Megacitys in Afrika: Dar es Salaam soll eine moderne Metropole werden

Megacitys in Afrika: Dar es Salaam soll eine moderne Metropole werden

Tansania: Vom Fischerdorf zur Metropole


Dar es Salaam (10.04.2018) Afrikas Millionenstädte wachsen schnell und unaufhaltsam. Die Urbanisierung stellt die Verwaltungen der Metropolen vor riesige Aufgaben, die ihrerseits vielfältige potenzielle Geschäftsmöglichkeiten auch für deutsche Unternehmen beinhalten. Blog:subsahara-Afrika widmet ausgesuchten Megacitys in Afrika eine Artikelserie. Mit Dar es Salaam steht die ehemalige Hauptstadt und heutige Wirtschaftsmetropole Tansanias im Fokus des fünften Artikels.

Neben einigen historischen und statistischen Daten werden vor allem die laufenden und geplanten Vorhaben im Bereich der Infrastruktur in der bevölkerungsreichsten Stadt Ostafrikas vorgestellt.

Regionales Handelszentrum am Indischen Ozean

Die Stadt Dar es Salaam – in Kisuaheli „Haus des Friedens“ – wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Sultan von Sansibar, Majid bin Said, an der Stelle eines kleinen Fischerdorfs (Mzizima) entlang der internationalen Handelsroute am Indischen Ozean gegründet. Die neue Handelsstadt verzeichnete nach dem Tod des Sultans 1870 zunächst einen Niedergang und wurde erst wiederbelebt durch die Ankunft der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (German East Africa Company) im Jahre 1887. Dar es Salaam war bis zum Ersten Weltkrieg das administrative und wirtschaftliche Zentrum des Kolonialgebiets Deutsch-Ostafrika, das zudem ein starkes industrielles Wachstum durch den Eisenbahnbau (Central Railway Line) nach der Jahrhundertwende erlebte.

Auch nach Eroberung durch die Briten im Ersten Weltkrieg blieb Dar es Salaam das Verwaltungs- und Wirtschafszentrum der neuen britischen Kolonie Tanganyika. Unter dem sogenannten indirekten Regierungssystem der Briten entstanden im Umkreis der Stadt neue, voneinander getrennte Wohngebiete für Europäer und Afrikaner. In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung der Stadt erheblich, vor allem durch die Ansiedlung von Neuankömmlingen aus Europa sowie Indien, die als Arbeiter für den Eisenbahnbau ins Land kamen und sukzessive eine dominierende Rolle in Wirtschaft und Handel ausübten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Stadt erneut eine Periode starken Wachstums sowie grundlegende politische Veränderungen: Dazu gehörte vor allem die Bildung der neuen Partei Tanganyika African National Union, die Ende 1961 die Unabhängigkeit Tanganyikas von britischer Kolonialherrschaft erreichte. Dar es Salaam blieb die Hauptstadt des neuen Staates, auch nach dem Zusammenschluss von Tanganyika und dem Inselstaat Sansibar zum neuen Staat Tansania 1964. Erst zehn Jahre später wurde offiziell die Verlegung des Regierungssitzes in die neue Hauptstadt im Landesinneren, Dodoma, bekannt gegeben. Dieser Prozess ist jedoch bis heute noch nicht abgeschlossen, so dass Dar es Salaam weiterhin nicht nur das Wirtschaftszentrum, sondern auch Sitz vieler Behörden und Institutionen geblieben ist.

Die Stadt erlebte eine spürbare Dämpfung der wirtschaftlichen Entwicklung während der rund 25 Jahre dauernden sozialistischen Phase des neuen Landes ab 1967, die zu zunehmender Verarmung und Verelendung der breiten Bevölkerung führte und die wirtschaftliche Entwicklung verhinderte. Eine der zentralen Ideologien der Regierung – genannt ujamaa (Sozialismus in Kisuaheli) – betraf die An- und Umsiedlung von Bevölkerungsgruppen in ländliche Gebiete, um das landesweite Agrarprogramm der Regierung zu erfüllen. Erst mit der Liberalisierung des politischen Systems Anfang der 1990er Jahre belebte sich die Entwicklung wieder, was vor allem zu wachsender Zuwanderung aus den verarmten ländlichen Regionen in das Zentrum Dar es Salaam führte.

Größte und am schnellsten wachsende Stadt Ostafrikas

Trotz Liberalisierung und wirtschaftlicher Belebung spielte Dar es Salaam bis in die späten 90er Jahre nicht in derselben „Liga“ führender afrikanischer Städte wie etwa Nairobi, Johannesburg, Lagos oder Addis Abeba. Dies änderte sich jedoch nach der Jahrtausendwende, mit der in der Küstenstadt am Indischen Ozean eine beschleunigte Urbanisierung einsetzte. Diese war gekennzeichnet von zusehends wachsenden Geschäftsansiedlungen, vermehrten Bankenniederlassungen, der Eröffnung der Börse (Dar es Salaam Stock Exchange) und der zunehmenden Bedeutung des Hafens als Handelsumschlagplatz für die umliegenden Binnenländer (Sambia, DR Kongo, Ruanda, Burundi).

Dar es Salaam ist die bevölkerungsreichste Stadt Ostafrikas, mit geschätzten 5,5 Mio. Einwohnern (2017). In den zehn Jahren zwischen 2002 und 2012 wurde ein jährlicher Bevölkerungszuwachs in der Stadt von 5,6 Prozent gemessen, womit Dar es Salaam zu den am schnellsten wachsenden Städten Afrikas gehört, mit Lagos (Nigeria) und Bamako (Mali). Mit der stetigen Zuwanderung vom Lande vergrößerte sich das Problem der Stadt mit Slums. Nach UN-Schätzung leben rund 70 Prozent der Stadtbevölkerung in sogenannten „informal settlements“ – eine dezente Umschreibung für Slums – , häufig ohne fließendes Wasser oder sonstige Basiseinrichtungen. Nur eine kleine Elite der Bevölkerung kann sich luxuriöse Häuser am Strand in den nördlichen Bezirken der Stadt leisten.

Strategische Planung für nachhaltige Entwicklung überfällig

Bis in die jüngere Vergangenheit hat sich das permanente Wachstum der Millionenstadt am Indischen Ozean weitgehend planlos vollzogen, mit immer größer werdenden informellen Siedlungen ohne Basisversorgung mit Wasser und Strom. Die Versorgungsgesellschaften selbst mussten zudem ohne verlässliche Informationen über zukünftige Nachfrageentwicklungen arbeiten. Es herrschte das sogenannte „Shelter-first“-Prinzip, die ungeordnete Besiedlung von zufällig zur Verfügung stehendem Raum zur Linderung der dringendsten Wohnungsnot.

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(Quelle: Blog Subsahara-Afrika der IHK Mittlerer Niederrhein)