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So war´s: Unternehmerreise Ukraine

So war´s: Unternehmerreise Ukraine

Regensburg (10. Dezember 2007) - Die Ukraine kennenlernen und Kontakte knüpfen war das Ziel einer Unternehmerreise der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Die Ukraine gilt wegen seiner Größe und wachsenden Wirtschaftskraft mit Ausrichtung zur EU als interessanter, aufstrebender Wirtschaftsraum. Zu der vielseitigen Unternehmerreise in das Land am Schwarzen Meer, initiiert durch die Handwerkskammer in Zusammenarbeit mit Bayern Handwerk International wurden bayerischen Unternehmern die wirtschaftlichen Bedingungen in der Ukraine praxisnah aufgezeigt, einschließlich Kontakte mit möglichen Kooperationspartnern und Sondierung von Import- und Exportmöglichkeiten.

Das 47-Millionen-Einwohner-Land mit seinem Wirtschaftswachstum von etwa acht Prozent bietet vielfältige Möglichkeiten für bayerische Handwerksunternehmer. Aber: Eine sorgfältige, verantwortliche Beratung vorab mit realistischer Abwägung der Chancen und Risiken unter Berücksichtigung dortiger Strukturen ist unabdingbar.

Die neuen EU-Ostgrenzen machen die Ukraine zu Nachbarn mit den EU-Ländern: Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien. Die Donau verbindet das Land über das Schwarze Meer mit seinem Hafen Odessa in hervorragender Weise mit Bayern bzw. den Häfen Passau und Regensburg. Die Ukraine zirka zweimal so groß wie Polen ist vermehrt an deutschen Lieferungen, Leistungen und Know-how interessiert. So erreichen die deutschen Ausfuhren eine Steigerung von 35 Prozent.

Reiseziele

Die Unternehmerreise führt nach Odessa (Partnerstadt von Regensburg) und nach L’viv (früheres Lemberg). Die bayerischen Unternehmen konnten sich bei Fachvorträgen, persönlichen Gesprächen mit örtlichen Firmen- und Kommunalvertretern, sowie Repräsentanten von Wirtschaftsinstitutionen über Kooperations- und Geschäftsmöglichkeiten informieren. Betriebsbesichtigungen rundeten praxisnah die „vor Ort Eindrücke“ ab. Mit 15,9 Milliarden Euro sind deutsche Unternehmen die größten ausländischen Direktinvestoren.

'Bayerisches Haus' und Firmenbesichtigung

Die Reisegruppe aus Bayern erhielt gleich nach Ankunft in Odessa einen Einstieg durch einen aktuellen Situationsbericht zur Wirtschaft, Politik und der allgemeinen Lage in der Region durch Karl Walter, Leiter des „Bayerischen Hauses“ in Odessa.

Bei einer weiteren Wirtschaftspräsentation der Regionalverwaltung von Odessa gab es die ersten Möglichkeiten, sich mit regionalen Wirtschaftsvertretern auszutauschen und Kontakte herzustellen. Positiv wurden hierbei auch die Städtepartnerschaft zwischen Odessa und Regensburg hervorgehoben.

Weitere Firmenbesichtigungen der Branchen Bau, Metall, Maschinen/Werkzeugbau mit Besuchsführung des boomenden Container Hafens durch die Hamburger Container Werft AG, Odessa rundeten das Bild einer aufstrebenden Wirtschaftsregion ab.

L’viv mit einer jahrhundertlangen Tradition war zweite Besuchsstation mit Informationen über die wirtschaftliche Struktur der Region Lemberg. Dort werden beachtliche deutsche-dänische und polnische Auslandsinvestitionen getätigt, geführt vom Maschinenbau (22 Prozent), Nahrungsgüterwirtschaft (10 Prozent), Leichtindustrie und Holzverarbeitung je 6 Prozent sowie Immobilien- und Bankwesen gesamt 27 Prozent. Nennenswerte deutsche Firmen dort sind: Leoni, Webasto, ODW Elektronik, DAR LKW Transport, METRO und DELPRO Schuhe.

Firmenbesichtigungen in der Region wie bei Kabelbaumherstellern, Textilunternehmen, Baustoff- und Putzproduzenten, Metall verarbeitenden Betrieben, sowie Werkzeug- und Instrumentenherstellern mit ergänzender branchenweiter Kontaktbörse mit regionalen Firmenvertretern boten umfassende Geschäftsmöglichkeiten.

Pannen bei der Heimreise

Der plötzliche Wintereinbruch konfrontierte die Reisegruppe wiederum mit den Unzulänglichkeiten des ukrainischen Flugwesens vor Heimflug, der erst in Warschau angetreten werden konnte, dem aber eine Busfahrt über die neue EU-Ostgrenze zu Polen unvorhergesehen vorausging.

Die Reisegruppe aus Bayern sieht die Ukraine als einen sich entwickelnden Wachstumsmarkt mit westlicher Orientierung, aber auch wertvollen Kontakten zu Russland und seine Anrainerstaaten mit dem Schwarzen Meer. Die Ukraine stellt einen zukünftigen Absatzmarkt bei steigender Kaufkraft und sehr hohem Nachholbedarf mit qualifizierten, leistungsbereiten Arbeitskräften dar. Das niedrige Lohnniveau und eine sich abzeichnende politische Stabilität bieten vermehrt Zuversicht und Interesse an Kooperationen.

Ergebnisse

Die Unternehmerreise half einen neuen Nachbarn zur EU kennen zu lernen und den Kammermitgliedern die dortigen Möglichkeiten, Chancen und Risiken realistisch aufzuzeigen. Dass allerdings ein oft ausufernder Bürokratismus, Schwerfälligkeit, nachholbedürftige Infrastruktur und eine noch immer verbreitete Zuwendungsmentalität die Wirtschaftsentwicklung und somit Investoren belasten, soll nicht unerwähnt bleiben. Die Ukraine hat noch etliche „Hausaufgaben“ zu erfüllen. Dennoch bot die Unternehmerreise, die Dank der Fördermittel der EU im Rahmen des Programms „Neue Wege - Neue Welten“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums durchgeführt werden konnte, einen umfangreichen, branchenweiten, realistischen Eindruck eines aufstrebenden östlichen EU Nachbarn.

(Bild: Die Reiseteilnehmer bei der Besichtigung in der Firma Leoni)