Ungarn

Erscheinungsdatum: 30.09.2019

Verfasser: AHK Ungarn, Dr. Dániel Boros, Leitung Recht und Steuern


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Arbeitsrecht

Für die Dauer der Entsendung gelten für den Arbeitnehmer die jeweils vorteilhafteren Schutzbestimmungen. Dies ergibt sich aus der EU-Entsenderichtlinie (96/71/EG). Daher müssen die Bestimmungen zu Mindestlöhnen, Arbeits- und Ruhezeiten sowie Urlaub verglichen und gegebenenfalls angepasst werden.

4.1 Mindestlöhne

Deutsche Arbeitnehmer, die nach Ungarn entsendet werden, haben Anspruch ‎auf das durch Verordnungen festgelegte oder kollektivvertragliche ‎Entgelt ‎für die Dauer der Entsendung. Dies bedeutet, dass sie wie mindestens ungarische ‎Arbeitnehmer entlohnt werden müssen. ‎

Um das konkrete Mindestentgelt zu ermitteln, muss zuerst geprüft werden ob beim ungarischen Arbeitgeber (d.h. bei der Firma im „Gastland“) ein Kollektivvertrag abgeschlossen wurde.

Vertragsparteien eines Kollektivvertrages sind die Folgenden:

  • der Arbeitgeber (bzw. Interessenvertretende Organisation mehrerer Arbeitgeber)
  • die Gewerkschaft oder ein Gewerkschaftsbund.

‎Der Kollektivvertrag kann Folgendes regeln:

  • Rechte oder Pflichten, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben oder in Verbindung damit stehen,
  • die Vorgehensweise der Parteien in Verbindung mit dem Abschluss, der Erfüllung bzw. der Aufhebung des Kollektivvertrags sowie mit der Ausübung ihrer Rechte und der Erfüllung ihrer Pflichten.

Der jeweilige ungarische Arbeitgeber informiert den betroffenen Mitarbeiter über das Vorhandensein eines gültigen Kollektivvertrages.

Bruttoentgelt

In Ungarn wird der Mindestlohn regelmäßig in einer Regierungsverordnung von Jahr zu Jahr festgelegt. Es gibt einen allgemeiner Mindestlohn für alle Arbeitnehmer in Ungarn und ein Mindestlohn für solche Arbeitsbereiche, in denen mindestens ein Mittelschul-Abschluss erwartet wird.

Die Mindestlöhne betragen in 2019 für qualifizierte Arbeitnehmer brutto 195.000 HUF / Monat (~ 610 Euro) und für alle anderen Arbeitnehmer 149.000,-HUF / Monat (~465 Euro)

Der in dem Arbeitsvertrag vereinbarte Lohn, der sogenannte Grundlohn – ohne Prämie, Zulage etc. muss den Mindestlohn erreichen.

4.2 Arbeits- und Ruhezeiten

Das ungarische Arbeitszeitgesetz legt folgende Begrifflichkeiten fest:‎

Die Arbeitszeit ist der Zeitraum vom Beginn der für die Arbeitsverrichtung vorgeschriebenen Zeit bis zu deren Ende sowie die Dauer der mit der Arbeitsverrichtung verbundenen Vorbereitungs- und Abschlusstätigkeiten. Vorbereitungs- oder Abschlusstätigkeiten sind all die Aufgaben, die der Arbeitnehmer verbunden mit seinem Arbeitsbereich, gewöhnlich und regelmäßig, ohne gesonderte Weisung erledigen muss.

Ein Arbeitstag ist der Kalendertag oder sind die durch den Arbeitgeber festgelegten ununterbrochenen vierundzwanzig Stunden, wenn wegen der Tätigkeit des Arbeitgebers der Beginn und das Ende der Tagesarbeitszeit laut Einteilung nicht auf denselben Kalendertag fällt.

Eine Woche ist die Kalenderwoche oder sind die durch den Arbeitgeber festgelegten ununterbrochenen einhundertachtundsechzig Stunden, wenn wegen der Tätigkeit des Arbeitgebers der Beginn und das Ende der Tagesarbeitszeit laut Einteilung nicht auf denselben Kalendertag fällt.

Die Nachtarbeit ist die im Zeitraum zwischen zweiundzwanzig und sechs Uhr geleistete Arbeitsverrichtung.

Die volle Tagesarbeitszeit beträgt acht Stunden pro Tag (allgemeine volle Tagesarbeitszeit).

Die volle Tagesarbeitszeit kann - auf Grund einer Vereinbarung der Parteien - auf höchstens zwölf Stunden pro Tag angehoben werden, wenn der Arbeitnehmer

a) einen Arbeitsbereich mit Rufbereitschaft versieht,

b) ein Angehöriger des Arbeitgebers oder des Eigentümers ist (längere volle

Tagesarbeitszeit) oder

c) die zu erfüllende Arbeitszeit als Arbeitszeitrahmen festgelegt wurde.

Die Zahl der zulässigen Überstunden beträgt höchstens 4 Stunden am Tag, 8 Stunden in der Woche oder 400 (250 +150 aufgrund schriftlicher Vereinbarung mit dem Mitarbeiter) Stunden im Kalenderjahr

Ruhezeiten

Dem Arbeitnehmer ist, wenn die Dauer der Tagesarbeitszeit

a) mehr als sechs Stunden beträgt, eine Arbeitspause von zwanzig Minuten, bzw.

b) mehr als neun Stunden beträgt, eine weitere Arbeitspause von fünfundzwanzig Minuten zu gewähren.

Die Zahl der zulässigen Überstunden beträgt höchstens 4 Stunden am Tag, 8 Stunden in der Woche oder 250 Stunden im Kalenderjahr.

Zwischen der Beendigung der Tagesarbeit und dem Arbeitsbeginn am folgenden Arbeitstag muss eine zusammenhängende Ruhezeit von mindestens elf Stunden (tägliche Ruhezeit) zugesichert werden.

Den Arbeitnehmern stehen wöchentlich zwei Ruhetage zu (Wochenruhetag). Den Arbeitnehmern steht - an Stelle der Wochenruhetage - wöchentlich eine ununterbrochene wöchentliche Ruhezeit von mindestens achtundvierzig Stunden zu. Den Arbeitnehmern muss die wöchentliche Ruhezeit monatlich wenigstens einmal am Sonntag gewährt werden.

4.3 Urlaub

Den Arbeitnehmern steht auf Grund der bei der Arbeit verbrachten Zeit in jedem Kalenderjahr ein Urlaub zu, der aus Grund- und Zusatzurlaub besteht.

Die Höhe des Grundurlaubs beträgt zwanzig Arbeitstage.

Der altersbedingte Zusatzurlaubsanspruch steigt mit dem wachsenden Lebensalter auf maximal 10 Arbeitstage

Ab Lebensjahr

Zusatzurlaub in Tagen

25

1

28

2

31

3

33

4

35

5

37

6

39

7

41

8

43

9

45

10

">Der längere Urlaub steht dem Arbeitnehmer erstmals in dem Jahr zu, in dem er das angegebene Alter erreicht.

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