Exportschlager bayerisches Handwerk: Weltneuheit im Fensterbau

München - Die Rauh SR Fensterbau GmbH im oberfränkischen Zapfendorf-Sassendorf fertigt Fenster, Türen und Wintergärten. 2008 erhielt das Unternehmen den Bayerischen Staatspreis und den Designpreis des oberfränkischen Handwerks.

    Im März 2013 wurde die Firma Rauh auf der Internationalen Handwerksmesse in München vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zu einem der Bundespreisträger für hervorragende innovative Leistungen gekürt. Bayern Handwerk International hat mit Stefan Rauh, dem Juniorchef des oberfränkischen Handwerksunternehmens, gesprochen.

    BHI: Herr Rauh, über mangelnde Wahrnehmung in der Öffentlichkeit können Sie nicht klagen: Bayerischer Staatspreis, Designpreis und auf der BAU 2013 auch noch der Bundespreis. Wofür die ganzen Preise?

    Rauh: Wir haben diese Preise für die Entwicklung unserer Ventilations-Fenstersysteme bekommen. Das Prinzip: Ein Holz-Aluminium-Verbundfenster und innen liegende Jalousien mit Photovoltaikmodulen, die an den Fenstern angebracht sind. In diese Fenster haben wir nun eine Lüftungstechnik integriert. Das Problem ist ja bekannt: Die Fenster werden immer dichter und die Menschen lüften zu wenig. Diesen Punkt haben wir aufgegriffen. Die letzten zwei Jahre waren wir sogar in ein EU-Forschungsprojekt eingebunden. So konnten wir die verschiedenen Schichten unseres Fenstersystems entwickeln. Wir sind ja schon lange an dieser Idee dran, nun hat das EU-Projekt alles beschleunigt. Momentan sind wir damit beschäftigt, das Fenster serienreif zu machen.

    BHI: Und?

    Rauh: Die Entwicklung ist gut, die Ergebnisse sind auch sehr gut. Das Lüftungssystem ist eine Weltneuheit und ist so zurzeit einzigartig auf dem Markt. Das System besteht aus drei Teilen: a) Es ist stromautark durch Photovoltaikstrom am Fensterrahmen, b) Es hat gesteuerte Climawin-Ventile und c) eine intelligente, stromautarke Steuerung über Funksensorik, mit Messung von CO², Temperatur und Luftfeuchte im 15-Minuten-Takt. Durch die intelligente Steuerung und die Nutzung vorgewärmter Frischluft über das System arbeitet Cimawin äußerst energieeffizient, bei gleichzeitiger ständiger Verbesserung der Wohnraumluftqualität, eben einzigartig und einmalig.

    BHI: Das Fenster gibt es zunächst nur im wissenschaftlichen Test?

    Rauh: Genau, wir haben bisher noch kein Projekt damit ausgestattet. Das ganze System ist aber von vorne bis hinten durchgetestet, zum Beispiel vom Fraunhofer Institut in Stuttgart. Wir hatten eine portugiesische Universität dabei, die sich um die Elektronik gekümmert hat, und eine dänische Universität, die das Projekt koordiniert hat.

    BHI: Wie kommt man dazu, sich auf eine so aufwändige Entwicklung einzulassen?

    Rauh: Die Idee dazu hatten wir schon vor sieben Jahren, nur konnten wir sie alleine nicht umsetzen.

    BHI: Welche Idee war das denn ganz genau?

    Rauh: … dass man die Luftzwischenräume zwischen den Scheiben für eine Lüftung nutzen könnte. Auf so eine Idee kommt man, wenn man viel auf Messen unterwegs ist und Neuheiten sieht. Dazu kam, dass wir auf einer Messe einen dänischen Fensterbauer kennengelernt haben, der schon ein ähnliches Profil hatte. Mit dem haben wir uns zusammengeschlossen und haben schließlich das EU-Forschungsprojekt genehmigt bekommen. Danach kamen auch die Institute dazu.

    BHI: Welche Idee war das denn ganz genau?
    BHI: Wie stellt man sich Ihre Aufgabe dabei vor?

    Rauh: Viele Termine in Portugal, in Dänemark, in Brüssel … In den Arbeitstreffen bringt man seine Erfahrungen aber auch seine Wünsche ein: Mit welchen Fragen ist man beschäftigt, was möchte man entwickelt haben? Ist alles zeitaufreibend, denn das macht man alles nebenbei, am Samstag und Sonntag.

    BHI: Würden Sie so etwas wieder machen?

    Rauh: Wir machen das gerade, weil wir noch ein zweites Projekt genehmigt bekommen haben. Was mich dabei antreibt, ist der Ehrgeiz.

    BHI: Ihr Vater sagte einmal in einem Interview, die „Kleinen“ seien die „Realisierer“.

    Rauh: Richtig. Die meisten neuen Ideen werden von kleinen Handwerksfirmen umgesetzt. Die großen Unternehmen versuchen nur, das Geld abzuschöpfen und die Mitarbeiter zu beschäftigen.

    BHI: Wie verteilen sich denn in Ihrem Unternehmen die Rollen zwischen Senior und Junior?

    Rauh: Mein Vater ist Schreinermeister und auch ich bin gelernter Schreiner. Ich bin im Betrieb aufgewachsen und seit zwölf Jahren Geschäftsführer. Bei uns ist es so: Der Junior macht das Tagesgeschäft und der Senior widmet sich der Entwicklung. Anders würde das gar nicht gehen.

    BHI: Was ist Ihr Ziel zum Ende dieses Jahres?

    Rauh: Ich will bis dahin ein fertiges Produkt haben und es wäre schön, wenn wir dann schon ein Projekt abgewickelt hätten.
    (Das Interview führte Maria Weininger (Bayern Handwerk International)