Tansania - viele Schätze - viele Chancen

Tansania - viele Schätze - viele Chancen

Im Gespräch mit... Jennifer Schwarz


Dar es Salaam (Juli/August 2018) - Jennifer Schwarz leitet seit April dieses Jahres die neue Außenstelle der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Tansania im Rahmen des vom BMZ-geförderten ExperTS-Programms. Mit dem Auwi-Portal Bayern sprach sie über Chancen und Risiken des Doing Business.

1. Was war der Grund für die Expansion der deutschen AHKs in Tansania?

Mit dem neuen AHK-Büro in Tansania ist das Netzwerk von AHK-Büros in Ländern Afrikas innerhalb kurzer Zeit auf 15 Büros in 12 Ländern angewachsen. Die Entscheidung des DIHK, ein weiteres Büro in Tansania zu eröffnen, ist der besonderen Bedeutung Afrikas für die deutsche wie auch europäische Wirtschaft sowie den hervorragenden Geschäftspotenzialen Tansanias geschuldet. Seit mehr als zehn Jahren erzielt Tansania ein jährliches Wirtschaftswachstum von 6 Prozent und mehr. Gleichzeitig ist Tansania ein Land, welches sich wie kaum ein anderes in Afrika durch politische Stabilität und Frieden auszeichnet und dabei eine hervorragende geografische Lage einnimmt, wodurch sowohl das östliche wie auch das südliche Afrika bedient werden können. Mit seinen vielfältigen Bodenschätzen, Edelmetallen und Gas sowie zahlreichen geplanten Megaprojekten bieten sich außerdem in zahlreichen Sektoren Invesititionspotenziale an.

Bisher sind noch relativ wenig deutsche Unternehmen in Tansania ansässig, wir gehen von ca. 30-40 Unternehmen aus. Dies soll sich mit der Eröffnung des AHK-Büros ändern, das an die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kenia angegliedert ist. Die besondere Partnerschaft zwischen dem DIHK und der GIZ unterstützt die Expansion des AHK-Netzwerks maßgeblich – durch das ExperTS-Programm wird nachhaltiges Wirtschaften weltweit gefördert. Insbesondere mittelständische Unternehmen werden motiviert, neue Märkte zu erschließen, innovative Kooperationen anzustoßen und so zu einer nachhaltigen Entwicklung Tansanias beizutragen.

2. Skizzieren Sie bitte die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Tansania!

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Tansania haben sich über viele Jahre sehr gut entwickelt. Deutschland zählt zwar noch nicht zu einem der Kern-Handelspartner Tansanias, das sind hinsichtlich der Hauptabnehmerländer: Schweiz, Indien, Südafrika und China; Hauptlieferlände Tansanias sind Cina, Indien, VAE, Südafrika, Japan und Kenia. 2017 nahm Tansania bei de deutschen Ausfuhren Rang 111, bei Einfuhren Rang 101 von jeweils 239 Ländern ein (Quelle: GTAI). Aus Tansania werden insbesondere Rohstoffe, Getränke und Tabak, Nahrungsmittel sowie nichtmetallische Mineralien nach Deutschland importiert. Aus Deutschland werden vor allem Maschinen, Nahrungsmittel, Elektrotechnik, KFZ-Teile sowie Reinigungsmittel und Kosmetik exportiert.

Seit 2016 ist die Bundesrepublik Deutschland an der „Dar es Salaam International Trade Fair – Saba Saba“ beteiligt und ermöglicht so insbesondere deutschen KMU Messebeteilgungen und unterstützt sie damit beim Einstieg in neue Auslandsmärkte.

Tansania hat sich in seinem Entwicklungsplan ambitionierte Ziele gesetzt und rückt  die Themen Industrialisierung und Infrastrukturaufbau in den Fokus. Hierbei ist das Land auf internationale Investoren angewiesen. Allerdings gestaltet sich der Ausbau der Beziehungen teilweise schwierig aufgrund der verstärkt protektionistischen Maßnahmen des Präsidenten und neuen Gesetzgebungen, welche Investionen in Tansania teilweise erheblich erschweren. Erwähnenswert ist an dieser Stelle das Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Tansania, das bereits seit den 60er Jahren besteht und deutsche Investitionen entsprechend schützt.

3. Welche Branchen der Wirtschaft Tansanias sind für bayerische KMU generell interessant?

Das hohe Wirtschaftswachstum Tansanias kombiniert mit einer relativ politischen Stabilität und einer hervorragenden Lage macht Tansania zu einem beliebten Ziel ausländischer Investoren. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt im Bereich Bergbau, Infrastruktur und Bau sowie Agrarwirtschaft.

Im Energiesektor ergeben sich für bayerische KMU Möglichkeiten, bspw. als Technologie- und Wissenszulieferer bei großen Kraftwerkprojekten. Im Süden Tansanias ist mit einem umstrittenen Projekt der Aufbau eines Wasserkraftwerks geplant, wodurch 2.100 Megawatt produziert werden sollen. Weitere Geschäftschancen ergeben sich auch im Bereich erneuerbare Energien, wo Beratungsdienstleistungen zur Einführung von Energiemanagementsystemen und Lösungen zur Energieeffizienz interessant wären.

Die zahlreichen Megaprojekte, welche vom Präsidenten Magufuli für sein Land angekündigt wurden, bieten weitere Geschäftschancen für bayerische KMU. Der Umzug des Parlaments sowie aller Ministerien und öffentlicher Institutionen sowie Auslandsvertretungen, Entwicklungsorganisationen etc. nach Dodoma erfordert eine große Anzahl von Infrastruktur- und Baumaßnahmen. Geplant ist ein neuer internationaler Flughafen, Wohngebiete und internationale Schulen für mittelständische Familien und Expatrierte, neue Hotels, Versorgungsinsfrastruktur, Abwassersysteme etc..

Dodoma liegt in der Mitte des Landes und soll durch die Eisenbahn besser erschlossen werden. In diesem Zusammenhang werden alte Eisenbahnverbindungen erneuert und erweitert. Ein weiteres Großprojekt ist die geplante Rohölpipeline von Uganda nach Tansania sowie eine geplante Gasverflüssigungsanlage im Süden des Landes inkl. Förderanlagen, Pipelines und Versorgungsinfrastruktur.

4. Auf was muss ein deutscher Investor beim Doing Business in Tansania beachten? Welche Probleme gibt es (Korruption?), welcheTipps haben Sie?

Tansania nimmt beim „Ease of Doing Business Ranking“ Platz 132 von 190 Ländern ein, beim „Korruptionsindex“ Platz 116 von 176 Ländern. Beide Indikatoren deuten auf gewisse Herausforderungen beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen mit Tansania. Allerdings sollten sich potentielle Investoren davon nicht abschrecken lassen - seit dem Machtantritt des amtierenden Präsidenten Magufulis hat sich beispielsweise die Korruption deutlich abgeschwächt. Umfangreiche Reformen im Privatsektorbereich sollen Barrieren für Investoren abbauen und bürokratische Prozesse vereinfachen. Die Reformen und die neu geschaffenen Strukturen führen jedoch noch zu gewissen Unsicherheiten bei den eigenen Institutionen, was in der Realität dazu führt, dass  bürokratische Prozesse zunehmen und Entscheidungsträger sich davor scheuen, Entscheidungen zu treffen aus der Angst heraus, eine falsche Entscheidung zu treffen, was zu einem Jobverlust führen könnte. Diese Situation wird sich jedoch über die nächsten Jahre verbessern,  wenn die neuen Prozessschritte und Anforderungen entsprechend implementiert wurden.

Abgesehen davon sind die kulturellen und religiösen Gegebenheiten im Land wichtig zu verstehen, um erfolgreich wirtschaften zu können. Gespräche starten beispielsweise nie mit dem eigentlichen Thema, für welches man sich verabredet hat, sondern zunächst wird mehrere Minuten über die Familie, das Wetter, etc. gesprochen. Dies kann teilweise sehr kräftezerrend sein, am Ende gelangt man aber dennoch zu dem, was man besprechen wollte. Weiterhin ist es wichtig, welche Stellung der Geschäftspartner inne hat – ein unterstellter Mitarbeiter wird nie zuerst sprechen und sich immer dem Vorgesetzten unterordnen. Geschäftstermine beginnen selten pünktlich und es kann durchaus passieren, dass statt einer Person plötzlich fünf Personen anwesend sind. In Tansania leben Christen und Muslime sowie Naturreligionen relativ friedlich nebeneinander, dennoch ist es gut zu wissen, welcher Religion und ggf. welcher Abtammung (Indisch) der Geschäftspartner angehört. Beim Handeln ist es besser, etwas Zeit mitzubringen – Tansanier handeln gerne und lange, ungeachtet des Wertes des Produktes. Alles in allem sind die tansanischen Geschäftspartner sehr freundlich und offen. Mein Tipp – in Tansania braucht man  etwas Geduld, um Geschäfte erfolgreich durchzuführen, allerdings gibt es eine sehr große Flexibilität und es wird immer versucht eine Lösung zu finden, selbst wenn es schwierig scheint. Das AHK-Büro in Tansania hilft bei der Überwindung kultureller Barierren und unterstützt bei der Suche nach passenden Geschäftspartnern und Kunden vor Ort.

5. Tansania gilt als eines der dynamischsten Wachstumsmärkte in Afrika? Gleichzeitig zählt es zu den ärmsten Ländern der Welt? Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch?

Es ist richtig, dass Tansania trotz eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstums von rund 6 % nach wie vor zu einem der ärmsten Ländern der Welt zählt. Laut des Human Development Index steht Tansania auf Platz 151 von 188 bewerteten Ländern. Dieser Widerspruch lässt sich vor allem durch das hohe Bevölkerungswachstum im Land erklären – im Durchschnitt bekommen Frauen in Tansania 5,1 Kinder – ein Wirtschaftswachstum vom 6% reicht da nicht aus, um die Lebensbedingungen der ständig wachsenden Bevölkerung spürbar zu verbessern. Besonders die Oberschicht profitiert vom Wirtschaftswachstum. Auch hat sich eine kleine Mittelschicht etabliert, welche langsam aber stetig wächst, und damit großes Potenzial für deutsche Unternehmen darstellt, auch hinsichtlich der steigenden Zahl von Konsumenten.

Zur Person:
Dr. Jennifer Schwarz leitete vor ihrer Tätigkeit in Tansania als Programmdirektorin  bei  der schweizerischen Kühne-Stiftung über fünf Jahre die Aktivitäten in den Regionen des östlichen und südlichen Afrikas mit Sitz in Schindellegi (CH), Daressalam (TZ),  und Kapstadt (SA). Jennifer Schwarz studierte Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität (FU) in Berlin und setzte ihre wissenschaftliche Karriere an der Technischen Universität (TU) in Berlin fort. Für ihre Doktorarbeit wurde sie 2012 mit dem Wissenschaftspreis der Bundesvereinigung für Logistik ausgezeichnet.