So war´s: Erste deutsche IHK begleitete Unternehmern in die Islamische Republik Iran

Würzburg (12.07.2016) - Die IHK Würzburg-Schweinfurt besuchte mit einer über dreißig-köpfigen Gruppe von Unter-nehmensvertretern vom 23. – 29. April 2016 den Iran.
  • Nur fünf Flugstunden entfernt
    Nur fünf Flugstunden entfernt
    Für die meisten Reiseteilnehmer war der Iran „Neuland“. Ahmadinedschad, Atomkonflikt, Sittenwächter, Scharia mit drakonischen Strafen und vielen Verboten, schlecht gelaunte Menschen und orientalische Machos – so verknüpften wohl mehrheitlich die Reiseteilnehmer den Begriff Iran noch kurz vor dem Boarding des Fluges Frankfurt - Teheran. Das flächenmäßig mehr als vierfach so große Land Iran ist ca. fünf Flugstunden von Deutschland entfernt. Die Fluglinie Lufthansa fliegt mittlerweile jeden Tag den Iran als Destination mit großen Maschinen an.
  • Offener, freundlicher Umgang
    Offener, freundlicher Umgang
    Die IHK-Unternehmerreise führte in die beiden Metropolen Teheran und Isfahan mit 16,0 Mio. und 1,75 Mio. Einwohnern. Dort wurden zwei Kooperationsbörsen und diverse Treffen bei Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen, wie dem Mischkonzern Mammut oder der Firma SH-STONETEC sowie einem deutsch-iranischen Joint Venture organisiert. Auch wurden beispielsweise die internationale Baumesse „Project Iran“ mit dem ersten bayerischen Firmengemeinschaftsstand, das Iran Nanotechnology Initiative Council und der Isfahan Science und Technology Parc besucht. Fazit aller Kontakte: Die iranischen Unternehmer meinten es wirklich ernst mit den deutschen Unternehmern. Der Umgang war entsprechend wertschätzend, offen und freundlich. Alle gastgebenden Unternehmen waren ausnahmslos gut auf den Besuch aus Deutschland vorbereitet. Ohne Ausnahme waren jeweils mehrere Mitglieder der obersten Geschäftsführungsebene als Ansprechpartner bei den Gesprächen anwesend. Der Reisegruppe standen männliche, wie auch weibliche hochgebildete und extrem selbstbewusste Iraner mit einem ausgeprägten Bewusstsein für Qualität gegenüber. Die iranische Seite betonte immer wieder, wie stark man gerade deutsche Produkte und Serviceleistungen schätzt. War noch Deutschland in den 80/90´er Jahren ein Haus- und Hoflieferant des Iran, so war das Land in den langen Jahren der Sanktionen gezwungen auf alternative Handelspartner, zumeist aus Fernost, mit oft minderer Produkt- und Servicequalität, auszuweichen. Die deutschen Unternehmensvertreter sahen in den diversen Produktionsstätten immer wieder veraltete Maschinen aus deutscher Fertigung, die offenbar in Zeiten weit vor den Sanktionen produziert worden waren.
  • Goldgräberstimmung im Iran?
    Goldgräberstimmung im Iran?
    Der Iran, das ehemalige Persien, fühlte sich immer im Zentrum der Welt. Geografisch ist der Iran sehr zentral gelegen. Das Land ist eine Schnittstelle zwischen dem Fernen dem Nahen Osten. Wichtige globale Handelswege führten zu allen Zeiten durch das Land. Der Zugang zu den Handelswegen und Irans gesegneter Rohstoffreichtum machten das Land immer wieder zum Zankapfel unterschiedlicher Staaten. Der Iran ist eine der ältesten Kulturnationen und besitzt eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt. Fünf Prozent der Iraner sind über 65 Jahre alt, aber 53 Prozent unter 30. Die Bevölkerung hat ein ausgeprägtes Bewusstsein für westliche Produkte. Während der IHK-Unternehmereise konnte klar herausgearbeitet werden, dass das ehemalige Persien durchaus gute Chancen vorrangig im Technologiebereich, der Informations- und Kommunikationstechnik, dem Maschinenbau, der Kfz-Branche, der Lebensmittel- und Verpackungstechnologie, der Öl-, Gas- und Petrochemie-Industrie, dem Kraftwerksbau, der Umwelttechnik, Projekten im Bereich Erneuerbarer Energieen, der Medizintechnik und auch der Baubranche bietet. Aber auch in anderen Bereichen herrscht Nachholbedarf und sogar Investitionsstau und der Iran ist derzeit auf ausländische Produkte und Know-how erheblich angewiesen. Interessant macht das ehemalige Persien aber auch die Tatsache, dass andere Märkte, wie China, Russland oder Brasilien derzeit aus unterschiedlichen Gründen Probleme haben. Der Iran verfügt weltweit über die größten Erdgasreserven und bei den Erdölreserven liegt der Iran auf Platz vier.
  • „Made in Iran“ mit Technologie aus dem Ausland
    Doch sind die Zeiten vorbei, in denen die Iraner sich vorrangig mit dem Import zufrieden geben. Die Iraner sehen derzeit die Chance ihre Industrie neu auszurichten. Kooperationen mit ausländischen Partnern favorisiert. Lokale Fertigung steht im Fokus. Aufgrund der Sanktionen des Westens gegen den Iran war der Handel mit Deutschland lange Jahre stark eingeschränkt. Diese Zeit nutzten Anbieter von Nationen, wie die der Türkei, Russland, Südkorea, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien oder China. Der Wettbewerb im Iran ist also diesbezüglich intensiv. Ganz einfach wird es somit nicht. Insbesondere der „Große Drache“ China hat in den vergangenen Jahren seine Marktanteile stark ausbauen können und wird den Markt nicht kampflos aufgeben. Das große Wettrennen um eine gute Positionierung auf dem iranischen Markt hat längst begonnen. Hotels sind in den Metropolen ausgebucht, ein Politiker nach dem anderem führt Wirtschaftsdelegationen an und die Deutsche Auslandshandelskammer in Teheran wird tsunamiartig mit Anfragen der unterschiedlichsten Art überflutet. Doch bei all den Chancen, die man sich als ausländischer Unternehmer im Iran derzeit ausrechnen darf, gibt es derzeit auch eine Schattenseite mit dem Irangeschäft. Die Sanktionen sind noch nicht komplett aufgehoben. Im Falle eines Verstoßes der iranischen Seite gegen die Sanktionen greift der sogenannte „Snap-Back“-Mechanismus. Damit ist eine Klausel gemeint, die im schlimmsten Fall zu einer Wiedereinführung der Sanktionen ‎führen kann. Die meisten europäischen Banken bleiben derzeit, angesichts drohender Strafmaßnahmen, zurückhaltend was Lösungen rund um den Zahlungsverkehr betreffen. Unternehmen benötigen neben der Bankenfinanzierung auch eine Möglichkeit der staatlichen Absicherung ihrer Exportgeschäfte. Nun können Anträge auf Hermes-Bürgschaften, mit denen die Bundesregierung die Zahlungsansprüche von Unternehmen im Ausland absichert, gestellt werden. Diese werden dann im Zusammenhang mit dem Irangeschäft von Fall zu Fall genehmigt. Seit dem 01.07.2016 sind für die Deckung von Exportgeschäften mit Kreditlaufzeiten von mehr als 360 Tagen grundsätzlich Sicherheiten des iranischen Finanzministeriums oder der Zentralbank notwendig. Gleiches gilt für kurzfristige Geschäfte mit einer Kreditlaufzeit von bis 360 Tage). Wenn gewisse Rahmenbedingungen gegeben sind, kann allerdings beim Kurzfristbereich auf iranische Staatssicherheiten verzichtet werden.
  • Flexibilität erforderlich!
    Flexibilität erforderlich!
    „Für die Reisegruppe, die die IHK anführte, war es wichtig einen „Ersten Aufschlag“ im Iran zu machen. Fragen über die Rahmenbedingungen der iranischen Wirtschaft und wie die persischen Unternehmer aufgestellt sind, standen im Fokus. Der Iranaufenthalt machte deutlich, dass man als Ausländer zwar mit offenen Armen empfangen wird. Doch muss man auch gewillt sein, ein gehöriges Maß an Flexibilität mitzubringen. Sich gesicherte wirtschaftliche Informationen im Iran zu besorgen ist derzeit nicht leicht. Bei der Auswahl potenzieller Geschäftspartner im Iran muss man vorsichtig sein. Die „Haie“, die zu viel versprechen und kategorisch vorgeben, allerbeste Kontakte in die unterschiedlichsten wirtschaftlichen und politischen Kreise zu haben, müssen zeitaufwendig separiert werden. Zumindest mittelfristig wird der iranische Markt ein hochinteressant, aber auch eine potenzielle Handelsplattform in der umliegenden Region sein“, so Kurt Treumann, Bereichsleiter International der IHK Würzburg-Schweinfurt.
    Bericht: IHK Würzburg-Schweinfurt, Kurt Treumann, Bereichsleiter International
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