Teil V: Hintergründe

Teil V: Hintergründe

Über einzelne der vielfältigen Wirtschaftsspionage-Methoden hat das Auwi-Portal in den vergangenen Monaten berichtet. Was dahintersteckt und welches die Hintergründe für Spionage sind, wird in diesem fünften und letzten Teil der Serie erläutert.

Grundsätzlich gilt: Spionieren ist nicht gleich Spionieren, auch hier gibt es verschiedene „Arten“: Als Wirtschaftsspionage bezeichnet man die staatlich gelenkte oder gestützte, von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Ausforschung von Unternehmen. Spioniert ein Betrieb ein konkurrierendes Unternehmen aus, spricht man von Konkurrenzausspähung, heißt es in der Broschüre „Wirtschaftsspionage in Bayern und Baden-Württemberg“. Hinter der nachrichtendienstlich gesteuerten Spionage steht als Motiv überwiegend die Stärkung der heimischen Wirtschaft oder der militärischen Streitkraft. Auf der ‚Hitliste’ der Spähziele stehen unter anderem Branchen wie erneuerbare Energien, Autobau, Chemie, Kommunikation, Rüstung, Maschinenbau und Materialforschung.

In Zusammenhang mit Wirtschaftsspionage fallen immer wieder die beiden Ländernamen Russland und China. .„Die wenigsten wissen, dass Wirtschaftsspionage in Russland und China, zwei wichtige Handelspartner Deutschlands, gesetzlich legitimiert ist“, so ein Experte des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (BayLfV).

China

„Mit seinem ehrgeizigen ‚Projekt 2020’ möchte China stärkste Wirtschaftsmacht der Welt werden“ so der Verfassungsschutz-Experte. Und ist auf bestem Wege dorthin: Schon jetzt hat China Deutschland als Exportweltmeister überholt. Neben der Einschleusung von Mitarbeitern der chinesischen Nachrichtendienste erfolgt das Ausspähen zunehmend auf elektronischem Wege. So fällt in einem Artikel der Welt ("Trojaner aus China bedrohen deutsche Stromnetze") sogar der Begriff „Cyberwar“ – der Krieg zwischen den Ländern über das Internet.. „Als weitere Möglichkeit der Know-how-Beschaffung“ gilt das am 1. August 2003 in Kraft getretene Zertifizierungssystem„China Compulsory Certification CCC“. In Rahmen des CCC müssen Exporteure ihre Waren mit Ziel China in einem akkreditierten Labor in China überprüfen, ihre Fertigungsstätten durch chinesische Inspektoren kontrollieren und sich jährlichen Folgeinspektionen unterziehen.

Russische Förderation

Die Ausspäh-Palette der russischen Nachrichtendienste umfasst ebenfalls den Einsatz von Agenten in verschiedenen Einrichtungen wie auch die Spionage mit technischen Mittel. Zu den „Hauptinteressen“ Russlands gehören laut Verfassungsschutz alternative und regenerative Energie, Energieeffizienz, Computer-, Telekommunikations- und Sicherheitstechnik sowie die Bereiche Messtechnik, Luft- und Raumfahrt. Gerade die Absicherung der Unabhängigkeit Russlands auf dem Energiesektor hat hier oberste Priorität (www.handelsblatt.com)

Auch der Westen ist nicht ohne

Das manager-magazin berichtete Ende Juli dieses Jahres auch von Wirtschaftspionage seitens der USA ("Spionage-Alarm in Deutschland"): „Seit vielen Jahren machen US-Regierungen kein Geheimnis daraus, dass sie die Geheimdienste angewiesen haben, zum Wohl der heimischen Wirtschaft Spionage zu betreiben.“ Aber darüber werde nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, denn niemand wolle es sich mit amerikanischen Auftraggebern verscherzen, heißt es weiter. Vor allem Unternehmen aus den Branchen Solar- und Umwelttechnik seien betroffen.
Weiterer Trend ist das „Knacken“ von Bankdaten des für die Agenten interessanten Unternehmens: auf diese Weise kann man die Zahlung von und an Lieferanten sehen und etwa herausfinden, welches Material für die Fertigung eine bestimmten Produktes verwendet wurde.

Betreibt auch Deutschland Wirtschaftsspionage?

„Nein – es ist aufgrund der gesetzlichen Gegebenheiten nicht möglich, dass deutsche Nachrichtendienste Wirtschaftsspionage betreiben." Erlaubt ist lediglich die Abwehr von Spionagetätigkeiten anderer Staaten. Daraus resultiert auch der Bereich „Wirtschaftsschutz“ beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz, der den Unternehmen Unterstützung im Kampf gegen Wirtschaftsspionage anbietet (www.lfv.bayern.de).

Beschaffungsmethoden

Zum größten Teil werden für die Nachrichtendienste interessante Informationen aus frei zugänglichen Quellen beschafft, wie etwa aus Diplomarbeiten, Forschungsberichten, Werkszeitungen, Handbüchern oder Firmenpräsentationen aus dem Internet. Auch lautstarke Telefongespräche oder offenes Arbeiten am Laptop werde gerade in Hotel-Foyers, im Zug oder am Flughafen gern als Informationsquelle genutzt.
Achtung auch bei Fachsymposien oder Konferenzen: Mitten im Wortgefecht unter Wissenschaftlern registrieren viele Experten oft gar nicht, dass da gerade ein getarnter Agent ganz gezielt Informationen abschöpft.

Konspirative Beschaffung meint zum einen den Einsatz menschlicher Quellen wie die Einschleusung von Agenten bspw. als Praktikanten in einem Betrieb. Zum anderen zählt dazu der Einsatz technischer Mittel per Internet, E-Mail, File-Transfer-Protokoll, News-Groups und Internet-Relay-Chats sowie weiterer Medien der Kommunikationstechnologie. Dritte Komponente der konspirativen Beschaffung ist die Umgehung von Ausfuhrbeschränkungen: Um die Entwicklung militärischer Produkte voranzubringen, beschaffen sich manche Nachrichtendienste Waren, indem sie als Tarnfirmen verdeckt Embargobestimmungen umgehen. Dabei wird der eigentliche Zweck der Warenlieferung verschleiert. Die wird gerade im Bereich der „Proliferation“, also der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und der dazu notwendigen Produkte, eingesetzt.

Die Tatsache Wirtschaftsspionage ist ein weites und zunehmend unübersichtliches Feld, die Methoden des Ausspähens werden angesichts der rasanten technischen Entwicklung immer vielfältiger und damit auch kaum oder nicht mehr erkennbar. Aktuell im Trend liegen neben dem „Social Engeneering“, bei dem menschliche Gutgläubigkeit zum Aushorchen relevanter Informationen missbraucht wird, alle Arten elektronischer Ausspähangriffe.
Das Wichtigste ist, sich der Spionagegefahr bewusst zu sein– und die notwendigen Abwehrmaßnehmen in einem umfassenden und auf den jeweiligen Betrieb zugeschnittenen Sicherheitskonzept zusammenzufassen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu erreichen. Denn: hundertprozentiger Schutz ist unmöglich!