Industrie 4.0 einfach erklärt von Johann Hofmann

Industrie 4.0 einfach erklärt von Johann Hofmann

Kein Hexenwerk!


Passau (06.03.2019) Seit zwei Jahren beschäftigt sich die „Grenzregion 4.0“, so der Name eines EU-Projektes der IHK Niederbayern und der südböhmischen Wirtschaftskammer in Budweis, mit dem Wandel der Grenzregion zu einem zukunftsweisenden Wirtschaftsraum. Bei einem Kooperationstreffen erklärte Johann Hofmann, Digitalisierungsexperte der der Regensburger Maschinenfabrik Reinhausen, dass Industrie 4.0 keine Hexerei sei, wohl aber konsequente Orientierung brauche.

Besser werden, weiter bestehen

Peter Sonnleitner, Bereichsleiter International der IHK Niederbayern begrüßte dazu etwa 30 Interessierte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Als Anstoß dazu, das Unternehmen zu digitalisieren, nannte Hofmann den gleichen Grund wie für Wirtschaften generell: Besser zu werden und weiter zu bestehen. Allerdings sei das Lean-Management als Vorgängermodell längst an Grenzen gestoßen. Eine neue Revolution sei im Gange, um „Wachstum ohne Wachstum“ zu erreichen. Kurz erklärt: Ohne dass zum Beispiel in Personaldecke oder Firmenfläche und Maschinenpark investiert würde, werde dennoch über Industrie 4.0 die Leistung besser, die Fehlerquote geringer, die Flexibilität höher. Da können etwa Assistenzsysteme bis hin zur Augmented-Reality-Brille wertvolle Hilfe leisten, wenn die Komplexität der Arbeit für das Team bisherige Qualifikationen übersteigen. Wichtig sei dabei aber immer, dass die digitale Kommunikation im Unternehmen sich nicht entwickle wie ein „verquirlter Spaghettiteller“, sondern dass von Sensorik bis Arbeitsauftrag über ein so genanntes Value Factoring ein zentraler Knoten und eine gemeinsame Sprache vorhanden sind, damit nicht jeder mit jedem alles austauscht, sondern damit auch technische Schnittstellen so platziert sind, dass jeder alles für ihn Wichtige erhält. Dafür braucht es viel Fleiß und Konsequenz, um etwa alle Stammdaten zu digitalisieren. Dann ermögliche das aber auch ungeahnte Möglichkeiten, um neue Werkzeuge und Effekte an die Prozesse „flanschen“ und lähmende, wie Laufzettel, zu erübrigen. Hofmann listete 12 und nannte sogar 13; darunter Big und Smart Data, Soziale Medien, Virtualisierung. Aber auch Interdisziplinarität und neue Geschäftsmodelle. Dafür gab er selbst Beispiel. So hat sich die Maschinenfabrik Reinhausen auch selbst zum Dienstleister für Digitalisierung gemacht und Hofmann sich parallel zum Referenten, der zu jedem komplizierten Begriff eine lebensnahe und teils sogar sehr amüsante Anwendung im „Erklär-Koffer“ dabei hatte.

Begeisterung für das Unbekannte wecken

Der Prozess kann trotz konsequenten Willens große Hürden aufwerfen. Einmal kann das nicht an einem Team vorbei passieren, das aus Angst vor Überforderung oder Arbeitsplatzverlust im „Immer-so-gemacht-Modus“ verharrt. Ohnehin gehe es nicht darum. Hofmann: „Leben 1.0“ müsse weiter individuell glücken können. Aber Berufsprofile werden sich verändern, Assistenzsysteme würden dabei sogar helfen, selbst schwächere Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, sagt Hofmann. Eine zweite große Hürde: Ein Technologiewechsel wirft erst einmal sogar zurück. Der will im Vergleich zum Bekannten erst wieder gemeistert werden. Das bietet Frustpotenziale. Hinter der Kurve, die auf ein höheres Level führt, verzögern sich weitere Implementierungen zusätzlich; wie die große „Kultur des Betriebs“. Bis die Begeisterung für das Unbekannte den komplett durchdrungen hat, gefährdet eine Kontrahaltung schon mal das Vorwärtskommen. Dann sei es nötig, entweder in Regensburg bei einer Praxisführung persönlich rein zu schauen oder sich ganz analog bei einem Workshop von der Nutzenperspektive infizieren zu lassen.

(Quelle: IHK Niederbayern)