Usbekistans Textil- und Bekleidungsbranche: gute Liefer- und Kooperationschancen für deutsche Firmen

Usbekistans Textil- und Bekleidungsbranche: gute Liefer- und Kooperationschancen für deutsche Firmen

Taschkent (23.7.2015) - Die Textil- und Bekleidungsindustrie in der zentralasiatischen Republik Usbekistan hat eine neue Investitionsoffensive gestartet. Mehrere Dutzend größere und viele kleinere Projekte für etwa 1 Milliarde US-Dollar sollen die Branche deutlich beleben. Bei den Vorhaben setzt das Land, das zu den weltweit fünf größten Produzenten von Baumwollfasern zählt, auf Technologien und Know-how aus dem Ausland.

Die usbekische Textil- und Bekleidungsindustrie bietet in den kommenden Jahren vielfältige Geschäftschancen. Das gilt vor allem für ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen, von Hilfs- und Betriebsstoffen sowie für Importeure von im Land hergestellten Halb- und Fertigwaren. Die Branche erwartet massive Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten. Ziele sind dabei die Erhöhung der Produktionsmenge und eine sichtliche Steigerung der Fertigungstiefe in der Produktion.

Baumwollverarbeitung soll deutlich steigen

Die Staatliche Aktionärsgesellschaft O´zbekyengilsanoat (vergleichbar mit einem kleinen Branchenministerium) kündigte in ihrem mittelfristigen Entwicklungsprogramm für 2015 bis 2020 Projekte für 1 Milliarde US-Dollar. Im Zieljahr sollen 70 Prozent der jährlich im Inland produzierten 1,1 Millionen Tonnen Baumwollfasern zu Halb- und Fertigwaren verarbeitet werden (2014: 44 Prozent). Bereits für 2016 wird ein Verarbeitungsgrad von 60 Prozent angestrebt.

Das Branchenprogramm zielt auch auf die Produktion neuer Erzeugnisse wie Mantel- oder Anzugstoffe. Zudem soll die Herstellung von Bekleidung aus Mischgeweben ausgebaut werden. Bislang werden in Usbekistan Fertigerzeugnisse nur aus reiner Baumwolle oder mit einer Beimischung anderer Materialien von maximal 10 Prozent produziert. Das Ausbauprogramm bezieht sich ausschließlich auf rund 300 Unternehmen, die unter dem Dach von O´zbekyengilsanoat tätig sind. Hierzu zählen fast alle nennenswerten Textilhersteller und eine Reihe größerer Bekleidungshersteller inklusive 170 Firmen mit einer ausländischen Kapitalbeteiligung.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie (mit Baumwollentkernung) ist in Usbekistan der zweitumsatzstärkste Industriezweig des verarbeitenden Gewerbes nach der Lebensmittelindustrie. Wichtigste Sparte in der Textilindustrie ohne Produktion von Baumwollfasern ist die Fertigung von Baumwollgarn und -stoffen. Auf Rang zwei folgt die Produktgruppe Trikotagen.

Angesichts der geplanten Investitionen dürfte die Branche künftig für die Industriestruktur Usbekistans bedeutend bleiben. In vier der 14 Verwaltungsgebiete steht die Textil- und Bekleidungsindustrie inklusive Baumwollentkernung für ein Drittel der regionalen Industrieproduktion (Choresm, Dshisak, Namangan und Surchandarja). In Buchara und der Autonomen Republik Karakalpakstan sind es etwa 20 Prozent.

Effizienz der Programmumsetzung unzureichend

Usbekistan hat grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Ausbau der Branche: beträchtliche Aufkommen an Baumwolle, günstige Energie-, Wasser- und Lohnkosten, ein großes frei verfügbares Arbeitskräftepotenzial und steuerliche Vorzugsbedingungen für Investoren und Exporteure. Die nach der Unabhängigkeit des Landes erreichten Ergebnisse bleiben jedoch noch weit hinter den potenziellen Möglichkeiten zurück.

Die Gründe für die mäßigen Erfolge in der Branche sind die große Bürokratie der öffentlichen Verwaltung einschließlich des Managements von O´zbekyengilsanoat, überregulierte Ex- und Importen, schwacher Finanzsektor, teils erhebliche Verzögerungen bei der Konvertierung von Usbekistan-Sum in Devisen (etwa bei der Beschaffung von Ersatzteilen für Maschinen und Ausrüstungen oder Textilfarben), langwierige und umständliche Zollverfahren sowie häufige Gesetzesänderungen.

Der aktuelle Trend steigender Investitionen in der Textil- und Bekleidungstechnik lässt erwarten, dass die Produktion künftig schneller wachsen wird als bisher. Die jährlichen Importe von Textil- und Bekleidungsausrüstungen lagen 2011 bis 2014 bei etwa 150 bis 180 Millionen Dollar gegenüber etwa 90 bis 100 Millionen Dollar in den vier Vorjahren. Im allen Jahren entfielen im Schnitt zwei Drittel der Einfuhren auf Maschinen für die Produktion von Textilgarn. Die Hauptlieferanten kamen aus der Schweiz, der VR China und Deutschland.

Ausrüstungen für Webereien bezieht Usbekistan vorwiegend aus Belgien, Deutschland, der Türkei und der VR China. Maschinen für den Trikotagenzweig liefern hauptsächlich die VR China, die Türkei und Korea (Rep.). Laut einer Untersuchung über das Niveau der technischen Ausstattung in 65 großen und größeren Unternehmen von O`zbekengilsanoat, bedürfen etwa 1.000 Maschineneinheiten einer dringenden Erneuerung.

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(Quelle: GTAI)