Erfolgsgeschichte: „Ich lasse mich auf keine Abenteuer ein“

Erfolgsgeschichte: „Ich lasse mich auf keine Abenteuer ein“ Erfolgsgeschichte: „Ich lasse mich auf keine Abenteuer ein“

Reichenbach (22.02.2010) - Im Gespräch mit Exportpreisträger, Schreinermeister Gerhard Reisinger

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil apostrophiert ihn gerne als „Bayerns Vorzeigehandwerker“. Der Schreinermeister und Kreishandwerksmeister von Cham, Gerhard Reisinger, hat sich 2009 den bayerischen Exportpreis in der Kategorie Handwerk verdient. In seiner Schreinerei „geht der Erfindergeist um“, würdigte Kammerpräsident Franz Prebeck anlässlich der Preisverleihung die hohe Innovationskraft des Innenausbauers. In der IHK-Akademie in München nahm Ehefrau Gisela gemeinsam mit den Kindern Christina und Sebastian die hohe Auszeichnung aus den Händen von Wirtschaftsminister Zeil im November entgegen, während der Chef auf einer Unternehmerreise Marktchancen in Kolumbien und auf Kuba auslotete.

Der Oberpfälzer, dessen Betrieb sich in Reichenbach nahe Roding in ländliche Idylle schmiegt, war schon immer von Pioniergeist beseelt. Mit seiner Internetpräsenz zählte er Ende der 90iger zu den ersten Handwerkern, die sich mit diesem Medium weltweit auf den Märkten anboten. „1998 erhielt ich meinen ersten Auslandsauftrag über das Internet von einer Schweizer Firma“, erinnert er sich. Und seinen jüngsten Auslandsauftrag wickelte er in Port Harcourt in Nigeria ab, wo er dem Gouverneur ein neues Auditorium und einen Kabinettsaal baute. „Meine patentierten Trennwände „easy wall“ möchte ich nun mit einem Kooperationspartner in Kolumbien und auf dem russischen Markt vertreiben“, skizziert er seine nächsten Ziele. Seine Fühler streckt er derzeit nach Libyen und Bukarest aus. In der rumänischen Hauptstadt könnte der Auftrag für den Ausbau des VIP-Bereichs im neuen Fußballstadion nach Reichenbach gehen. Ob Bauten für Hörgeräteakustiker in der Schweiz oder der Bau eines Hauses für einen Milliardär in London – stets habe ihm das Internet diesen Exportsegen beschert.
 
Für die meisten Auftraggeber im Ausland sei der Preis zweitrangig. „Die wollen deutsche Produkt- und Arbeitsqualität. Das setzt sich überall durch“, ist seine Erfahrung. Und hat er auch Lehrgeld bezahlt? „Nein, das habe ich nicht. Ich bin ein Waidler. Ich lasse mich auf keine Abenteuer ein. Und außerdem setzt ein erfolgreiches Auslandsgeschäft ein perfekt laufendes Inlandsgeschäft voraus.“ Sein Exportanteil liegt zurzeit bei zehn Prozent. „Den würde ich noch gerne steigern“, sagt er und erläutert auf dem Schreibtisch liegende Pläne, die eine satte Betriebserweiterung vorsehen. Eine neue Lager- und Produktionshalle, ein Akustikzentrum sowie ein Besprechungspavillon sollen auf der grünen Wiese in Reichenbach entstehen. „Die nächsten vier Jahre möchte ich zu den 22 bestehenden Arbeitsplätzen 40 dazu schaffen. Darunter sollen 15 Frauenarbeitsplätze sein“, verkündet er. Drei Frauen könnten sich nach Vorstellung seiner Ehefrau Gisela einen Schichtarbeitsplatz teilen. „Wir werden auch ein Kinderspielzimmer einrichten. Wir wollen familienfreundlich sein“, so der Vater fünf Kindern. Und er freut sich darüber, dass Tochter Christina als Technische Zeichnerin und Sohn Sebastian, der in Cham seine Meisterprüfung im Schreinerhandwerk ablegt, künftig im Betrieb den traditionellen Pionier- und Innovationsgeist der Familie intensiv weiter pflegen werden.
 
Bild: Staatssekretärin Katja Hessel (Bildmitte) überraschte auf einem Botschaftsempfang in Bogota in Kolumbien Schreinermeister Gerhard Reisinger (links im Bild) mit der Überreichung einer Kopie des bayerischen Exportpreises. Rechts: Kolumbiens Außenminister Jaime Bermudez Merizalde. Foto: Bayern International