Ägypten strebt Importsubstitution bei landwirtschaftlichen Produkten an

Ägypten strebt Importsubstitution bei landwirtschaftlichen Produkten an

Drittgrößter Landmaschinenimporteur Afrikas


Kairo (16.01.2018) Agrargüter und Nahrungsmittel sind sowohl wesentliche Import- als auch Exportgüter von Ägypten. Grundsätzlich verheißt das anhaltende Wachstum der ägyptischen Landwirtschaft gute Aussichten für den Landtechnikabsatz. Die Konkurrenz zwischen importierten Lebensmitteln und lokal produzierten ist stark.

Etwa 40 Prozent der Lebensmittelnachfrage wurde 2016 durch Importe befriedigt. Inländische und importierte Verpackungsmaterialien haben sich durch die Kursfreigabe des ägyptischen Pfundes verteuert.

Landwirtschaftliche Produktion

Die Landwirtschaft in Ägypten gehört zu den konstanten Wachstumsmotoren der inländischen Wirtschaftsleistung. Der reale Zuwachs soll 2017 und 2018 der Economist Intelligence Unit zufolge bei 3 beziehungsweise 3,2 Prozent liegen. Bereits seit 2012 befindet sich die Zunahme unverändert auf diesem Niveau. Der Anteil der Landwirtschaft und Fischerei am Bruttoinlandsprodukt lag 2015 bei 11,2 Prozent.

Unter anderem durch den hohen ägyptischen Weizenbedarf für subventioniertes Brot ist die Handelsbilanz Ägyptens traditionell negativ. Agrargüter und Nahrungsmittel sind sowohl wesentliche Import- als auch Exportgüter des Landes. An den Einfuhren von 74,4 Milliarden US-Dollar (US$) hatten Nahrungsmittel 2015 einen Anteil von 16,5 Prozent. Bei den Ausfuhrgütern machten sie 18,6 Prozent von insgesamt 22 Milliarden US$ aus. Für den Export spielen Zitrusfrüchte, Trauben und Baumwolle eine zentrale Rolle. Unter anderem kann Ägypten seine Vorteile ausspielen, wenn in Europa saisonal bedingt das Obst- und Gemüseangebot schrumpft. Hinzu kommt, dass der Wert des ägyptischen Pfundes gegenüber dem Euro seit Oktober 2016 mehr als halbiert hat. Für die ägyptischen Exporteure brachte diese Entwicklung eine wesentliche Verbesserung ihrer Konkurrenzfähigkeit mit sich. Von Januar bis Ende August 2017 stellten Agrargüter mit einem Volumen von 1,63 Milliarden US$ die vierthöchsten Exporte Ägyptens nach Baumaterialien, chemischen Erzeugnissen und Nahrungsmitteln. Von besonderem Interesse ist aufgrund seiner Größe der chinesische Markt. In den letzten Monaten verhandelten ägyptische Repräsentanten mit chinesischen Vertretern über die Öffnung des Marktes für eine Reihe von Obstsorten aus ägyptischem Anbau.

Das Landwirtschaftsministerium zielt auf eine höhere Selbstversorgung des Landes ab. Noch ist Ägypten zum Beispiel bei Weizen und Mais in hohem Maße importabhängig. Der Versorgungsminister schätzt, dass das Land im Finanzjahr 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 etwa sieben Millionen Tonnen Weizen einführen muss. Perspektivisch soll der Anbau von Weizen ausgedehnt und effizienter gestaltet werden. Bis zum Ende des Finanzjahres 2018/19 am 30. Juni 2019 ist zudem ein erheblicher Ausbau der Maisproduktion vorgesehen. Die entsprechende Fläche soll von 336.000 Hektar auf 840.000 Hektar wachsen. Der Import von etwa 8,5 Millionen Tonnen Mais pro Jahr kostet Ägypten laut Reuters 1,6 Milliarden US$. Das staatliche Agricultural Research Center möchte Landwirte darin schulen, die Produktivität des Zuckerrübenanbaus zu steigern. Damit soll die Lücke von 700.000 bis 900.000 Tonnen pro Jahr zwischen der Erzeugung und dem Konsum von Zucker zum Teil geschlossen werden. Außerdem erhalten Bauern mehr Geld dafür, wenn sie Zuckerrohr an staatliche Aufkäufer veräußern. Zur Steuerung des Anbaus setzt der ägyptische Staat die Ankaufspreise für verschiedene Feldfrüchte fest. Durch Anhebungen oder Senkungen dieser Preise werden Anreize für Anpflanzungen im Sinne der Gesamtstrategie geschaffen. Zudem dienen temporäre Einfuhr- und Ausfuhrzölle etwa für Zucker dazu, die Versorgung des Binnenmarktes zu vertretbaren Kosten sicherzustellen.

Damoklesschwert der Wasserknappheit hängt über der Landwirtschaft

Die vom ägyptischen Staat im Rahmen eines Großprojekts und insgesamt vorangetriebenen Landgewinnungspläne werden vor allem die Frage nach dem Wasserbedarf auf. Entnahmen aus nicht erneuerbaren Wasservorkommen sind unter Branchenexperten hoch umstritten. Andere Wasserquellen lassen sich nicht in nennenswertem Ausmaß zusätzlich erschließen. Das Großvorhaben "1.5 million feddan" zur Gewinnung von längerfristig 1,68 Millionen Hektar Anbaufläche lief in der ersten Phase schleppend an. Das Interesse inländischer und ausländischer Investoren war laut der Presse geringer als erwartet.

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