Neuseeland ist der Anfang der Welt!

Nürnberg/Auckland (Mai/Juni 2017) - Neuseeland= Ende der Welt? Das ist ein Fehlschluss, sagt Monique Surges, Chefin der Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Neuseeland. Dem Auwi-Portal stand sie Rede und Antwort über die Investitonsbedingungen in diesem schönen Land.

  • Wenn der Name Neuseeland fällt, denken viele zunächst ans 'Ende der Welt', Herr der Ringe  und tolles Reiseziel. Welche Anreize bietet Neuseeland für deutsche Investoren?
    Wenn der Name Neuseeland fällt, denken viele zunächst ans "Ende der Welt", Herr der Ringe und tolles Reiseziel. Welche Anreize bietet Neuseeland für deutsche Investoren?
    Dies ist der erste Fehlschluss - Neuseeland ist natürlich am Anfang der Welt: Dort startet der neue Tag, sozusagen! In Neuseeland gibt es viele unternehmungslustige junge Startups, denen das Kapital fehlt, aber die trotzdem bereit sind, durchzustarten – zudem sind die Verbraucher es gewohnt, als Versuchskaninchen für neue Technologien benutzt zu werden, wovon deutsche Unternehmen seit 20 Jahren profitieren. Durch das Regierungsziel, eher digitale Exporte als Exportwaren auszubauen, floriert der IT-Bereich - mit Unternehmen wie Xero und Orion Health, die auf der Weltbühne konkurrieren. In diesem Bereich gibt es keine nachteiligen Transportkosten aufgrund der Distanz zum Markt.
  • Wie sind die Investitionsbedingungen, was ist "einfach", welche Hemmnisse gibt es?
    Neuseeland wird laut des Milken Institute Global Opportunity Index (2015) weltweit als fünftbestes Land für Auslandsinvestitionen eingestuft. Das ausländische Investmentbüro (Overseas Investment Office) ist die einzige große Hürde für ausländische Unternehmen, die neuseeländische Firmen erwerben wollen, die Land besitzen - Land ist in Neuseeland ein sensibles Thema!
  • Die AHK macht einige Projekte in Zusammenarbeit mit der Exportinitiative Erneuerbare Energien - offensichtlich ein stark wachsender Sektor, der viele Geschäftschancen bietet. In welchen weiteren Sektoren lohnen sich Investitionen?
    Neuseeland ist weltweit einer der Top-3-Produzenten erneuerbarer Energie - was man hier nicht so gut beherrscht, ist die Energie vernünftig zu nutzen, obwohl man inzwischen lernbereit ist. In Deutschland haben wir die richtigen Firmen, um das Know-how nach Neuseeland zu bringen. In vergangenen Jahren haben wir uns auf Energieeffizienz in Gebäuden konzentriert, von Doppelverglasung und guter Isolierung bis hin zum Passivhaus-Konzept. Nun sind wir auf Energieeffizienz in den Bereichen Transport und Infrastruktur aufmerksam geworden und laden deutsche Unternehmen ein, ihre Produkte und ihr Know-how nach Neuseeland zu bringen. Chancen werden vor allem für Technologien gesehen, die zum Ausbau des Verkehrsnetzes, inklusive Elektromobilität, beitragen können, und solche, die Lösungen für Infrastrukturprobleme bieten (z.B. Verkehrsplanung, Beleuchtung, Smart Grid). Das Thema Elektromobilität wird in Neuseeland groß geschrieben: derzeit machen Fossile Brennstoffe fast 50% des Energiemixes aus, wobei davon über 80% in den Transportsektor fließt. Elektrische Energie hingegen ist zu fast 81% erneuerbar. Neuseeland hat demnach den natürlichen Vorteil, den Transportsektor nachhaltig zu entwickeln.
  • Es gab Änderungen in der Einwanderungspolitik Neuseelands. Was wird Unternehmern dadurch genau vereinfacht?
    Nicht alle Änderungen haben den Prozess vereinfacht! Einige Stellen, die zuvor als qualifizierte Arbeitsplätze definiert wurden, werden es durch neue Einkommensschwellen nicht mehr sein. Andererseits gibt es nun die Möglichkeit, Visa für Stellen zu erlangen, die gut bezahlt sind aber nicht in die streng definierten Fachkräfte-Einwanderer (Skilled Migrants) Kategorien passen. Außerdem werden in Zukunft mehr Punkte für qualifizierte Berufserfahrung und einige anerkannte Post-Graduate Qualifikationen erteilt, und Punkte für Bewerber im Alter von 30-39 Jahren werden erhöht. Vielleicht bieten sich dadurch Gelegenheiten für ältere deutsche Arbeitnehmer mit relevanter Berufserfahrung und Bildung.
  • Drei Tipps: Auf was müssen deutsche Investoren in Neuseeland beim Doing Business achten?
    Neuseeländer sind sehr lässig in ihrer Art, Geschäfte zu machen, wodurch im Nachhinein Probleme entstehen können - da hilft es, behutsam vorzuschlagen, mögliche Probleme im Voraus durchzusprechen. Neuseeländer sind auch keine strengen Regeln und Vorschriften gewohnt, wodurch es ihnen schwer fällt, sich einer reglementierten Vorgehensweise anzupassen. Unterschätzen Sie niemals die Bedeutung von Beziehungen in Neuseeland - hier ist die Frage, wen man kennt, nicht was man weiß!
  • Wie viele Mitglieder hat die AHK Neuseeland bzw. wie viele deutsche Unternehmen sind vor Ort?
    In Neuseeland gibt es mehr als 120 deutsche Tochtergesellschaften - eine überraschende Menge bei einer geringen Bevölkerung von knapp über 4 Millionen. Deutsche Produkte werden im neuseeländischen Markt sehr geschätzt und deutsche Unternehmen werden mit offenen Armen begrüßt. Die Repräsentanz hat eine umfassende Mitgliederbasis deutscher Tochtergesellschaften und neuseeländischer Unternehmen, die aus Deutschland exportieren oder dorthin importieren - derzeit um die 220.
  • Zur Person:
    Monique Surges wurde in Auckland, Neuseeland geboren und ist im Alter von 3 Monaten mit ihrer Familie nach Konstanz gezogen. Sie studierte International Business Management an der Waikato University (Hamilton) und machte einen Abschluss in der Bekleidungstechnik. Vor ihrer Tätigkeit bei der Repräsentanz der deutschen Wirtschaft (NZGBA)arbeitete Monique Surges in diversen Marketingpositionen in der pharmazeutischen Industrie und Modeindustrie sowohl in Deutschland als auch in der Dominikanischen Republik.Im Oktober 1993 gründete sie die Messerepräsentanz der NZGBA und wurde im Jahr 2000 zur Geschäftsführerin der NZGBA ernannt.
  • Adresse:
    Repräsentanz der deutschen Wirtschaft (NZGBA)
    Level 14
    PwC Tower
    188 Quay Street
    Auckland 1010
    New Zealand