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Tag des Bieres - über einen bayerisch-fränkischen Exportschlager

Tag des Bieres - über einen bayerisch-fränkischen Exportschlager

Nürnberg (23.4.2015) -In Bayern gilt es als Grundnahrungsmittel, das Bier. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen dieses Kultgetränkes, das auch ein bayerischer Exporterfolg ist. Doch nicht nur das Endprodukt, auch die im Reinheitsgebot enthaltenen Bestandteile sind es.

Der Tag des deutschen Bieres wird am heutigen Datum begangen, weil damit an das sogenannte Reinheitsgebot der bayerischen Herzöge vom 23. April 1516 erinnert wird. Allerdings ist diese nicht die älteste Brauvorschrift, es gibt deutlich ältere, etwas aus Ausburg (1156) oder Nürnberg (1393), aber auch aus Weimar. Im letzten Jahr erst wurde im Bamberger Staatsarchiv eine Urkunde gefunden, in der sich ein Reinheitsgebot der Domstadt findet, es datiert auf den 14. Oktober 1489 und ist damit 27 Jahre älter als die bayerische Vorschrift.

 

Bayerischer Qualitätsstandard
Und sie hat einen wesentlichen Unterschied zur Vorgabe der bayerischen Herzöge. Im Reinheitsgebot von 1516 ist von Hopfen, Wasser und Gerste die Rede, in der Bamberger Fassung von Hopfen, Wasser und Malz. Die Einschränkung auf Gerste würde das beliebte bayerische Weißbier, aus Weizen gebraut, nicht zulassen. Wem bei dieser Aufzählung übrigens die Hefe fehlt: deren Wirkung und Notwendigkeit war damals einfach noch unbekannt.
 
Das Reinheitsgebot ist ein gutes Beispiel für deutsche Qualitätsstandards. Davon lebt der Außenhandel auch heute. Auf der ganzen Welt weiß man "made in Bavaria" zu schätzen, nicht nur beim Bier, aber eben auch da.

"Ein Erlanger"

Bayerisches Bier erfreut sich im Ausland hoher Beliebtheit. 2013 konnte ein neuer Exportrekord vermeldet werden: fast 4,2 Millionen Hektoliter aus bayerischen Brauereien flossen in die Welt. Eine Steigerung von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. 
 
Im 19. Jahrhundert war Erlangen ein Exporteur Nummer Eins in Sachen Bier. Mit dafür sorgte der Eisenbahnanschluss der Stadt. Bis zu 18 Brauereien waren einst in Erlangen angesiedelt, sie lagerten ihr Bier - wie andernorts in Franken - in den in Fels gehauenen Stollen. Erst mit der Erfindung der Kühlmaschine wurde diese Lagermethode überflüssig. Doch bis heute geht man in Franken statt in den Biergarten vielerorts "auf den Keller". 
 
Erlanger Bier wurde bis in die USA verschifft. Dort gilt mancherorts bis heute die Bezeichnung "ein Erlanger" für ein qualitativ hochwertiges Bier, wie auch ein Artikel der IHK Nürnberg verrät.
 
Hopfen
Widmen wir uns den drei Bestandteilen aus dem Reinheitsgebot, zunächst dem Hopfen, das auch grünes Gold genannt wird. Es gibt dem Bier die Bitterkeit, sprich im Pils ist mehr Hopfen als etwa im Hellen. In Bayern selbst sind die nicht so bitteren Biere weitaus beliebter. Die eigentliche "Aufgabe" des Hopfens war es aber, das Bier haltbar zu machen.  
Das weltweit größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt liegt in der oberbayerischen Hallertau (auch Holledau genannt). Deutlich über 80 Prozent des in Deutschland angebauten Hopfens findet sich hier. Die Hallertau verfügt aber zudem über das Hopfenforschungszentrum in Hüll bei Wolnzach. Mit der Entwicklung neuer Sorten etwa will man auf dem immer härter werdenden Weltmarkt mithalten. Aber auch, indem neue Märkte erschlossen werden, der Großteil des Hopfens geht zwar noch in die Bierproduktion, doch eignet sich die Pflanze für zahlreiche andere Anwendungen, bis hin zu medizinischer Wirkungen, Hopfen könnte einmal vielleicht auch in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Aber auch zur Beruhigung oder schlicht zum Haare waschen eignet sich die Hopfenpflanze. "Bayerischer Hopfen im brasilianischem Bier" lautet ein ausführlicher Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Hopfengebiet Hallertau. 
Während die Holledau das Zentrum des Hopfenanbaus ist, ist es Nürnberg für den Hopfenhandel. Bis ins  15. Jahrhundert reichen die Belege hierfür zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Frankenmetropole gar zum Welthandelsplatz. Ausschlaggebend war neben der günstigen geografische Lage Nürnbergs in Europa, der guten Verkehrsanbindung und die Nähe zu den deutschen Anbaugebieten die Freigabe des Hopfenschwefelns. Eine wahre Exportförderung, denn mit dem 1858 erlaubten Verfahren wurde der Hopfen deutlich haltbarer. In den Folgejahren wuchs die Zahl der Hopfenhändler von 25 auf 364 an und die gehandelte Menge steigerte sich um fast 4.000 Prozent.
Nürnberg verlor als Handelsplatz an Bedeutung, als zunehmend im Ausland, vor allem den USA, massiv Hopfen angebaut wurde. Für den nächsten Nackenschlag sorgte der Zusammenbruch des Weltmarktes 1914. Im Dritten Reich schließlich sorgte das Regime dafür, dass dieser einst blühende Wirtschaftszweig fast vollständig eliminiert wurde. Denn 70 Prozent des Hopfenhandels lag in jüdischen Händen. Heute gibt es in Nürnberg noch einen großen Hopfenhändler, darunter Joh. Barth & Sohn, die zum Weltmarktführer, der Barth-Haas-Gruppe gehören. Ein Artikel über das Unternehmen findet sich bei der Wirtschaftswoche.
Rund um das mittelfränkische Spalt befindet sich ein sehr kleines aber feines Anbaugebiet, mit einer Exportquote von rund 70 Prozent. Hier werden vor allem Aromahopfensorten angebaut, mit weniger Bitterstoffen, aber hervorragender Qualität, die teils doppelt so hohe Preise im Vergleich zu anderen Hopfensorten erzielen. Ein Teil des Hopfens wird aber auch in Spalt selbst zu Bier, im letzten kommunalen Brauhaus Deutschlands. 
 
Malz
Wie schon erwähnt, ist Malz treffender als Gerste, da es auch Biersorten mit anderen Getreidearten gibt, aus Weizen, Dinkel oder Emmer. Doch um das deutsche Malz ist es nicht so gut bestellt, wie etwa den Hopfen. Schuld sind teils hohe Energiekosten aber auch große Preisschwankungen, so dass immer mehr Landwirte lieber Getreide für Biogasanlagen bauen.
Es bleibt als Perspektive nur der Zusammenschluss von Mälzereien oder die Spezialisierung. Aus Amerika ist ein Trend auch nach Deutschland herübergeschwappt, die Craftbiere. Auch hierzulande probieren immer mehr Brauer besondere Biere zu erzeugen, mit neuen Geschmacksnoten, aber unter Einhaltung des Reinheitsgebotes. Für die Geschmacksnuancen, soll das Bier zum Beispiel nach bestimmten Früchten schmecken, müssen dann neue Hopfen- oder eben Malzsorten sorgen.
Eine alte Spezialität, die auf eine besondere Form des Mälzens gründet, ist das Bamberger Rauchbier, das als Exportschlager gelten kann. Beschreiben lässt es sich am ehesten mit "Schinkengeschmack", aber letztlich hilft nur das eigene Probieren. Süß statt rauchig schmeckt das Malz aber etwa in Bonbonform. 1899 von der Drogerie Carl Soldan auf den Markt gebracht, erzeugen es heute drei Unternehmen in Bayern industriell, darunter auch Dr. C. Soldan.
 
Wasser
Für den Geschmack eines Bieres ist auch die Qualität des Wassers entscheidend. Ihre Brunnen hüten die Brauereien da wie ihre Augäpfel. Aber nicht nur für Bier findet Wasser in Bayern Verwendung. Auch Wasserkraft hat in Bayern eine lange Tradition, aufgrund der zahlreichen Gewässer und Gefälle. Früher oftmals in Form von Wasserrädern, mit denen Handwerks- und Industriebetriebe ihre Energie erzeugten, heute in Form von Wasserkraftanlagen zur Stromerzeugung. 4.200 gibt es in Bayern, die zusammen 2,9 Gigawatt erzeugen.
Das Knowhow im Bereich Wasserkraft ist nicht nur wichtig für die Umsetzung der Energiewende in Bayern selbst, sondern auch ein wichtiger Außenwirtschaftsfaktor. Dieses Wissen ist weltweit gefragt, bei der zunehmenden Bedeutung regenerativer Energien. Aber auch die Wassergewinnung und -aufbereitung ist eine Branche, in der das Wissen bayerische Unternehmen weltweit gefragt ist.
 
Bier als Botschafter
Nicht nur Laptop und Lederhose, auch das Bier ist ein Markenbotschafter des Freistaats Bayern in aller Welt und wird mit diesem assoziiert. Was vielen dabei nicht bewusst ist, die meisten Brauereien sitzen im Norden Bayerns, rund 300 finden sich in Franken, dem Land der Biere. Diese Vielfalt ist weltweit einmalig, der kleine Ort Aufseß in der fränkischen Schweiz hat es sogar in das Guinness Buch der Rekorde geschafft, mit vier Brauereien für rund 1.500 Einwohner, die höchste Brauereidichte der Welt.
Doch viele der fränkischen Brauereien sind oft kleine Familienbetriebe, manche schenken gar nur am Standort aus und exportieren schon gar nicht. Die größten Brauereien sitzen im Süden Bayerns. Dabei verkaufen sie nicht nur Bier ins Ausland, sondern auch Gastlichkeit und Gemütlichkeit. So die Paulaner Brauerei mit ihrem Gastronomiekonzept, die "Brauhäuser" finden sich von Südafrika bis China, von Russland bis nach Singapur. Damit wird nicht Bier, sondern auch ein Stück bayerischen Lebensgefühls exportiert und in New York erfreuen sich Biergärten großer Beliebtheit. 
 
Auch zum Thema Bier: Vergangenes Jahr erzählten wir die Erfolgsgeschichte des Bamberger Unternehmens Kaspar Schulz. Der mittelständische Brauereimaschinenhersteller stieg Mitte der 80er Jahre ins Auslandgeschäft ein und hat heute eine Exportquote von 80 Prozent.