So war´s: Eine Reise in das Silicon Valley - moderner Mythenort und Athen des einundzwanzigsten Jahrhunderts!?

So war´s: Eine Reise in das Silicon Valley - moderner Mythenort und Athen des einundzwanzigsten Jahrhunderts!?

Unternehmerreise der IHK Würzburg-Schweinfurt


Würzburg (05.12.2017) - Weltweit ist das Silicon Valley eines der bedeutendsten Standorte der IT- und Hightech-Industrie. Es leben dort knapp 2,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von ca. 2.400 Quadratkilometern....

Inspirationstour für neue strategische Ansätze

Zukünftig wird nahezu jeder Akteur in der Wirtschaft sich Gedanken machen müssen, ob das eigene Geschäftsmodell aufgeht. Aus der ganzen Welt reisen derzeit Manager in das Silicon Valley. Alle hoffen auf neue Ideen, um die eigene Geschäftsstrategie weiter zu entwickeln.
Die Deutsch-Amerikanische  Handelskammer in San Francisco (AHK) und die IHK Würzburg-Schweinfurt führten gemeinsam eine Unternehmerreise ins Silicon Valley durch. Ende September machte sich eine 22-köpfige Reisegruppe auf und reiste in das ca. zehn Flugstunden entfernte Silicon Valley.

Die Reisegruppe setzte sich aus Firmenvertretern unterschiedlicher Branchen und Größen aus Mainfranken zusammen. „Unschätzbarer Vorteil der Reise war, dass sich die Manager in kürzester Zeit mit einer verhältnismäßig hohen Zahl unterschiedlicher Player aus dem Silicon Valley austauschen konnten, so der IHK-Bereichsleiter International, Kurt Treumann. Durch Kontakte zu Start ups, wie der Firma Mesosphere, sie hat mainfränkischen Wurzeln, der Wirtschaftsförderung Bay Area Council, dem German Accelerator, dem weltweit größten Start up Accelerator „Plug and Play“, unterschiedlichen Vertretern von Universitäten, dem SAP AppHaus, LinkedIn, dem weltweit größten beruflichen Netzwerk, oder gar einer Pitch-Night, wurde das „Ökosystem“ Silicon Valley verständlicher.

Einzigartigkeit des Silicon Valleys

Der Fortschrittsglaube ist im Silicon Valley allgegenwärtig. Dies ist letztendlich vermutlich mit auch auf das „Erbe“ der links-liberalen Hippiebewegung und dem damit verbundenem progressiven Denken der sechziger Jahre des letzten Jahrhundert zurückzuführen. Bis hin zu zukünftigen Menschensiedlung auf dem Mars - keine Idee kann im Silicon Valley nicht zu einem Produkt werden. Das Internet ist omnipräsent und so bemerkte Olaf Groth von der Hult University, Bay Area Innovation System and Culture während eines Workshops gegenüber der Reisegruppe, dass digitale Daten das Öl des 21. Jahrhunderts seien. Der legendäre Apple-Werbeslogan „Think different“ trifft den Nagel auf den Kopf. Anderssein und Kreativität sind im Silicon Valley das Maß der Dinge. Im Vergleich zur „alten Welt“ herrscht im Silicon Valley eine größere Bereitschaft vor, alte Zöpfe abzuschneiden.

„Bei unseren Kontakten während der Reise fiel mir immer wieder auf, wie unkonventionell die Unternehmen im Silicon Valley Projekte initiieren und vergleichsweise optimistisch der Umgang mit unternehmerischen Risiken ist“, so der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Bode. Der Austausch der Mitarbeiter der Unternehmen im Silicon Valley ist sehr intensiv, bspw. über beschreibbare Bürowände. Wissen wird oftmals und gerne in einer Symbiose mit anderen Firmen geteilt. Das Scheitern eines Start ups, eines Investments oder im eigenen Job, wird weniger als in Deutschland stigmatisiert. Die Grundeinstellung gegenüber Fehlern ist damit weniger belastend und wird als eher unvermeidbarer Teil des Ganzen und für den Erfahrungsschatz sogar förderlich angesehen. Immer wieder stellte die Reisegruppe sogar eine Grundeinstellung zur Gelassenheit bis hin zu einer Art spielerischen Umganges mit dem Risiko fest.

Dies ist wohl auch eine wichtige Basis für den Erfolg. Interessant war auch, dass die Reisegruppe bei ihren Kontakte nur wenig über langfristige unternehmerische Planung oder gar von Unternehmensentwicklung hörte. Dafür ist die Geschwindigkeit der Produktzyklen im Silicon Valley extrem hoch. Oftmals werden Produkte bzw. Serviceleistungen, ganz entgegen der deutschen Mentalität, nicht bis ins letzte Detail zu Ende entwickelt oder geprüft. Sogenannte „Early Adopters“, speziell ausgewählte Kunden, geben dafür aber unmittelbare Rückkoppelung.

„Blaupause Silicon Valley“?

Der Verlauf der Reise zeigte klar, dass es sich beim Silicon Valley also nicht ausschließlich um eine prosperierende kalifornische Hightech-Region handelt, sondern (vielmehr) eine mentale Grundeinstellung. Allein deswegen lässt sich das Erfolgsrezept nicht übertragen. Aber auch andere Gründe stehen Nachahmern entgegen und sind eng verwoben mit dem Werdegang des Silicon Valleys. Das Silicon Valley entwickelte sich aus einer damals kleinen Privatuniversität, der Stanford University mit dem deutschsprachigen Motto „Die Luft der Freiheit weht“ und der University of California, Berkely. Durch Kooperationen mit Unternehmen aus der Hochtechnologie wurde die unglaubliche Innovationskraft und Dynamik der Region rasend schnell vorangetrieben. Dabei spielte die räumliche Nähe zu den Akteuren aus industrieller Forschung und Entwicklung immer eine wichtige Rolle. Universitäre Dienstleistungen und Geräte wurden für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt.

Sogenannte Inkubatoren, Technologiefabriken mit forschungs- und entwicklungsorientierter Infrastruktur, konnten sich dadurch entwickeln. Natürlich trug der hohe Zufluss an enormer Finanzkraft in Form von Venture Capital einen großen Anteil dazu bei, dass das Silicon Valley in nur wenigen Jahrzehnten diesen einzigartigen Wachstumspfad beschreiten konnte. Jährlich geben laut dem Ersten Deutschen Fernsehen kalifornische Investoren 33 Mrd. Dollar für Wagniskapital aus. In Deutschland sind es nicht einmal eine Mrd. Dollar. Der sogenannte „VC“, der Venture Capitalist investiert meist in mehrere Geschäftsideen gleichzeitig, von denen dann nur ein Teil am Ende profitabel ist. Der „VC“ entscheidet über Neugründungen von Firmen und die Erfolgsaussichten des Geschäftskonzepts. Er mehrt seinen Einfluss über den Erwerb von Firmenanteilen bis zur Leitung der Firma. Im Gegensatz zu den Banken erfolgt die Bereitstellung des Kapitals für die Unternehmen zinslos und die Gründer der Start ups haben den Vorteil, dass das in sie investierte Kapital im Falle eines Scheiterns ihrer Unternehmensidee nicht zurückgezahlt werden muss.

Whats up Silicon Valley?

In der Hoffnung auf Partnerschaften mit Technologieführern, Innovatoren und Kooperationen siedeln sich derzeit auch immer mehr deutsche Firmen im Silicon Valley an. Um Lösungen für das eigene Unternehmen zu finden, sollen Digitalisierungsstrategien und -trends im US-amerikanischen Markt  so schneller ausgemacht werden. Von herausragender Bedeutung ist dafür nach wie vor die Nähe zu Technologiekonzernen, Start ups und den Universitäten. Während der Unternehmerreise fiel immer wieder der Begriff „disruptive technologies“. Damit ist gemeint, dass etablierte Produkte oder Dienstleistungen durch neue Technologien ersetzt werden können. Ein gutes Beispiel für Disruption ist „der Gelbe Riese“ Kodak. Über 100 Jahre weit vorne als Entwickler, erkannte der Filmhersteller die Bedeutung der Digitalisierung zu spät. Unternehmer tun gut daran, sich nicht ausschließlich auf die Zerstörung zu fokussieren, sondern den Prozess der Disruption als mögliche Chance zu begreifen.

Bei der Ausbreitung neuer Technologie werden „alte“ Arbeitsplätze verloren gehen. Kalifornien ist aber auch der Beweis dafür, dass im Silicon Valley viele neue Arbeitsplätze neu geschaffen wurden. So berichtete Zeit Online über den Zeitraum von 2010 bis 2015 von 385.000 Arbeitsplätzen. Am Ende der Unternehmerreise fasste der mitgereiste IHK-Präsident Otto Kirchner von der FRÄNKISCHE Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG zusammen, dass in den USA das vorgelegte Tempo bei der Digitalisierung spürbar höher sei als in Deutschland, aber auch ein viel positiveres Klima für die Ansiedlung und Förderung von Start ups festzustellen wäre. Die mainfränkische Wirtschaft müsse die digitale Transformation und die Unterstützung von Gründungsinitiativen noch aktiver annehmen und gestalten.

Text: Kurt Treumann