten wachsen.
  • Potential liegt v.a. in der direkten Versorgung von Industriekunden mit PV-Dachanlagen (v.a. Textilfabriken) oder netzunabhängigen „Inselsystemen“ im ländlichen Raum.
  • Das Projektentwicklungsprogramm (PEP) der GIZ kann als Dienstleister bei Markteintritt und Projektentwicklung genutzt werden.

Gesundheitsmarkt:

  • Der wachsende Gesundheitsmarkt bietet interessante Möglichkeiten für den Verkauf von medizinischer Ausrüstung und Medizintechnik an international ausgerichtete pri-vate Kliniken, inklusive Qualifizierung von Fachpersonal.

Ansprechpartner/Beratung  für deutsche Firmen:

Es gibt keine AHK für Kambodscha, aber bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Myanmar in Yangon ist seit Anfang 2019 ein AHK-Regionalkoordinator für Laos und Kambodscha angesiedelt. Das Global Business Programm (GBN) der GIZ ist mit einer Mitarbeiterin mit Sitz beim ADW/EuroCham vertreten.