China: Sozialkreditsystem bedarf dringend Vorbereitung deutscher Unternehmen

China: Sozialkreditsystem bedarf dringend Vorbereitung deutscher Unternehmen

Überwachung chinesischer Bürger


München (17.09.2019) - In knapp einem Jahr plant China die Einführung des Sozialkreditsystems für Unternehmen. Das Ratingsystem für Unternehmen ist Teil des Sozialkreditsystems Chinas, welches der Überwachung und Steuerung der chinesischen Bürger und Unternehmen dient.

Die Absicht des „Corporate Social Credit Systems“ ist die Bewertung aller, und somit auch ausländischer, Marktteilnehmer auf Basis verschiedener Indikatoren. Die enorme Datensammlung die im Zuge des Bewertungsprozesses vollzogen wird, generiert ein umfassendes Profil der Unternehmen für die chinesische Regierung, welches auch sensible Daten wie technologische Aspekte und Informationen über die Mitarbeiter  enthält. Weiterhin fließen auch die Scores von Geschäftspartnern in die eigene Bewertung ein. Zukünftig ‎soll damit eine noch sorgfältigere Auswahl und die gegenseitige Kontrolle zwischen Geschäftspartnern ‎Bestandteil der Geschäftspraxis sein. ‎

Deutsche Unternehmen nicht mit neuem System vertraut

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Deutschen Handelskammer in China geben sieben von zehn Unternehmen an, nicht mit dem Scoring-System, seiner Wirkungsweise und seiner Zielsetzung im Geschäftskontext vertraut zu sein. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werden vor Probleme gestellt, die Auflagen einzuhalten: Die Informationen über die Zusammensetzung des Scores sind nur in verstreuten Publikation der chinesischen Regierung aufgeführt und teilweise uneindeutig formuliert. Als Sanktionsmittel für schlechte Ratingergebnisse sind  die Veröffentlichung der Unternehmensratings im Internet  vorgesehen sowie höhere Inspektionsraten durch chinesische Behörden.

Sowohl die Indikatoren, als auch die Berechnung des letztendlichen Scores basieren auf einem intransparenten Algorithmus, kritisieren die Europäische und Deutsche Handelskammer in China.

Die Deutsche Handelskammer in China betont, dass Transparenz über die Zusammensetzung und Berechnung des Scores, sowie die Kopplung an rechtstaatliche Prinzipien Grundvoraussetzungen für ein solches Bewertungssystem seien. Weiterhin müsse die Datenabfrage auf ein notwendiges Minimum reduziert werden. In neun Vorschlägen fasst die Deutsche Handelskammer zusammen, welche Verbesserungen notwendig sind, um Informationslücken und Unsicherheiten in Bezug auf das Scoring-System zu schließen.

Für Unternehmen, die im Chinageschäft tätig sind, sei es grundlegend, sich auf die neuen Automatismen vorzubereiten. Einen Startpunkt dafür liefert der „Wake-Up Call“ der Europäischen Handelskammer in China, ein umfassender Bericht, welcher die europäischen Unternehmen als Startpunkt an die neuen, komplexen Thematiken heranführt.

Quelle: News International IHK München