Fokus auf ... Afrika

Fokus auf ... Afrika

Nürnberg - Erstmals fand der Gipfel der Brics-Staaten Ende März in Südafrika statt. Auch Deutsche Unternehmen interessieren sich zunehmend für Afrika.

Trotz des teilweise schwierigen Umfelds beobachteten die IHKs in den letzten beiden Jahren ein vermehrtes Interesse an den Entwicklungsländern des schwarzen Kontinents. Neben dem etablierten Markt in Südafrika rücken zunehmend auch Staaten wie Ghana, Nigeria, Kenia oder Ägypten stärker ins Blickfeld.

Der afrikanische Kontinent hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte in seiner sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung gemacht. Die afrikanische Wirtschaft ist im 21. Jahrhundert um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr gewachsen. Erstmals gab laut DIHK 2012 jedes fünfte der außenwirtschaftlich engagierten deutschen Unternehmen an, mit Afrika Geschäfte zu machen. Der Anteil der Warenexporte nach Afrika erreicht bis heute jedoch nur zwei Prozent aller deutschen Ausfuhren. Hier liegt also noch erhebliches Potenzial. Für das Wirtschaftsleben ist der ungeheure Rohstoffreichtum Afrikas von großer Bedeutung. Aber auch die Bauwirtschaft, die chemische Industrie, Infrastrukturprojekte, Telekommunikation, Tourismus und Landwirtschaft sind interessante Branchen.

Uneinheitliche Entwicklung
Nach politischem Chaos, Bürgerkriegen und Hungersnöten scheint Afrika wie einst die asiatischen Tigerstaaten zum großen Sprung anzusetzen. Doch so einfach ist es nicht. Die Suche nach einem Gesamtbild ist schwierig. Alleine die Größe ist beeindruckend. Afrika ist so groß wie die Vereinigten Staaten, Indien und Kerneuropa zusammen. Der Kontinent hat 54 Staaten. Die Afrikanische Union (AU) kann 2013 ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Die Die AU löste 2002 die 1963 gegründete Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) ab und wurde mit mehr Kompetenzen als diese ausgestattet. Mit Dlamini-Zuma trat 2012 erstmals eine Frau an die Spitze der AU-Kommission.
 
Einige Länder Afrikas entwickeln sich zu zukunftsgewandten Demokratien mit jungem, gut ausgebildetem Regierungspersonal. Dennoch bleiben die Rahmenbedingungen häufig schwierig. Unterstützung für einen erfolgreichen Markteinstieg ist daher oft unerlässlich. Die IHKs und Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) bieten Marktstudien, Rechtsberatung, Geschäftspartnervermittlung und viele weitere Dienstleistungen an.
 
Einzigartig in Deutschland ist das bayerische Förderprojekt „Go International“, das mittelständische Unternehmen bei ihrem Einstieg in neue Märkte unterstützt. „Go International“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der IHKs und Handwerkskammern Bayerns in Zusammenarbeit mit dem Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) und wird vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. „Die Teilnehmer von „Go International“ werden von ehemaligen Managern und Unternehmern individuell beraten und begleitet. Diese Export-Coachs entwickeln gemeinsam mit den Unternehmen einen so genannten Internationalisierungsplan. Darin werden Maßnahmen aufgeführt, die für einen erfolgreichen Export im jeweiligen Zielland notwendig sind“, erläutert AWZ-Leiter Thorsten Grzesik das Projekt. Auch die außenwirtschaftliche Schulung der Mitarbeiter, Produktzertifizierung sowie Erstellung von Marketing- und Werbeunterlagen und die Umstellung der Firmenwebsite auf eine andere Sprache können unterstützt werden.
 
Entwicklungszusammenarbeit
Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft in Afrika ist ein wichtiger Baustein der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Ziel ist es dabei, die spezifischen Stärken dieser gesellschaftlichen Akteure zusammenzuführen und zum allerseitigen Vorteil einzusetzen. So können entwicklungspolitische Ziele durch das Engagement der Wirtschaft effektiver, effizienter und nachhaltiger erreicht werden.
Im Rahmen von develoPPP.de stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Unternehmen, die in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren, finanzielle und auf Wunsch auch fachliche Unterstützung zur Verfügung. Das Unternehmen trägt dabei mindestens die Hälfte der Gesamtkosten. Diese so genannten Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft können bis zu drei Jahre dauern und in den unterschiedlichsten Branchen und Themen angesiedelt sein – von A wie „Abwassermanagement“ bis Z wie „Zertifizierungen“.
Im Rahmen von develoPPP.de kooperieren Unternehmen stets mit einem der drei öffentlichen Partner, die das Programm im Auftrag des BMZ umsetzen: DEG-Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und sequa gGmbH. Seit Programmbeginn in 1999 konnten über 300 Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (EPW) in Afrika durchgeführt werden.
Um die Aktivitäten der Wirtschaft, der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungszusammenarbeit noch besser miteinander zu verzahnen, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) so genannte „EZ-Scouts“ entsandt. Seit Januar 2012 unterstützt Almuth Dörre das Außenwirtschaftszentrum Bayern als EZ-Scout und berät bayerische Unternehmen zu den Instrumenten und Kooperationsmöglichkeiten mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. „Afrika birgt viele Chancen für Unternehmen, jedoch ist es notwendig, sich ein äußerst differenziertes Bild von Afrika zu machen und die Risiken durchaus ernst zu nehmen“, so Almuth Dörre.
In den nachfolgend aufgeführten afrikanischen Ländern ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Projekten zu ausgesuchten Themen vor Ort und bietet eine Reihe an Förder-und Kooperationsinstrumenten an, wie z.B. Machbarkeitsstudien für anstehende Investitionsvorhaben der DEG.

Südafrika

Südafrika ist die mit Abstand bedeutendste Wirtschaftsmacht auf dem afrikanischen Kontinent. Die südafrikanische Industrie steuert fast ein Drittel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und stellt ein Viertel aller Arbeitsplätze. Südafrika ist der einzige afrikanische G-20-Staat und gehört mittlerweile offiziell zur Gruppe der wichtigsten Schwellenländer, die bislang aus Brasilien, Russland, Indien und China bestand und ihren Namen für das neue Mitglied nun auf „BRICS“ erweitert hat.
 
Südafrika ist Deutschlands wichtigster politischer und bedeutendster Wirtschaftspartner in Subsahara-Afrika und siebtgrößter Handelspartner außerhalb der EU. 2010 betrug das Handels­volumen rund 13 Milliarden Euro, die Bundes­republik ist damit hinter China der zweit­wichtigste Handels­partner des Landes. Etwa 600 deutsche Firmen haben sich in Süd­afrika nieder­gelassen und beschäftigen rund 90.000 Mitarbeiter.
 
Doch angesichts ausufernder Streiks in den Minen des Landes und hoher Arbeitslosigkeit stellt sich derzeit die berechtigte Frage nach den Perspektiven der südafrikanischen Wirtschaft. Anfang 2014 stehen in Südafrika Präsidentschaftswahlen an. Lange aufgeschobene Reformen könnten danach wieder für mehr Schwung sorgen.
 
Kontakte:
  • Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika, Southern African - German Chamber of Commerce and Industry, P.O. Box 87078, Houghton 2041, South Africa, Kapstadt, Büroanschrift: 47 Oxford Road, (Entrance Waltham Road), Forest Town 2193, Johannesburg, Telefon: ++27 11 4862775, Telefax: ++27 11 4863625, ++27 11 4863675, Email: info@germanchamber.co.za, Homepage: http://www.germanchamber.co.za
  • State of Bavaria – South Africa Office c/o Southern African-German Chamber of Commerce and Industry, 47 Oxford Road, 2193 Forest Town, Johannesburg, South Africa, Telefon: +27 11 486-2775, Fax: +27 11 486-3625, E-Mail: bavaria@germanchamber.co.za Internet: www.germanchamber.co.za
  • Generalkonsulat der Republik Südafrika: Sendlinger-Tor-Platz 5, 80336 München, Telefon: (0 89)2 31 16 30, Telefax: (0 89)2 31 1 6 363, Mail: info@saconsulate.de
 
Ägypten
Mit der Lage an Rotem Meer und Mittelmeer könnte sich Ägypten zu einer Schnittstelle zwischen Europa, Afrika und Asien entwickeln. Ägypten ist ein aufstrebender Staat mit einem bedeutenden Agrarbereich, Erdöl- und Erdgassektor, einem erheblichen Dienstleistungsbereich (Handel, Finanzdienstleistungen, Fremdenverkehr) und leistungsfähigen Industriezweigen. Die politische und wirtschaftliche Lage Ägyptens ist zwei Jahre nach dem Sturz des Mubarak-Regimes  noch immer unübersichtlich. Präsident Mursi hat den Beginn der mehrstufigen Neuwahl des Parlaments auf den 27. April 2013 festgelegt. Anfang Juli soll sich das neue Parlament konstituieren.
Etwa 40 Prozent der ägyptischen Industrieproduktion entfällt auf Staatsbetriebe. In den letzten Jahren ist eine stetige Belebung der Investitionstätigkeit des privaten Sektors zu verzeichnen. Die von der ägyptischen Regierung mit Unterstützung des IWF und der Weltbank seit 1991 unternommenen Anstrengungen zur Stabilisierung der Wirtschaft haben zu einer entscheidenden Verringerung des Budgetdefizits und zum Aufbau von Devisenreserven geführt. Immerhin sind die ausländischen Direktinvestitionen seit 1991 von 141 Millionen Euro auf mehr als 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 gestiegen. Doch die stetig steigende Arbeitslosigkeit angesichts einer stark wachsenden Bevölkerung stellt Ägypten vor große Herausforderungen.
 
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Kenia
Kenia ist die stärkste Volkswirtschaft in der Region Ostafrika, trotzdem lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Landwirtschaft ist Kenias wichtigster Wirtschaftszweig: Sie beschäftigt 70 bis 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung direkt oder indirekt und erwirtschaftet rund ein Viertel des Bruttosozialproduktes. Der Fremdenverkehr ist der bedeutendste Devisenbringer und ist nach den Unruhen in Folge der Wahlen Ende 2007 wieder in einer Erholungs- bzw. Expansionsphase. Das Import- und Devisenregime ist liberal, allerdings gibt es teilweise hohe Zollsätze zum Schutz der lokalen Industrie.
 
Momentan hemmt die mangelhafte Stromversorgung noch Kenias wirtschaftliche Entwicklung. Doch die Regierung will mit einem groß angelegten Investitionsprogramm gegensteuern – und setzt dabei vor allem auf regenerative Energien. Dank der geografischen Lage des Landes am ostafrikanischen Graben, einer tiefen Narbe in der Erdkruste, bietet sich dafür Geothermie an. Aber auch Windenergie soll künftig zu mehr Versorgungssicherheit beitragen: Unter anderem entsteht in Kenia die größte Windfarm südlich der Sahara. Die Erneuerungen der Straßeninfrastruktur gehört, mit dem Ausbau der Elektrizitätsgewinnung, zu den Prioritäten. Der Telekommunikationssektor zählt zu den stärksten Wachstumsbranchen. Blumenzucht und -exporte haben viele Investoren angezogen.
 
Eine schnell wachsende Bevölkerung, sinkende Kindersterblichkeit und liberale Märkte machten das mit knapp 40 Millionen Menschen große Land zum wirtschaftlichen Vorreiter Ostafrikas. Die Wahl Uhuru Kenyattas zum neuen Präsidenten des Landes könnte jedoch die Wirtschaft schwächen. Kenyatta ist vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt und muss sich Anfang Juli wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit rechtfertigen.
 
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Ghana
Kein westafrikanisches Land zieht mehr Touristen an als Ghana – die Vorzeigedemokratie Westafrikas. Das politische System des Landes wird gestützt durch eine florierende Wirtschaft. Zwar ist Ghanas Volkswirtschaft absolut betrachtet noch vergleichsweise klein. Aber immerhin hat das  Bruttoinlandsprodukt zwischen 2005 und 2010 im Schnitt um 5,4 Prozent zugelegt.  Ghana ist einer der größten Kakaoanbieter und nach Südafrika der zweitgrößte Förderer von Gold in Afrika.
Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland ist im Jahr 2011 um 17 Prozent auf 414 Millionen Euro gestiegen. Dieses Wachstum ist auf den starken Anstieg (32 Prozent) der deutschen Exporte nach Ghana zurückzuführen, im gleichen Zeitraum fielen die ghanaischen Exporte nach Deutschland um sieben Prozent auf 137,7 Millionen Euro. Erste Prognosen lassen auch für 2012 ein starkes Wachstum sowohl der Importe aus als auch der Exporte nach Ghana erwarten.
 
Wichtigste ghanaische Exportgüter nach Deutschland sind traditionell Kakao, Holz und Aluminium. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport.
 
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Nigeria
Nigeria ist nach Südafrika und Ägypten die drittgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika. Es beherbergt eine kleine, wohlhabende Oberschicht, verfügt über einen hochentwickelten Bankensektor, ist Sitz der zweitgrößten Börse Afrikas und hat als einziges afrikanisches Land Satelliten ins All schießen lassen. Zugleich hat aber weniger als die Hälfte der nigerianischen Landbevölkerung Zugang zu adäquaten Sanitäranlagen und sauberem Trinkwasser. Das macht Nigeria zu einem Riesen auf tönernen Füßen.
 
2008 erreichte das bilaterale Handelsvolumen mit drei Milliarden Euro zunächst einen Höhepunkt, ging dann aber im Zuge der globalen Wirtschaftskrise und des niedrigeren Ölpreises stark zurück. Die Exporte nach Nigeria sanken 2009 um knapp 15 Prozent auf rund eine Milliarde Euro, die Importe nach Deutschland um 34 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich der Handel wieder erholt. 2011 wurde mit insgesamt 4,7 Milliarden Euro ein neuer Rekord erreicht. Wesentliche Ursache war der gestiegene Ölpreis. Nigeria lieferte Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro (95 Prozent Öl) nach Deutschland (+70 Prozent), die deutsche Ausfuhr nach Nigeria stieg im Gegenzug auf 1,3 Milliarden Euro (+18 Prozent).
 
Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte. Deutschland stand 2010 an neunter Stelle der Zielländer der nigerianischen Exporte, bei den Ursprungsländern der Importe an zehnter Stelle. Im deutschen Außenhandel liegt Nigeria bei den Ausfuhren an 62., bei den Einfuhren an 39. Stelle (2011).
Zahlreiche deutsche Unternehmen sind in Nigeria vertreten. Der im Jahr 2000 unterzeichnete bilaterale Investitionsschutz- und Fördervertrag mit Nigeria trat im September 2007 in Kraft.  Ein Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. Im August 2008 wurde in Abuja ein Memorandum unterzeichnet, das Gründungsdokument der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft. Seither treffen sich die Energiepartner regelmäßig, um gemeinsame Projekte voranzubringen. Im Fokus stehen die Rehabilitierung und Weiterentwicklung der Stromproduktion in Nigeria – insbesondere durch erneuerbare Energien - und eine stärkere Beteiligung deutscher Firmen an der Gewinnung von Energieträgern in Nigeria. Auch in anderen Bereichen wächst das unternehmerische Interesse auf beiden Seiten. DIHK und NGBA (Nigerian-German Business Association) arbeiten inhaltlich und räumlich eng zusammen mit dem erklärten Ziel, eine Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) zu gründen. +++ Text: Barbara Lohss, AWZ Bayern
  
Kontakte:

 

Quellen:
 
Messen und Kongresse:
  • Power & Electricity World Africa, The African continents most integrated annual power congress and exhibition, 11.03.2014 – 12.03.2014, Johannesburg (Südafrika)
  • Medic East Africa, East Africa's leading Healthcare Event, 10.09.2014 – 12.09.2014,  Nairobi (Kenia)