Internet der Dinge findet in Singapur breite Anwendung

Internet der Dinge findet in Singapur breite Anwendung

Digitalisierung erfasst immer weitere Bereiche, von Industriefirmen bis Restaurants


Singapur (16.06.2017) Die Digitalisierung der Wirtschaft steht im innovativen Stadtstaat zwar erst am Anfang. Absehbar ist jedoch, dass sie unaufhaltsam in immer mehr Bereiche vordringt. Dieses Marktpotenzial zieht nun zunehmend ausländische Technologieanbieter an.

Dazu gehören nicht zuletzt deutsche Unternehmen, die sich mit ihrem Know-how auf dem Gebiet der Industrie 4.0 bereits gut etabliert haben. Noch mehr Kooperation mit Deutschland wünscht sich Singapur im Bereich der beruflichen Bildung.

Smartphones immer wichtiger

Nachdem die Digitalisierung in Singapur im privaten Bereich mit mehr Smartphones als Einwohnern und im staatlichen Sektor mit der papierlosen Verwaltung weit fortgeschritten ist, steht der nächste große Schritt bevor. Die Wirtschaft, und hierbei nicht nur Banken und Versicherungen, sondern auch Industriebetriebe, Logistikfirmen und die Gastronomie, schalten nun auf das Internet der Dinge um.

Die Palette der Unternehmen, die an Industrie 4.0 interessiert sind und beginnen, entsprechende Anwendungen einzusetzen, ist breit. In der Kategorie der mittleren bis etwas größeren Industriefirmen, die wegen des zunehmenden Konkurrenzdrucks automatisieren müssen, gebe es für smarte Lösungen potenzielle Kunden aus allen Branchen: von Gewürzverarbeitungskonzernen mit über 200 Produktionsstätten bis zur Elektronikindustrie, so Raimund Klein, Geschäftsführer für das Industriegeschäft von Siemens in Singapur.

Grundsätzlich investieren Unternehmen in Automatisierung und Digitalisierung, wenn der Kostendruck zu stark wird oder Kunden schnellere und präzisere Ergebnisse benötigen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass beim Einsatz von Industrie 4.0-Lösungen die Branchen mit hohen Präzisionsansprüchen vorne liegen. Dies sind in Singapur vor allem die Elektronikindustrie sowie die Flugzeug- und Medizintechnik. Aber auch die Lebensmittel- und Getränkebranche sowie die Metallverarbeitung und Präzisionstechnik sind Abnehmer von digitalen Anwendungen.

Elektronikindustrie bietet Potenzial für Industrie 4.0

Neben den multinationalen Elektronikkonzernen - darunter der US-Halbleiterhersteller Micron, der vier Milliarden US-Dollar in seine Singapurer Produktion investiert, und Infineon - sind auch mittelständische Firmen auf dem Weg zu Industrie 4.0. So setzt die Feinmetall Singapore, die Mikroplättchen zum Testen von Halbleiterscheiben herstellt, ebenfalls auf Digitalisierung. Von der Auftragsannahme beim Kunden über die Weiterleitung an die Fertigung bis zur Ausstellung der Rechnung wird künftig alles digital laufen.#

Lokal entwickelte Software

Der mit Hilfe einer lokal entwickelten Software modernisierte Betrieb wird Ende Juni 2017 seine digital gesteuerte Produktion aufnehmen, erklärte Sam Chee Wah, Geschäftsführer der Feinmetall Singapore. Die Kosten des Modernisierungsprojekts sind mit rund 80.000 Singapur Dollar (S$; rund 52.632 Euro; 1 Euro = 1,52 S$ - Jahresdurchschnitt 2016) überschaubar, so dass dieses auch als Vorbild für andere mittelständische Firmen gelten kann.

Die bedeutende Elektronikindustrie bietet mit ihren vor- und nachgelagerten Unternehmen ein erhebliches Potenzial für Industrie 4.0. Schließlich sind dort die meisten Roboter zu finden, an denen Singapur ohnehin nicht arm ist. Mit 400 Robotern pro 10.000 Arbeitskräften verfügt der Stadtstaat über eine der höchsten Roboterdichten der Welt.

Zwar liegen multinationale Unternehmen beim Trend zur Digitalisierung eindeutig vorne, aber auch lokale Firmen sind mit dabei. So nennt die Investitionsförderbehörde Economic Development Board (EDB) gerne die Firma Meiban, die Präzisionsformen herstellt. Mit Hilfe von Robotern, Automatisierung und einer Smart-Factory-Software digitalisiert sie ihre Produktion in Singapur und will damit die Produktivität um 20 bis 30% steigern. Nach einer erfolgreichen Testphase soll das Modell auf andere Meiban-Fabriken auch im Ausland übertragen werden.

Restaurants haben ebenfalls Appetit auf Digitalisierung

Auch in der Gastronomie steht Digitalisierung zunehmend auf dem Speiseplan. Denn in dieser Branche, die stark auf ausländische und oftmals ungelernte Arbeitskräfte angewiesen ist, drückt der Schuh des Personalengpasses besonders. Mitte Mai 2017 sind mit "Happy Hawkers" in Tampines und "FoodTastic" in Choa Chu Kang zwei Coffee Shops eröffnet worden, die stark auf Digitalisierung setzen. Die Regierung, die diesen Trend nachhaltig unterstützt, fand dies so bemerkenswert, dass sie gleich zwei Minister zu den Eröffnungen schickte.

Bestellung via App

In den neuen Kaffeehäusern können Kunden über Infostände beziehungsweise mobile Apps ihre Bestellung aufgeben, bargeldlos zahlen und werden dann über Infotafeln an die Ausgabestelle geleitet. Anschließend sorgt ein Roboter für das Zurückbringen der gebrauchten Servierbretter. Ein Reinigungsroboter ersetzt die Putzkraft, und in der Küche werden Teller und Geschirr automatisch sortiert und gewaschen.

Im Vergleich zu den anderen Häusern der Kaffeehauskette benötigt "FoodTastic""60% weniger Personal, und dies bei einer 25% höheren Sitzplatzkapazität. Somit ist es nicht verwunderlich, dass drei weitere Coffee Shops im 3. Quartal 2017 dem Beispiel folgen sollen. Zusätzliches Digitalisierungspotenzial in der Branche ist vorhanden. So zählt Singapur fast 970 Kaffeehäuser und Food Courts. Andere Branchen, vom schwergewichtigen Logistiksektor bis zu Nischenzweigen wie vertikale Gemüsegärten und Fischfarmen, die digital gesteuert werden, öffnen sich ebenfalls dem Konzept des Internet der Dinge.

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