Bayern importiert

Deutsche Unternehmen sind Exportweltmeister. Im Jahr 2017 führten sie Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp 1,3 Billionen Euro aus. Auch die bayerische Wirtschaft fuhr einen Exportrekord ein. Ihre Ausfuhren stiegen 2017 um acht Prozent auf 180 Milliarden Euro.

Doch wer im Absatz Spitzenleistungen erzielt, übersieht leicht, wie wichtig der Einkauf ist. Dabei bezogen deutsche Unternehmen 2017 Waren und Vorleistungen im Wert von 1.034 Milliarden Euro aus dem Ausland. Die Importe kletterten damit erstmals über die Schwelle von einer Billion Euro. Das wirkt auch Deutschlands Exportüberschüssen entgegen.

Entwicklung der deutschen Ein- und Ausfuhren

Quelle: Statitisches Bundesamt

Wertanteil von "Made in Germany" bleibt konstant

Durch die Globalisierung ist zwar der Anteil der Einfuhren gestiegen, die Unternehmen in Gütern verarbeiten, die sie dann wieder ausführen. Dennoch hat sich dieser Importanteil der Exporte in den vergangenen zehn Jahren bei etwa 40 Prozent eingependelt. Mit anderen Worten: Trotz steigender Importe bleibt der Anteil von Wertschöpfung „Made in Germany“ an den deutschen Exporten unverändert hoch. Meldet das Statistische Bundesamt.

Da deutsche Unternehmen jedes Jahr mehr ein-, aber auch mehr ausführen, ist auch die Importabhängigkeitsquote stabil. Aktuell beträgt dieser Anteil der aus dem Ausland zugekauften Wertschöpfung an allen in Deutschland hergestellten Gütern 22 Prozent.

Importe wachsen künftig stärker als die Ausfuhren

Die Mehrheit der Unternehmer geht davon aus, dass der Anteil der Güter und Vorleistungen, die sie im Ausland einkaufen, künftig deutlich dynamischer zunimmt als ihre Exporte. Laut einer Umfrage im Auftrag der KfW Bank erwartet der Großteil bereits heute international tätigen mittelständischen Unternehmen zukünftig ein höheres Wachstum der Auslandseinkäufe als der Exportumsätze. Dabei wird deutlich, dass je größer und je internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, desto stärker seine Importe wachsen. Begründet wird dies vor allem mit steigendem Kosten- und Wettbewerbsdruck und Einsparpotenzialen durch Global Sourcing.

Wo kauft der Mittelstand ein?

Wie Unternehmen in anderen Bundesländern kaufen auch bayerische Mittelständler zunehmend im Ausland ein.

Ein Drittel der nach Bayern importierten Güter sourcen Unternehmer in Europa. Danach folgen mit großem Abstand die Regionen Asien (18 Prozent), Nordamerika (rund sieben Prozent) sowie Süd- und Osteuropa/GUS (knapp sechs Prozent). Das rohstoffreiche Afrika und Südamerika sind für die bayerische Wirtschaft dagegen bislang noch keine nennenswerten Herkunftsregionen für Waren und Vorprodukte.

Im Ranking der zehn wichtigsten Beschaffungsländer für bayerische Unternehmen befindet sich Österreich, vor der Volksrepublik China, Tschechien, Italien, Polen, Ungarn, den Niederlanden, den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.

Bei der heutigen Verteilung der Beschaffungsmärkte wird es nach Ansicht vieler Unternehmer jedoch nicht bleiben. Sie erwarten, dass China und seine Nachbarstaaten in der ASEAN-Region sowie die osteuropäischen Staaten künftig immer wichtiger werden.

Herkunft der bayerischen Importe 2017

Importschlager Elektronik

Die Bedeutung der einzelnen Beschaffungsländer und -regionen für bayerische Unternehmen hängt auch mit der Zusammensetzung des Importportfolios zusammen. Elektronische und optische Erzeugnisse führen die bayerischen Einfuhren an, vor Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen sowie Maschinen und vorgefertigten Anlagen. Je nach Warengruppe können sich die Herkunftsländer dabei stark unterscheiden. Elektrotechnische Erzeugnisse, darunter elektronische Bauelemente, stammen größtenteils aus den USA und China, gefolgt von den Ländern Südostasiens. Kfz-Komponenten wie Antriebe und Motoren kommen häufig aus den europäischen Ländern nach Bayern.

Anteile einzelner Warengruppen an den bayerischen Importen 2017 in Prozent