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Lohnfortzahlung international im Vergleich

Nürnberg (08. März 2007) - Berechnungsgrundlage, Dauer, Höhe, Zahlungspflicht und Zahlungsgrund - das System der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist in jedem Land unterschiedlich.

Den Überblick zu behalten und Arbeitsbedingungen umfassend vergleichen zu können, fällt da schwer. Die nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die wichtigsten aktuellen Rahmenbedingungen einiger ausgewählter Länder.

Das neue Arbeitsgesetzbuch, das in der Tschechischen Republik zum 1. Januar 2007 gerade in Kraft getreten ist, sieht für Arbeitgeber für bis zu 14 Kalendertage im Jahr erstmals eine Lohnfortzahlungspflicht vor. Am 12. Dezember 2006 hat das tschechische Parlament jedoch entschieden, dass das von dem Sozialversicherungsträger zu leistende Krankengeld im ersten Jahr der Lohnfortzahlungspflicht im Krankheitsfall vorgeht. Faktisch wird die Lohnzahlungspflicht damit erst ab 2008 für Arbeitgeber in der Tschechischen Republik relevant. Als Ausgleich werden die Beiträge, die Arbeitgeber zur Krankengeldversicherung zu leisten haben, ab dem 1. Januar 2008 von gegenwärtig 3,3 auf 2,3 % gesenkt. Die vom Arbeitgeber als Lohnfortzahlung
in gesetzlicher Höhe geleisteten Beträge werden zur Hälfte von dem Arbeitgeberbeitrag zur Krankengeldversicherung abgezogen.

Ab 2009 tritt das neue Krankengeldversicherungsgesetz dann in vollem Umfang in Kraft. Eine Erstattung der vom Arbeitgeber geleisteten Lohnfortzahlung wird dann entfallen. In der Slowakei besteht eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
durch den Arbeitgeber seit 2004. In Polen wurde die sogenannte „Blue Monday“-Regelung, nach der die Lohnfortzahlung erst am zweiten Tag der arbeitsunfähigen Erkrankung eingesetzt hat, wieder abgeschafft. Diese Bestimmung hatte dazu geführt, dass Arbeitnehmer sich für mehr als einen Tag haben krank schreiben lassen. Lettland und Schweden sehen weiterhin eine derartige Karenzregelung vor. In beiden Ländern setzt die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers ab dem 2. Tag der arbeitsunfähigen Erkrankung ein. In Spanien beginnt diese sogar erst ab dem 4. Tag, sofern die Arbeitsunfähigkeit
auf sonstigen Unfällen oder nicht berufsbedingten Erkrankungen beruht.

Auch in China und Indien hängen Dauer und Höhe der Lohnfortzahlungspflicht
des Arbeitgebers von dem Grund der arbeitsunfähigen Erkrankung ab. Ungarn liegt mit 15 Tagen Lohnfortzahlungsdauer im Krankheitsfall im Mittelfeld. Anschließend kann der Sozialversicherungsträger für bis zu einem Jahr Krankengeld zahlen. In Russland werden die vom Arbeitgeber als Lohnfortzahlung geleisteten Beträge bis zu einem Maximalbetrag von der Sozialsteuer abgezogen, die für jeden Arbeitnehmer an den Sozialversicherungsträger abzuführen ist. Die Höhe der Lohnfortzahlung richtet sich hier danach, wie lange der betroffene Arbeitnehmer zuvor bereits in seinem Leben abhängig beschäftigt war. Da die Zahlung von Krankengeld durch die jeweiligen Sozialversicherungsträger ebenfalls in jedem Land unterschiedlich
geregelt ist, lohnt sich eine individuelle Prüfung der nationalen gesetzlichen Regelungen im Einzelfall. In Italien und Spanien ist darüber hinaus zu ermitteln, ob sich abweichende Lohnfortzahlungsverpflichtungen aus einschlägigen Tarifverträgen ergeben. Die Tabellen im nebestehenden Anhang geben Ihnen eine Orientierung über die wesentlichen Grundregelungen in den dargestellten Ländern. In jedem Einzelfall ist zu prüfen, in welcher Höhe und für welche Dauer Sie nach den einschlägigen nationalen Bestimmungen als Arbeitgeber verpflichtet sind, Lohnfortzahlung zu leisten beziehungsweise diese freiwillig ihren erkrankten Arbeitnehmern zugute kommen lassen können.

(Autorinnen: DR. INES SCHMID UND MARLENE MERSMANN)

Kontakt für weitere Informationen:
Dr. Ines Schmid
Rechtsanwältin
Rödl & Partner Nürnberg
Tel.: +49 (9 11) 91 93-30 23
E-Mail: ines.schmid@roedl.de