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Teheraner Industriemesse zeigt Aufbruchsstimmung

Teheraner Industriemesse zeigt Aufbruchsstimmung

Teheran (21.10.2015) - Die Stimmung auf der diesjährigen Teheraner Industriemesse war von großen Hoffnungen auf eine kräftige und nachhaltige Wirtschaftsbelebung geprägt. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass weiterhin erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der Wirkung des im 1. Quartal 2016 erwarteten Sanktionsabbaus bestehen. Die deutschen und anderen ausländischen Aussteller nutzten die Messe, um sich bei alten und neuen iranischen Partnern in eine gute Startposition im Rennen um Marktchancen zu bringen.

Nach dreijähriger Unterbrechung hatte die Münchener IMAG - Internationale Messe- und Ausstellungsdienst GmbH bereits 2014 wieder eine deutsche Beteiligung, allerdings mit nur wenigen Ausstellern, organisiert. Als Reaktion auf die Mitte Juli 2015 zwischen der E3+3 Gruppe (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, USA, Russland und die VR China) und Iran erzielte Einigung im Atomstreit wurde kurzfristig die schon geplante deutsche Beteiligung auf der diesjährigen Industriemesse, die vom 5. bis 8.10.2015 stattfand, durch weitere Aussteller und einen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Informationsstand erweitert.

Großer deutscher Gemeinschaftsstand

Die offizielle deutsche Beteiligung beschränkte sich auf den Informationsstand. Die unter dem Logo "Made in Germany" ausstellenden Firmen erhielten keine Bundesförderung. Ob es 2016 wieder den früher üblichen offiziellen deutschen Firmengemeinschaftsstand mit BMWi-Förderung gibt, ist derzeit unklar. Es wird davon ausgegangen, dass das Interesse der deutschen Wirtschaft an Iran hoch bleibt beziehungsweise weiter zunimmt und deshalb für die meisten potenziellen deutschen Aussteller die Frage der öffentlichen Förderung nachrangig sein dürfte.

Der deutsche, über 570 qm große Gemeinschaftsstand war wieder in der traditionellen "deutschen" Halle 38 untergebracht. Als Teil des deutschen Gemeinschaftsstandes nahmen auch Bayern, Hessen und Sachsen teil. Die etwa 40 Firmen (22 Stände) der deutschen Beteiligung hatten etwa 400 qm angemietet. Außerhalb des deutschen Gemeinschaftstandes waren mindestens zehn weitere deutsche Unternehmen mit eigenem Stand präsent.

Deutsche Wirtschaft sieht in Iran hohen Nachholbedarf

Die deutsche Beteiligung wurde vom mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau dominiert, daneben gab es unter anderem Anbieter von Metallerzeugnissen, Kfz-Teilen oder Dienstleistungen (Logistik, Beratung). Viele auf der Messe vertretene deutsche Firmen sehen in Iran einen großen Nachholbedarf an deutschen Maschinen und Ausrüstungen, da während der Sanktionszeit notgedrungen vor allem auf Angebote asiatischer oder lokaler Anbieter zurückgegriffen werden musste. Die Messe habe bestätigt, dass die iranische Industrie unverändert stark an hochwertiger deutscher Technik interessiert sei und mit Ungeduld auf eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen warte, so deutsche Aussteller.

Beobachter erwarten den "Implementation Day", also das Inkrafttreten des vereinbarten Sanktionsabbaus frühestens im 1. Quartal 2016. Voraussetzung ist eine Bestätigung der Internationalen Atomenergiebehörde, dass Iran den ausgehandelten Um- beziehungsweise Rückbau seiner Atomanlagen vollständig abgeschlossen hat. Unter den Ausstellern gab es auch offene Fragen hinsichtlich der zukünftigen Praxis der Exportkontrolle. Neben der üblichen Genehmigungspflicht für "Dual use" Güter sind im Falle Irans zusätzliche Regelungen zu beachten. Deutsche Exporteure sollten in diesem Zusammenhang auch regelmäßig die Informationen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie des Servicecentrums Finanzsanktionen der Deutschen Bundesbank beachten.

Der Anteil Deutschlands an der iranischen Maschineneinfuhr sank zwischen 2010 und 2013 von 20,4 auf 11,7 Prozent, es folgte 2014 ein leichter Anstieg auf 12,2 Prozent. Der große Gewinner war die VR China mit einer starken Erhöhung ihres Lieferanteils. Deutliche Zuwächse erzielten auch Südkorea und die Türkei.

Das verstärkte Interesse an Iran zeigte auch die gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegene Zahl ausländischer Aussteller von 189 auf 315. Die meisten ausländischen Firmen begnügten sich mit kleinen Ständen oder waren als Unterausteller vertreten. Neben Deutschland waren die VR China, die Türkei, Südkorea, Indien, Japan und Malaysia mit nationalen Gemeinschaftsständen präsent.

Geringere inländische Beteiligung infolge Wirtschaftskrise

Die Zahl der iranischen Aussteller war 2015 nach Angaben des Messeveranstalters erheblich geringer als im Vorjahr, die angemietete Fläche schrumpfte um 13 Prozent auf rund 17.300 Quadratmeter. Die gesunkene Ausstellerzahl ist vor allem eine Folge der allgemeinen Wirtschaftskrise.

Offiziellen Angaben zufolge ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2012/13 (iranisches Jahr 1391: 21.03.2012 bis 20.03.2013) und 2013/14 um real 6,6 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent zurück. Es folgte 2014/15 ein Plus von drei Prozent, allerdings deutete sich bereits im letzten Quartal das Ende der kurzen Wachstumsphase an. Dennoch bleiben die Erwartungen für 2015/16 verhalten optimistisch. Mittlerweile wird nicht mehr mit einem signifikanten Wachstum gerechnet, auch eine erneute Schrumpfung gilt als möglich. Die iranische Regierung nennt als Hauptgründe die niedrigen Öleinnahmen sowie das noch gültige Sanktionsregime.

Starker Aufschwung ab 2016 erwartet

Ein Team des Internationalen Währungsfonds (IWF) war anlässlich der regelmäßigen "Article IV Consultations" Ende September in Teheran. In der vom IWF am 5. Oktober veröffentlichten Abschlusserklärung wird für 2015/16 ein BIP-Wachstum zwischen 0,5 und -0,5 Prozent prognostiziert. Wesentlich infolge des erwarteten Sanktionsabbaus soll sich 2016/17 ein BIP-Plus von 4,0 bis 5,5 Prozent ergeben. Als Wachstumsmotoren werden vor allem eine höhere Ölproduktion, geringere Importkosten, die Aufhebung der Finanzsanktionen sowie die Freigabe des derzeit im Ausland blockierten oder gebundenen iranischen Vermögens genannt.

Die iranische Beteiligung an der Industriemesse spiegelte die während der Sanktionszeit deutlich forcierten Anstrengungen, Maschinen und Anlagen lokal herzustellen. Die einheimischen Anbieter greifen häufig auf bekannte ausländische Technik zurück. Zumeist sind es modifizierte Nachbauten renommierter internationaler Maschinenlieferanten, vielfach werden technologische Kernkomponenten importiert. Das lokale Angebot konzentriert sich auf Maschinen zur Metallbearbeitung (CNC-Maschinen, Industrieroter, Metallpressen etc.).

Die iranische Industriepolitik zielt darauf ab, internationale Firmen anzuhalten, das in Iran verfügbare Know-how zu nutzen und durch Technologietransfer weiter auszubauen sowie möglichst lokal zu fertigen oder zumindest zu montieren.

>>> Komplette GTAI-Meldung. 

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(Quelle: GTAI)