Fokus auf...Wie bayrische Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten in Stiftungen bündeln können

Fokus auf...Wie bayrische Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten in Stiftungen bündeln können

Bündelung in einer Stiftung


Nürnberg (Dezember 2018) - Immer mehr Stiftungen entscheiden sich dazu, ihre CSR-Aktivitäten in einer Stiftung zu bündeln. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen wurden rund die Hälfte der mehr als 5.000 in den letzten fünf Jahren neu gegründeten Stiftungen mit Kapital gegründet, das aus unternehmerischer Tätigkeit stammt. Die Experten für Entwicklungszusammenarbeit Dr. Katharina Franziska Braig und Oliver Wagener beleuchten dieses Thema.

Unternehmen übernehmen so nachhaltig gesellschaftliche Verantwortung, die weit über ihre Rolle als Produzent, Arbeitgeber oder Steuerzahler hinausgeht. Stiftungen sind Teil dieses Engagements. Mit ihnen können Unternehmen bestimmte Zwecke zielgerichtet, dauerhaft und glaubwürdig fördern. So können Stiftungen das gesellschaftliche Umfeld des Unternehmens verbessern, etwa indem sie Menschen weiterbilden, zu kreativem Denken animieren oder soziale Konflikte entschärfen. Zudem profitiert das Unternehmen vom Imagetransfer. Denn Stiftungen schaffen bei Kunden und Geschäftspartnern positive Assoziationen mit dem Unternehmen. Gleichzeitig stärken Stiftungen die Unternehmenskultur. Ein glaubwürdiges Stiftungsengagement erhöht die Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitgeber und steigert seine Attraktivität für neue Talente.

Gut und sinnvoll

Gesellschaftlich Gutes und betriebswirtschaftlich Sinnvolles gehen dabei Hand in Hand, denn Unternehmen fördern über ihre Stiftungen das Allgemeinwohl und sichern dabei gleichzeitig den langfristigen Unternehmenserfolg. Der Staat unterstützt dieses Engagement durch Steuervergünstigungen. Denn derartige Zuwendungen sind grundsätzlich von der Erbschaft- und Schenkungsteuer und die Erträge zusätzlich auch von der Körperschaftsteuer befreit. Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen sind Sonderausgaben im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Stifter dürfen sie in der Steuererklärung von ihren Einkünften abziehen und auf diese Weise die Steuerlast verringern. Zudem gibt es zahlreiche staatliche Fördermittel für die Stiftungsarbeit, wie z.B. „bengo“.

Diese Vorteile hat u. a. die AUDI AG erkannt und 2009 die Audi Stiftung für Umwelt GmbH ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel dieser Stiftung ist es, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und Wege für nachhaltiges Handeln zu schaffen und zu fördern. Die Stiftung fokussiert insbesondere auf die Förderung und Entwicklung umweltverträglicher Technologien, Maßnahmen zur Umweltbildung sowie auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Gemeinsam mit dem Projektpartner ,,Recycled Island Foundation“ hat die Stiftung diesen Juli einen ,,schwimmenden Park“ im Rotterdamer Hafenbecken eröffnet. Für den Park hat der Projektpartner mithilfe eigens konstruierter Auffangbecken Plastikmüll aus einem Fluss gefiltert und zu schwimmenden Plastikinseln umgearbeitet. Die bepflanzten Inseln dienen nun als Naherholungsplätze für Hafenbesucher und Anwohner.

Best Practices

Auch die Münchner Bäckerei Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH hat sich für ein Engagement im Umweltbereich entscheiden, ohne jedoch gleich selbst eine Stiftung zu gründen. So fördert sie seit vielen Jahren die vom Münchner Büro des DSZ verwaltete Panguana Stiftung. Diese von der stellvertretenden Direktorin der Zoologischen Staatssammlung München gegründete Stiftung setzt sich für den Erhalt des peruanischen Regenwaldes ein. Die Bäckerei Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH unterstützt die Stiftung, indem sie den Zukauf von durch Brandrodung gefährdeter Flächen ermöglicht. So soll ein möglichst großes zusammenhängendes Schutzgebiet schaffen und dauerhaft erhalten werden. Denn besonders in den tropischen Regenwäldern werden durch den hohen Anteil an Biomasse enorme Mengen an klimaschädlichem CO2 gespeichert, das aber – bei Holzeinschlag und Brandrodung – freigesetzt wird und dann in die Atmosphäre gelangt.

Unternehmen, die nicht gleich eine eigene Stiftung gründen möchten, jedoch planen im Rahmen ihrer CSR-Aktivitäten ausgewählte Projekte im Ausland zu fördern, können dies über die Münchner DSZ – International Giving Foundation tun. Diese wurde gegründet, um Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und Privatpersonen bei der Förderung des jeweils ausgewählten Projekts im Ausland administrativ zu unterstützen – ohne großen Verwaltungsaufwand, rechtssicher und steuerlich abzugsfähig.

EZ-Scouts für Stiftungen

Um das entwicklungspolitische Engagement von Akteuren aus Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft zu unterstützen, entsendet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sogenannte EZ-Scouts an Wirtschaftsverbände und Stiftungsorganisationen. Am Deutschen Stiftungszentrum des Stifterverbandes arbeitet seit 2017 Katharina Franziska Braig als EZ-Scout. Sie berät dort Stiftungen und Philanthropen zu den Förder-, Finanzierungs- und Kooperationsangeboten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, vermittelt den Kontakt zu nationalen und internationalen Netzwerken und unterstützt, Projekte zu entwickeln und zu realisieren.

Das Deutsche Stiftungszentrum ist mit einem Regionalbüro in München vertreten – mit weiteren Standorten in Essen, Berlin, Hamburg und Stuttgart ist das DSZ bundesweit gut erreichbar.

Kontakt: Dr. Katharina Franziska Braig, T 089 3302916-17