Ungarn

Erscheinungsdatum: 30.09.2019

Verfasser: AHK Ungarn, Dr. Dániel Boros, Leitung Recht und Steuern


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Rechnungsstellung und Umsatzsteuer

In diesem Kapitel werden ausschließlich die länderspezifischen Regelungen betrachtet. Dies bedeutet, dass im Folgenden nur die Ausnahmen von der Grundregel bei der umsatzsteuerliche Behandlung des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs zwischen Unternehmen (B2B)erläutert werden.

Die Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nr.) ist in Ungarn wie folgt aufgebaut:

  • Bezeichnung der USt-IdNr in der Landessprache: közösségi adószám
  • Abkürzung Aufbau: EU-adószám
  • Länderkennzeichen: HU
  • Anzahl der weiteren Stellen: acht, Beispiel: HU87654321

Höhe der Umsatzsteuersätze

Die umsatzsteuerrechtliche Regelung zu den Steuersätzen ist in § 82 UStG enthalten.

Der Normalsteuersatz beträgt 27 %.

Ermäßigte Steuersätze:

1. Der Steuersatz i. Hv. 5% (Anlage 3 des ung. UstG) gilt für

  • Humanarzneimittel
  • Heilpflanzendrogen
  • Braille-Tafel und weißer Stock für Blinde
  • Bücher, Tageszeitungen, Noten
  • Zuchtschweine und Rinder, Schafe, Ziegen, Fische
  • Neubauwohnung unter 150 bzw. Haus unter 300 m2
  • Fernwärme
  • UHT-Milch
  • Internetanschluss
  • Künstlervorträge u.U.

2. Der Steuersatz i. Hv. 18% (Anlage 3/A des ung. UstG) gilt für

  • Milchprodukte
  • Lebensmittel mit Getreide, Mehl und Milch
  • Gewerbliche Unterkünfte

7.1 Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens bei Dienstleistungen

Grundsätzlich ist auch hier das Reverse-Charge-Verfahren anzuwenden: Zwischen Unternehmen wird die ungarische MwSt durch den Leistungsempfänger bezahlt. (§37 und 140§ des ung. UstG.), wenn der Dienstleistungserbringer in Ungarn keine gewerbliche Niederlassung, keine ungarische Steuernummer hat.

Beispiel:

Aus Sicht eines deutschen Übersetzers, der einem in Ungarn ansässigen Unternehmen eine Übersetzung anfertigt, bedeutet dies, dass seine Übersetzungsleistung nicht in Deutschland steuerbar ist. Das bedeutet, dass die Leistung nicht der deutschen Umsatzbesteuerung unterliegt. Die Leistung ist vielmehr am Firmensitz seines Auftraggebers, das heißt in Ungarn steuerbar. Dies gilt auch dann, wenn die Tätigkeit nicht überwiegend vor Ort in Ungarn ausgeführt wird. Folge hiervon ist, dass die Rechnung ohne deutsche Umsatzsteuer auszustellen ist. Grundsätzlich muss vom Prinzip her aufgrund der Steuerbarkeit der Leistung in Ungarn vielmehr mit ungarischer Steuer abgerechnet werden. Da dies aufgrund der damit verbundenen Registrierungspflichten sehr aufwändig wäre, sind jedoch die Verfahrensvereinfachungen im ausländischen Recht zu beachten vgl. unter Punkt Reverse-Charge-Verfahren.

Abweichend von der Grundregel gibt es allerdings wesentliche Ausnahmen.

7.2 Ausnahmen

1. Dienstleistungen, die sich auf ein im Ausland gelegenes Grundstück beziehen

Dienstleistungen, die sich auf ein Grundstück beziehen, werden dort umsatzsteuerlich erfasst, wo das Grundstück liegt. Die Dienstleistungen, die hierunter fallen, sind vielfältig. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Vermietung von Immobilien,
  • die Begutachtung von Grundstücken,
  • Maklertätigkeiten,
  • ebenso fallen hierunter aber auch Bau- und Montageleistungen, die auf einem im Ausland gelegenen Grundstück ausgeführt werden,
  • sowie die Leistungen deutscher Messebauer im Ausland.

Die genaue Abgrenzung muss im Einzelfall sorgfältig vorgenommen werden. In konkreten Einzelfällen ist fachkundiger Rat zu empfehlen.

Dienstleistungen, die sich auf ungarische Grundstücke beziehen, sind aufgrund der Steuerbarkeit in Ungarn ausnahmslos ohne deutsche Umsatzsteuer abzurechnen. Dies gilt auch dann, wenn derartige Umsätze an in Deutschland ansässige Unternehmer abgerechnet werden. Dies hat grundsätzlich noch nicht zur Folge, dass sich der Subunternehmer in Ungarn umsatzsteuerrechtlich registrieren lassen muss.

Eine Registrierung muss allerdings dann erfolgen, wenn der Unternehmer neben Umsätzen bei denen die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergangen ist (Reverse-Charge-Verfahren) und er selbst als Leistungsempfänger eine Steuer schuldet (Reverse-Charge-Verfahren), wobei er hinsichtlich der auf ihn übergegangenen Umsatzsteuer zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt sein muss, noch weitere, zusätzliche Vorsteuern geltend machen möchte.

Insofern ist der deutsche Generalunternehmer verpflichtet sich in Ungarn umsatzsteuerrechtlich registrieren zu lassen, sofern dieser von seinem Subunternehmer eine Rechnung nach dem Reverse-Charge-Verfahren erhält, dieser selbst seine Ausgangsrechnung im Reverse-Charge-Verfahren stellt und daneben noch weitere (ungarische) Vorsteuern geltend machen möchte.

In diesem Fall muss der Generalunternehmer in Ungarn Umsatzsteuervoranmeldungen und/oder eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben.

2. Einräumung der Eintrittsberechtigung zu Kongressen, Seminaren und ähnlichen Veranstaltungen im Ausland

Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Einräumung der Eintrittsberechtigung von Kongressen, Seminaren oder ähnlichen Veranstaltungen im Ausland unterliegen der Umsatzbesteuerung am jeweiligen Tätigkeitsort, das heißt also dort, wo die entsprechende Veranstaltung stattfindet.

Dies hat zur Folge, dass sich der deutsche Unternehmer in Ungarn umsatzsteuerrechtlich registrieren muss, auf den Rechnungen die ungarische Umsatzsteuer ausweisen muss und in Ungarn Umsatzsteuervoranmeldungen und/oder eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben muss.

3. Restaurations- und Verpflegungsleistungen

Restaurant- und Verpflegungsleistungen sind dort steuerbar, wo sie erbracht werden. Das heißt, beim Essen in deutschen Restaurants fällt deutsche Umsatzsteuer an. Wer hingegen in Ungarn essen geht, wird mit ungarischer Steuer belastet.

Restaurant- und Verpflegungsleistungen, die an Bord eines Schiffs, eines Flugzeugs oder in der Eisenbahn während der innerhalb der Gemeinschaft stattfindenden Beförderung ausgeführt werden, sind am Abgangsort der Personenbeförderung steuerbar.

4. Kurzfristige Vermietungen von Beförderungsmitteln

Kurzfristige Vermietungen von Beförderungsmitteln sind dort steuerbar, wo das Beförderungsmittel tatsächlich zur Verfügung gestellt wird. Der kürzere Zeitraum wird dabei mit einem Zeitraum von 30 Tagen ununterbrochenen Besitzes (bei Wasserfahrzeugen 90 Tagen) definiert. Wer also in Budapest am Flughafen einen Mietwagen für eine kurze Geschäftsreise übernimmt, wird hierfür mit ungarischer Steuer belastet.

Werden Fahrzeuge hingegen über die genannten 30 Tage hinaus gemietet oder geleast, gilt die Grundregel. Nach dieser kommt es für die Steuerbarkeit auf den Sitz des Leistungsempfängers an.

Dies hat zur Folge, bei einer langfristigen Vermietung von Fahrzeugen durch einen deutschen Unternehmer an einen ungarischen Unternehmer, ist die Leistung daher in Ungarn (Sitz des Leistungsempfängers) steuerbar. In diesem Fall soll die Möglichkeit der eventuellen steuerlichen Registration überprüft werden.

5. Personenbeförderung

Personenbeförderungen schließlich werden nach der zurückgelegten Beförderungsstrecke beurteilt. Dies bedeutet, dass ggf. eine Aufteilung nach Streckenanteilen vorzunehmen ist.

Dies hat zur Folge, dass der deutsche Unternehmer, welcher eine Personenbeförderungsleistung von München nach Budapest erbringt, die Leistung entsprechend einem Inlands- und Auslandsanteil aufteilen muss. Der Anteil, welcher auf Deutschland entfällt, unterliegt der deutschen Umsatzsteuer (von München bis zur Grenze). Der Anteil, welcher auf Österreich entfällt, unterliegt grundsätzlich der österreichischen Umsatzsteuer und der Anteil, welcher auf Ungarisch entfällt (ab der Grenze bis Budapest), unterliegt grundsätzlich der ungarischen Umsatzsteuer. Auch in diesen Fällen kann hinsichtlich des ungarischen Anteils das Reverse-Charge-Verfahren angewandt werden. Daher ist hinsichtlich des ungarischen Anteils die Rechnung netto mit dem Hinweis auf Übergang der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger unter Angabe seiner UID-Nummer und der UID-Nummer des Leistungsempfängers zustellen.

7.3 Rechnungsstellung bei Ausnahmen

Deutsche Umsatzsteuer ist, sofern der Leistungsort im Ausland liegt, in der Rechnung nicht auszuweisen. Wird dies nicht beachtet, steht der Vorsteuerabzug für den deutschen Rechnungsempfänger in Frage, da es sich in diesem Fall um zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer handelt, die als solche nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Für diese Umsätze muss vielmehr generell die ausländische Umsatzsteuer des Landes, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird, in Rechnung gestellt werden, die vom Leistenden, d. h. rechnungsstellenden, deutschen Unternehmer auch geschuldet wird. Voraussetzung in Ungarn ist hierfür die vorherige steuerliche Registrierung des deutschen Unternehmens.

Hinweis:
Erbringt der deutsche Unternehmer, welcher in Ungarn keinen Sitz und keine Betriebsstätte hat, in Ungarn eine steuerpflichtige Leistung, d.h. ist dieser verpflichtet, die ungarische Umsatzsteuer auf den Rechnungen auszuweisen, so ist die auf diese Leistung entfallende Umsatzsteuer vom ungarischen Empfänger der Leistung einzubehalten und im Namen und für Rechnung des leistenden, deutschen Unternehmens, an das für den deutschen Unternehmer in Ungarn zuständige Finanzamt abzuführen.  

Eine Registrierung ist allerdings dann erforderlich, wenn der Unternehmer in Ungarn neben Umsätzen bei denen die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergegangen ist („Ausgangsrechnungen mit Reverse-Charge-Verfahren“), als Leistungsempfänger eine Steuer schuldet („Eingangsrechnungen mit Reverse-Charge-Verfahren“), und der Unternehmer noch weitere, zusätzliche ungarische Vorsteuern („Eingangsrechnungen mit ungarischer Vorsteuer“) geltend machen möchte.

Zur Registrierungspflicht und zur genauen Prüfung des Tätigkeitsorts sollte die Auskunft der zuständigen ausländischen Steuerbehörde bzw. der fachkundiger Rat eines Steuerberaters, der sich mit dem jeweiligen Landesrecht auskennt, eingeholt werden.

Die steuerliche Registrierung hat zur Folge, dass das deutsche Unternehmen in Ungarn die Umsatzsteuervoranmeldung und/oder Umsatzsteuerjahreserklärung und ggf. die Zusammenfassende Meldung abgeben muss. Ein Fiskalvertreter kann deutschen Unternehmen dabei helfen, diese steuerlichen Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt zu erledigen.

Kontakt:

NAV KAVIG – Zentralstelle für Ausländer der Steuerbehörde
H-1077 Budapest, Dob utca 75-81
E-Mail: kavig@nav.gov.hu
Postadresse: H-1410 Budapest Pf. 138

7.4 Elektronische Datenübermittlung

Seit 1. Juli 2018 Ist die Übermittlung von Rechnungsdaten an die Finanzverwaltung vorgeschrieben. Die Regelung betrifft sowohl ungarische Unternehmen, als auch für umsatzsteuerliche Zwecke in Ungarn registrierte Unternehmen. Ab diesem Zeitpunkt sind  bestimmte Inhalte ihrer Ausgangsrechnungen an das sog. NAV-System zu melden, dabei besteht auch auf Empfängerseite die Möglichkeit, die entsprechende Rechnung abzufragen.  Zurzeit sind alle Rechnungen, die einen Umsatzsteuerbetrag von mindestens 100.000 HUF/320 EUR ausweisen, an das NAV-System zu übermitteln. Die Datenübermittlung hat in einem fest definierten XML-Format zu erfolgen

7.5 Umsatzsteuervoranmeldung bei Ausnahmen

In der deutschen Umsatzsteuervoranmeldung ist der entsprechende Umsatz in der Zeile 42, „Übrige nicht steuerbare Umsätze (Leistungsort nicht im Inland)" zu melden, wenn der Leistungsort im Ausland liegt.

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