Megacitys in Afrika: Nairobi auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Megacitys in Afrika: Nairobi auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Kenias Megacity im Fokus


Nairobi (16.03.2018) Afrikas Millionenstädte wachsen schnell und unaufhaltsam. Die Urbanisierung stellt die Verwaltungen der Metropolen vor riesige Aufgaben, die ihrerseits vielfältige potenzielle Geschäftsmöglichkeiten auch für deutsche Unternehmen beinhalten. Blog:subsahara-Afrika widmet ausgesuchten Megacitys in Afrika eine Artikelserie.

Mit Nairobi steht die Hauptstadt und Megacity Kenias im Fokus des vierten Artikels. Neben einigen historischen und statistischen Daten werden vor allem die laufenden und geplanten Vorhaben im Bereich der Infrastruktur der wichtigsten Metropole in Ostafrika vorgestellt.

Nairobi – seit einem Jahrhundert die „Green City in the Sun“

Nairobi ist seit der Unabhängigkeit vor rund 55 Jahren die Hauptstadt Kenias und ebenso das unbestrittene Wirtschaftszentrums Ostafrikas. Die lebendige, multikulturelle Metropole hat immer noch – wie praktisch seit ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts – eine große Anziehungskraft für Zuwanderer und Reisende aus allen Regionen des Landes und aller Herren Länder. Die Charakteristika der Stadt spiegeln sich in den diversen Spitznamen, die Nairobi („kühles Wasser“ in Masai-Sprache) im Lauf der Zeit gegeben wurden: Der älteste ist wohl „green city in the sun“ und noch heute zutreffend angesichts der vielen Grünflächen in und um die Stadt herum. Der berühmteste Park ist der Nairobi National Park, weltweit einziges offenes Wildreservat auf dem Gebiet einer Stadt und verantwortlich für den zweiten Spitznamen Nairobis: „Safari-Hauptstadt der Welt“. Auf eine eher düstere Seite weist der (neuere) Spitzname „Nairobbery“ hin, dank hoher Kriminalitätsrate und Risiko täglicher Überfälle – Folge vor allem der extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich. Doch für Afrikaner aus anderen Ländern des Kontinents ist Nairobi so etwas wie das „New York Afrikas“ – eine sehr viel modernere und „coolere“ Metropole als alle anderen Hauptstädte südlich der Sahara, natürlich abgesehen von Johannesburg.

Die Gründung Nairobis 1899 geht auf die Anlage eines Eisenbahndepots für die in der Kolonialzeit gebaute Uganda Railway zurück, das dank der Lage zwischen der Hafenstadt Mombasa als Hauptstadt der britischen Kolonie Kenia und Kampala in Uganda bald als Zentrale der Eisenbahnverwaltung diente. Die Stadt, die um das Eisenbahnquartier entstand, wurde jedoch nach einem Seuchenausbruch (Pest) und dem Niederbrennen der ursprünglichen Struktur zu Anfang des 20. Jahrhunderts neu aufgebaut. Die Lage auf der ostafrikanischen Hochebene 1.700 m über dem Meeresspiegel mit ihrem angenehm kühlen Klima machte die Stadt zum idealen Lebensraum für Europäer, bei ausreichender Wasserversorgung aus einem Netz von Flussläufen. Das einzige, wenn auch schwerwiegende Problem war das Malariarisiko, das erst in neuerer Zeit aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung keine größere Rolle mehr spielt.

Ab 1905 wurde Nairobi anstelle Mombasas die neue Hauptstadt des britischen Protektorats und ab 1907 die Hauptstadt der neuen Kolonie Kenia. Nairobi entwickelte sich schnell zum beliebten Eingangstor in die Region für die britischen Kolonialisten, Abenteurer und Großwildjäger. Der zunehmende Jagdtourismus der britischen Oberklasse führte bereits in den frühen Jahren des neuen Jahrhunderts zum Bau mehrerer spektakulärer Luxushotels in der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die kontinuierliche räumliche Expansion der beliebten Kolonialstadt zu zunehmenden Konflikten mit den ortsansässigen Volksstämmen, vor allem Masai (Halbnomaden) und Kikuyu (Bauern), und schließlich zu der als „Mau-Mau-Aufstand“ bekannt gewordenen Rebellion gegen die britischen Kolonialisten.

Mit der Unabhängigkeit Kenias 1963 begann für die Stadt eine Periode starken Wachstums mit großen Belastungen für die unzureichende Infrastruktur, resultierend in häufigen Stromausfällen und Wasserknappheit. Erst in den letzten Jahren gelang es, durch verbesserte Planung diese Versorgungsprobleme für die städtische Bevölkerung besser in den Griff zu bekommen. Zehn Jahre nach der Unabhängigkeit wurde Nairobis und Kenias Wahrzeichen gebaut, das Kenyatta International Conference Centre (KICC), ein bereits damals nach modernen ökologischen Gesichtspunkten (Material, Belüftung, Licht) gebautes 28-stöckiges Gebäude, entworfen von einem norwegischen und einem kenianischen Architekten.

Zweitgrößte Stadt in Ostafrika

Die City of Nairobi hat nach der neuen Verfassung von 2010 den offiziellen Status als eine der insgesamt 47 halbautonomen Gebietskörperschaften Kenias, der sogenannten „counties“, mit einem gewählten Gouverneur als Chef des Nairobi City Council. Das Stadtgebiet ist politisch gegliedert in insgesamt 17 Wahlbezirke mit zusammen 85 sogenannten „wards“, die überwiegend nach den jeweiligen Wohnsiedlungen (estates) benannt sind. Dazu gehören sowohl Slumgebiete wie etwa Kibera als auch die Wohngebiete der wohlhabenden Schichten, wie unter anderem Karen und Langata. Mit einer Bevölkerung von rund 3,5 Mio. (geschätzt für 2017 laut World Population Review) ist Nairobi die zweitgrößte Stadt Ostafrikas (nach Dar es Salaam / Tansania). Damit hat sich die Einwohnerzahl in 30 Jahren etwa verdoppelt. Die Stadt liegt in der sogenannten Greater Nairobi Region, zu der insgesamt fünf der 47 „counties“ Kenias gehören. Im Großraum Nairobi leben gut doppelt so viele Menschen wie in der Stadt Nairobi (7,5 Mio. laut Zensus 2009).

Die Zahlen zur Bevölkerungsdichte zeigen die immensen Ungleichgewichte in der Gesellschaft der Stadt: Mit etwa 2,5 Mio. Bewohnern in mehreren großen Slums leben rund 60 Prozent der Stadtbevölkerung auf nur 6 Prozent der Fläche Nairobis laut einer Erhebung von Kibera UK, einem britischen Informationsportal für Entwicklungshelfer.

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(Quelle: Blog Subsahara-Afrika der IHK Mittlerer Niederrhein)