Indiens Ausschreibungen gehen online

Indiens Ausschreibungen gehen online

Preis und Qualität letztlich entscheidend


Neu Delhi (02.01.2019) Der öffentliche Sektor schreibt in Indien zunehmend digital aus. Hierbei kommen auch ausländische Hersteller zum Zug, auch wenn es gewisse Präferenzen für die lokale Produktion gibt.

Steil nach oben geht es in Indien mit den Ausschreibungen, die digital abgewickelt werden. Treibende Kraft ist die Regierung, die Anfang 2012 das Central Public Procurement Portal lancierte, das alle staatlichen Institutionen nahtlos in ein elektronisches Beschaffungsverfahren hineinführt. Damit soll ein einziger Zugang zu Informationen und Ausschreibungen wie auch Transparenz geschaffen und Korruption bekämpft werden. Beeindruckend sind die Zahlen. Liefen im Fiskaljahr 2014/15 (1. April bis 31. März) erst knapp 309.000 Ausschreibungen im Wert von 66,3 Milliarden US-Dollar (US$) per Mausklick, stiegen diese kontinuierlich und erreichten 2017/18 bereits rund 1,1 Millionen Fälle mit einem Volumen von 272,1 Milliarden US$.

Ausschreibungswesen ist komplex

Ausschreibende öffentliche Stellen sind Zentralregierung, staatliche Institutionen und Unternehmen sowie die 29 Bundesstaaten, die sieben Staatsterritorien und nicht zuletzt die Städte. Die Käufer sind oft Staaten, Territorien und Gemeinden. Sie kaufen aber nicht direkt, sondern meistens über einen sogenannten Systemintegrierer ein. Dieser ist meistens ein privates Unternehmen - obwohl es auch einige staatliche Systemintegrierer gibt -, das den Auftrag bekommt und dann unter Vorgaben der öffentlichen Hand die Beschaffung durchführt.

Aufgrund der Vielzahl an staatlichen Käufern und in Ermangelung eines umfassenden Beschaffungsgesetzes ist das Ausschreibungswesen äußerst komplex. Viele Körperschaften wie Eisenbahn, Telekommunikation, Baubehörde und Armee haben ihre eigenen Beschaffungsregeln. Und dort, wo Regularien bestehen, werden diese durch die ausschreibenden Stellen unterschiedlich interpretiert.

Mittlerweile haben auch "grüne Kriterien" Einzug in Ausschreibungsdokumente gehalten. Einige Körperschaften wie die Eisenbahn, die Indian Oil und die National Thermal Power Corporation haben Umwelt- und Energieeffizienzkriterien in ihre Beschaffungsentscheidungen einfließen lassen. Diese Anstrengungen sind aber noch isoliert und ad-hoc und nicht über die Breite der öffentlichen Beschaffungen zu sehen, argumentiert das National Institute of Public Finance and Policy, New Delhi in seiner Ende Juli 2017 veröffentlichten Studie Public Procurement in India.

Praxischeck Ausschreibungen: Niedrigpreise und Bürokratie erschweren Zugang

Sind die administrativen und technischen Hürden für den ausländischen Bieter genommen, stellt sich oft der niedrige Preis der Mitbewerber als das Haupthindernis in den Weg. "Es ist ein hartes Auswahlverfahren, der Anbieter muss sich streng an die technischen Vorgaben halten. Die größte Herausforderung kommt jedoch vom Preis", erklärte Anand Narayanan, Verkaufsleiter von Bosch Indien für das Smart Cities Program im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Indien gilt generell als preisbewusster Markt, und hierbei machen auch öffentliche Ausschreibungen keine Ausnahme.

Deutsche Anbieter liegen mit ihren High-Tech-Produkten nun mal eher im oberen Preissegment. Deshalb ist von ihnen immer wieder der Wunsch zu hören, bei Ausschreibungen das Gesamtpaket (alle Kosten einschließlich Wartung und Lebensdauer) zu berücksichtigen. Denn hierbei kann das Siegel Made in Germany punkten.

Von Vorteil bei größeren Ausschreibungen ist es auch, ein Konsortium aus komplementären deutschen Unternehmen zu bilden oder einem bereits bestehenden beizutreten. Unternehmen wie Bosch sind in Indien bereits in den Sektoren Mobilität und Umweltüberwachung unterwegs und gut etabliert. "Andere namhafte Firmen sind es in den Bereichen Energie und Wassermanagement", erklärte Anand Narayanan. Auch kann die Hereinnahme eines indischen Partners mit günstigen Produkten und Systemintegration die Wettbewerbsfähigkeit des Gesamtpakets erhöhen.

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