Rumäniens Gaming-Industrie wächst deutlich

Rumäniens Gaming-Industrie wächst deutlich

Internationale Entwickler beherrschen die Szene


Bukarest (16.11.2018) Rumänien gewinnt als Standort für die internationale Spieleindustrie an Bedeutung. Der rumänische Markt für elektronische Videospiele ist noch klein, legt aber spürbar zu.

Die Videospieleindustrie in Rumänien wächst kräftig. Unter den sechs umsatzstärksten Unternehmen verzeichneten fünf deutliche Umsatzsteigerungen. Sie machten den Rückgang des viertplatzierten Entwicklers mehr als wett. Die Branche beschäftigte 2017 landesweit circa 6.000 Mitarbeiter - zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Spieleentwickler in Rumänien setzten 2017 umgerechnet circa 138 Millionen Euro um, errechnete der Fachverband Romanian Game Developers Association (RGDA; http://rgda.ro). Davon haben allein die sechs führenden Unternehmen 2017 laut Angaben des Finanzministeriums umgerechnet rund 112 Millionen Euro erzielt.

Auslandsnachfrage dominiert das Geschäft

Der Umsatz der in Rumänien ansässigen Videospieleentwickler basiert hauptsächlich auf der Nachfrage nach Spielen beziehungsweise Software, die in den USA, China oder Deutschland gekauft werden. Dies ist nicht nur die Situation für die etablierten Hersteller, sondern auch für rumänische Start-Ups in der Branche.

Der Fachverband RGDA teilte mit, dass es über 80 inländische Studios gibt, die in dieser Branche arbeiten. Davon befinden sich über 50 in Bukarest. Rund 85 Prozent der Produktionsstudios konzentrieren sich direkt auf die Entwicklung neuer Spiele. Der Rest bietet Dienstleistungen für die Entwicklungsgesellschaften von elektronischen Videospielen an.

Die lokale Videospieleentwicklung dominieren internationale Unternehmen, die am Weltmarkt eine starke Stellung halten. Die vier größten Player waren gemessen am Umsatz 2017 auf dem rumänischen Markt die Tochtergesellschaften des französischen Herstellers Ubisoft, Electronic Arts Games (USA), Gameloft (Frankreich) und King (Vereinigtes Königreich). Weitere Unternehmen im Topsegment sind die rumänischen Gesellschaften Amber Studio und Mavenhut.

Ubisoft behauptete 2017 seine führende Position als größter Entwickler von Videospielen in Rumänien, sowohl in Bezug auf den Umsatz als auch auf die Anzahl der Mitarbeiter. Ubisoft Romania verbuchte einen Umsatz von 193,6 Millionen Lei, um 15 Prozent mehr als 2016. Der Nettogewinn von 10,4 Millionen Lei kletterte um 24%. Die Anzahl der Beschäftigten lag 2017 bei 1.576 - das waren144 über dem Vorjahresniveau. Im Oktober 2018 beschäftigte Ubisoft mehr als 1.700 Mitarbeiter in Rumänien und betreibt dort eines der weltweit größten Testzentren für elektronische Spiele.

Electronic Arts Games ist gemessen am Umsatz Nummer zwei auf dem rumänischen Videospieleentwicklermarkt. Die rumänische Niederlassung ist laut Angaben des Konzerns nach dem US-Firmenhauptsitz in Kalifornien und den Studios in Kanada weltweit nach Bedeutung und Größe der drittwichtigste Standort.

In Rumänien gibt es keine spezielle staatliche Förderung für die Entwicklung von elektronischen Spielen, ein Umstand, der von der Branche häufig moniert wird. Es stehen allerdings allgemeine Förderungen zur Verfügung, wie das Programm Start-Up-Nation, das Aktivitäten neu gegründeter Unternehmen mit jeweils circa 43.000 Euro unterstützt.

Für die Spieleindustrie gibt auch einen spezialisierten Geschäftsinkubator (https://carbon-incubator.com), der privat von Vertretern renommierter Unternehmen betreiben wird. Firmen, die mit anderen internationalen Partnern ein gemeinsames Projekt durchführen wollen, können sich über das Programm Horizon 2020 um europäische Fördermittel in Brüssel bewerben.

Aus der Sicht deutscher Investoren bilden Rumäniens Standortvorteile gut ausgebildete Programmierer und Designer sowie das im Vergleich zu Westeuropa erheblich niedrigere Kostenniveau in Produktion beziehungsweise Entwicklung. Dies war auch der Grund, dass sich im Zuge des internationalen Booms der Gaming-Industrie immer mehr Studios vor Ort engagierten. Andererseits ist am rumänischen Arbeitsmarkt derzeit eine Verknappung an qualifizierten Fachkräften in der Industrie offensichtlich. Für den Bedarf der Spieleindustrie bieten die Universitäten noch nicht genug Ausbildungswege an.

Ein Forum zur Anbahnung von Geschäftskontakten offeriert der Fachverband der Videospieleentwickler RGDA. Dieser organisiert auch Konferenzen, darunter die Dev.Play - The Game Development Conference for Eastern Europe, die er Anfang Oktober 2018 leitete. Ein Termin für 2019 wurde noch nicht angekündigt. Die Messe Bucharest Gaming Week findet vom 4. bis 9. Dezember 2018 in der rumänischen Hauptstadt statt: https://bucharestgamingweek.ro/ .

Einige Blockbuster stammen aus Rumänien

Bekannte in Rumänien entwickelte Videospiele mit AAA-Einstufung sind unter anderem FIFA (Electronic Arts), Need for Speed (Electronic Arts), Assassin's Creed (Ubisoft), Ghost Recon Wildlands (Ubisoft), Iron Blade (Gameloft). Zu den beliebten Spielen aus rumänischen Studios gehören Frozen Free Fall, Solitaire Arena, Door Kickers, Move or Die und Black the Fall.