Wirtschaftsspionage: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt

Blickt man auf die Schlagzeilen und Artikelüberschriften der vergangenen Monate stellt man fest, dass das Thema Spionage weltweit ein bedauerlicher Evergreen ist: In den USA wurden jetzt elf russische Agenten enttarnt. - Und in Berlin hat Bundesinnenminister Thomas de Mazière Ende Juni den Verfassungsschutzbericht 2009 vorgestellt, unter anderem mit dem Fokus auf das Problem Wirtschaftsspionage.
  • Dieses Thema bleibt - und muss wiederholt ins Augenmerk nicht nur der großen, sondern gerade der besonders gefährdeten KMU gerückt werden. Aber: Es tut sich was. Die bayerischen Firmen sind offener und sensibler geworden, so das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (BayLfV), Kontaktdaten s.o. Vergrößern per Klick auf das Logo.

  • Doppeltes Dunkelfeld
    Doppeltes Dunkelfeld

    Bayerns Know-how und Produkte in den Bereichen der Forschung und Entwicklung, Technologie und Industrie gelten als führend. Damit gekoppelt ist aber auch die Gefahr, dass Wissen, Modelle, Daten, Forschungsergebnisse u.ä. ausspioniert werden – verstärkt durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und die härter werdende Konkurrenz im Rahmen der Globalisierung. Durch Wirtschaftsspionage entstehen pro Jahr in Deutschland Schäden im zweistelligen Milliardenbereich und es wird in diesem Zusammenhang von einemVerlust von rund 50.000 Arbeitsplätzen ausgegangen. Genaue Zahlen sind aufgrund des sog. „doppelten Dunkelfelds“ nach Aussagen des BayLfV nicht möglich : doppelt deswegen, weil zum einen Firmen vielfach gar nicht bemerken, dass sie ausspioniert wurden. Zum anderen melden Firmen eventuelle Vorfälle nicht aus Angst vor Reputationsverlust und weil gerade ein so sensibles Thema lieber „intern“ gelöst wird. Aber: nach Angaben des BayLfV ist Wirtschaftsspionage zumindest kein absolutes Tabuthema mehr in der bayerischen Wirtschaft. Die gezielte Aufklärungsarbeit der Behörden und die wachsende Anzahl der Firmen, die einen vagen Verdacht haben und sich an Experten wie dem BayLfV oder dem Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) wenden, stehen für eine neue Form der Offenheit, die es Spionen zunehmend schwerer macht.

  • Ausloten, was zu tun ist

    Schutz ist angesagt und durchaus auch möglich, auch wenn Kritiker behaupten, gegen die technischen und virtuellen Ausspähmethoden sei man machtlos. Mit einem indiviuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittenen Sicherheitskonzept wird das Schutzlevel maßgeblich erhöht. Dazu gehört in erster Linie die Identifizierung von sicherheitsrelevantem Know-how: Welches sind die „Top-Betriebsgeheimnisse, die nicht in fremde Hände gelangen dürfen? Darauf sollten die Zugriffs- und Zutrittsrechte abgestimmt und entsprechend technisch sowie organisatorisch umgesetzt werden. Das A und O aber istdie Sensibilisierung der Mitarbeiter : Diese sollten grundsätzlich zum Thema Wirtschaftsspionage sensibilisiert und über die unternehmenseigenen Regelungen informiert sein und in das Sicherheitskonzept mit eingebunden werden. Mehr zu Spionagemethoden und wie man sich schützen kann lesen Sie unter www.auwi-bayern.de/spionage

  • Positiver Trend
    Positiver Trend

    Unterstützung bei der Information, welche Gefahren lauern und wie sich ein Unternehmen vor Spionage schützen kann, bieten Wirtschaftsverbände und –vereinigungen wie etwa die Industrie- und Handelskammern (IHKs) oder das BayLfV. Im Jahr 2009 wurden nach dessen Angaben durch über 80 so genannte Sensibilisierungsveranstaltungen in Bayern insgesamt 900 Firmen erreicht. Dabei handelt es sich um Vorträge in Firmen oder bei relevanten Veranstaltungen sowie individuelle und vertraulichen Einzel-Gesprächen in den jeweiligen Unternehmen, die eine positive Wirkung zeigen: Der Grad der Information, die Gesprächsbereitschaft und das Interesse an sicherheitsrelevanten Veränderungen innerhalb der bayerischen Wirtschaft hat erfreulicherweisezugenommen. Es gehe beim Beratungs- und Sensiblisierungsangebot des BayLfV nicht darum, bei den Unternehmen Angst zu schüren oder dies zu „überprüfen“, sondern um die Aufklärung, das Thema Wirtschaftsspionage und Schutzmaßnahmen nicht zu vernachlässigen. Fast alle Gesprächstermine seien von den Firmen oder Veranstaltern selbst ausgegangen, was zeige, dass bei den Firmen großer Bedarf und auch Informationsbereitschaft gegeben sei, so das BayLfV. Dies sei auch ein Anzeichen für das wachsende Vertrauen den Behörden gegenüber, wodurch Firmen eher motiviert seien, „Sicherheitsvorfälle“ zu melden und sie zum Wohle der Firmen ausmerzen wollen. Dabei wäscht eine Hand die andere, denn auch das BayLfV erlangt dabei Erkenntnisse über neue Spionagemethoden und -mittel, kann dagegen ermitteln und auch warnen. Dieser positive Trend soll durch gemeinsame Anstrengung der bayerischen Behörden und Unternehmen weitergeführt und damit verstärkt werden nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“. +++