Fränkische Elefanten in Afrika – Hofmann Figuren

Bad Rodach (Dezember 2018) – Fast jeder hat sie schon mal gesehen oder ist mit ihnen in Berührung gekommen, ob auf Jahrmärkten, in der Geisterbahn, im Freizeitpark oder Erlebnisbad: Den Figuren der Firma Hofmann aus den fränkischen Bad Rodach. Elisabeth Löhr, Bereichsleiterin International an der IHK zu Coburg, und Karoline Rübsam vom Außenwirtschaftsportal sahen sich in der Produktionsstätte um und staunten nicht schlecht, als sie das Firmengebäude in der Gartenstraße betraten: Eine Puppe in einer Kochschürze schwingt den Kochlöffel, ein Weihnachtsmann winkt, ein Reh regt sich. Und noch viel mehr Figuren blinken, rotieren und bewegen sich im Eingangsbereich – welch eine Begrüßung!

  • Von der kleinen Maus bis zum Riesen-Dino
    Von der kleinen Maus bis zum Riesen-Dino
    In diesem Jahr feiert der Familienbetrieb sein 140jähriges Bestehen. Gründer Christian Hofmann begann als reiner Spielwarenfabrikant und erarbeitete sich schnell das Prädikat der Herzoglich-Sächsischen Hoflieferanten. „Exportgeschäfte gab es von Anfang an“, berichtet Geschäftsführer Reinhard Hofmann. In ganz Europa und sogar am russischen Zaren Hof wurde mit den Puppen und Tierfiguren aus Holz und Blech gespielt. Ab 1905 wurden die ersten beweglichen Figuren und Tiere produziert, etwa eine kleine Ente, die durch ein Uhrwerk Schnabel und Augen bewegen konnte. „Ende der 20er Jahre wurde der Verkauf von Spielwaren schwierig. Deshalb konzentrierte sich mein Urgroßvater auf die Produktion von beweglichen Schaustücken, Tieren und Figuren mit Motorantrieb, die auf Jahrmärkten als Attraktion oder im Einzelhandel als Werbung eingesetzt werden konnten“, sagt der Firmenchef, der Hofmann-Figuren in der vierten Generation leitet. 1949 wurde die Spielzeugherstellung dann komplett eingestellt, die Firma konzentrierte sich auf die Produktion von teilweise überdimensionalen Figuren aus glasfaserverstärktem Polyester und Silikon - bis heute. „In den 50er und 60er Jahren konnten umfangreiche Auslandsverbindungen geknüpft werden, unsere Figuren wurden in über 70 Länder weltweit exportiert. Über 60 Prozent des Umsatzes waren in dieser Zeit für den Export bestimmt, besonders in die USA.“ Weiterer Schub für Hofmann war die „Mode“ der Freizeit- und Vergnügungsparks in den 70er Jahren in Europa. Heute steht und bewegt sich in fast jedem Freizeitpark im Inland und Europa mindestens eine Hofmann-Figur.
  • Kängurus und Koalas für Australien
    Kängurus und Koalas für Australien
    „Das Auslandsgeschäft läuft für den Betrieb mit insgesamt 25 Mitarbeitern eigentlich von selbst“, sagt Reinhard Hofmann,“ es ist aber gut zu wissen, dass man sich bei Schwierigkeiten etwa bei der Zollabwicklung an die Berater der IHK wenden kann.“ Auf Freizeitindustrie-Messen im In- und Ausland ist Hofmann-Figuren hin und wieder vertreten, aber vieles laufe über Mundpropaganda. Der Name Hofmann ist in der Welt der Schausteller- und Freizeitparkbetreiber schon lange ein Begriff. Seine Tipps für Exporteure: Liefer- und Zahlungsbedingungen möglichst nach deutschem Recht vereinbaren, bei Kunden außerhalb Europas unbedingt nach den länderspezifischen Richtlinien fragen und Zahlung in Euro abwickeln. „Die Rechtsvorschriften und die Versicherungen sollten auch überprüft werden und außerdem sind sehr gute Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil“, so Hofmann. „Der größte Auslandsauftrag war der Bau einer Elektronikshow für einen Freizeitpark in Australien mit beweglichen Dingos, Koalas und Kängurus. Der Kontakt dorthin kam durch einen großen deutschen Kunden zustande. Auch die Lieferung von Elefanten in einen Freizeitpark nach Afrika war eine größere Sache“, berichtet Hofmann. „Wir haben alle Kontinente beliefert, aber die Hauptabnehmerländer liegen in Europa.“
  • Es geht weiter
    Es geht weiter
    „In all den Jahren sind wir stetig gewachsen und haben unsere Produktpalette erweitert.“ 2.500 verschiedene Figuren und Tiermodelle hat Hofmann im Repertoire. „In den letzten Jahren sind viele Kunden aus Osteuropa dazugekommen, denn dort entstehen gerade viele Freizeiteinrichtungen. Allerdings: Wegen der Schwierigkeiten bei der Produkthaftung streben wir den US-amerikanischen Markt nicht weiter an.“ Mittlerweile ist die 5. Generation in die Firmenleitung eingestiegen. Alles läuft weiter in Familienhand.+++