Italien hat hohen Bedarf an moderner Klimatechnik

Italien hat hohen Bedarf an moderner Klimatechnik

Mailand (7.8.2015) - Der Markt für Klimatechnik in Italien bietet Potenzial. Das Land erlebt seit 2008 einen starken Rückgang im Bausektor, was die Nachfrage nach neuen Klimasystemen dämpft. Auch 2014 ging der Umsatz der Branche zurück. Die italienische Regierung fördert die Erneuerung von Klimageräten zum Beispiel mit steuerlichen Anreizen. Ziele dabei sind die Erhöhung der Energieeffizienz und die Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Der ungewöhnlich heiße Sommer in Italien - mit anhaltenden Temperaturen von über 35 Grad Celsius - hat dazu geführt, dass der Stromverbrauch im Juli 2015 nicht zuletzt wegen der Nutzung vieler Ventilatoren und Klimaanlagen ein Rekordhoch erreicht hat. Im vergangenen Jahrzehnt ist nach Angaben des Verbandes der mechanischen Industrie ANIMA die Anzahl der Klimaanlagen stark gestiegen. Aktuell verfügen circa ein Drittel aller Wohnungen über ein Klimagerät. Vor diesem Hintergrund setzt Italien auf die Steigerung der Energieeffizienz, um die europäischen und nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Dabei spielt die Klimatechnik eine wichtige Rolle.

Im Jahr 2014 hat sich der Markt für Klima- und Heizungsanlagen negativ entwickelt. Einer Umfrage des Branchenverbands ASSOCLIMA zufolge ist der Umsatz in Italien um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das Marktvolumen betrug laut der Umfrage 2014 circa 1 Milliarde Euro. Über die Hälfte des Umsatzes und drei Viertel der Anlagen entfielen auf Split- und Multi-Split-Systeme. Die Nachfrage in diesem Segment ist im Vergleich zu 2013 gemessen am Umsatz um 16 Prozent gesunken.

Mit 16 Prozent der Nachfrage machen luftgekühlte Kaltwassersätze das zweitwichtigste Marktsegment aus, danach folgen VRF-Systeme (variabler Kältemittelmassenstrom) mit einem Anteil von elf Prozent. Im letzteren Segment ist die Nachfrage 2014 zurückgegangen, während für luftgekühlte Kaltwassersätze, Dachgeräte und Lüftungsanlagen jeweils ein Plus verbucht werden konnte.

Die anhaltende Krise im Bausektor trägt zur ungleichen Nachfrageentwicklung bei. Die Investitionen in neue Wohnbauten haben sich laut Branchenverband ANCE zwischen 2008 und 2015 um Zwei Drittel verringert. Im gleichen Zeitraum konnte jedoch der Rückgang durch den starken Anstieg der Ausgaben für Sanierungsvorhaben teilweise aufgefangen werden. Diese Entwicklung ist vor allem auf großzügige Steuernachlässe zurückzuführen.

Diverse Anreize stützen Nachfrage

Die Steuervergünstigungen, die den Sanierungsboom in den vergangenen acht Jahren ermöglicht haben, sollten einerseits den Bausektor stützen, andererseits einen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz leisten. Vor diesem Hintergrund werden effiziente Klimageräte der Energieklasse A plus, die mit Heizpumpen ausgestattet sind und damit sowohl Heizen als auch Kühlen, mit einer steuerlichen Vergünstigung von 50 Prozent gefördert. Dabei können auch die Kosten der Installation zu 50 Prozent steuerlich abgesetzt und ein reduzierter Mehrwertsteuersatz in Anspruch genommen werden. In dem Fall, dass ein effizientes Klimagerät eine bestehende Heizungsanlage ersetzt, erhöht sich der Nachlass für den Kauf und die Installation auf 65 Prozent. Letzteres gilt sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen, während die 50 Prozent Reduzierung der Installationskosten lediglich für Privatpersonen gilt.

Das sogenannte Conto Termico ist eine weitere Maßnahme, die einerseits die Erzeugung von Wärme aus erneuerbaren Energiequellen, andererseits die Steigerung der Energieeffizienz fördert. Solarthermie- beziehungsweise Solarkühlungsanlagen und mit Biomasse befeuerte Heizsysteme können direkt gefördert werden.

Ein Programm zur energetischen Sanierung von öffentlichen Gebäuden (PREPAC) soll für den Zeitraum 2014 bis 2020 die Nachfrage nach Klimatechnik weiter vorantreiben. Es wurden 2.900 Bauten mit einer Fläche von 13,7 Millionen Qudratmetern definiert. Dafür hat die Regierung ein Förderpaket von insgesamt 355 Millionen Euro beschlossen.  Hinzu kommen für den Zeitraum 2014 bis 2020 Mittel im Wert von 1,7 Milliarden Euro aus dem europäischen Strukturfonds für die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, hauptsachlich in den unterentwickelten Regionen Süditaliens.

Italien hat hohen Importbedarf

Italien hat einen hohen Importbedarf an Klimatechnik. Die Produktion im eigenen Land konnte 2014 laut Assoclima lediglich 22 Prozent des Marktbedarfs abdecken. Mehr als die Hälfte der Importe kamen aus China, gefolgt von Thailand, Japan und Malaysia. Erst danach folgten europäische Lieferländer wie die Niederlande und das Vereinigte Königreich. Deutschland lag als Lieferland mit 3,3 Millionen Euro auf Rang Neun.

Deutsche Unternehmen wie Bosch, Siemens und Ziehl-Abegg sind auf dem italienischen Markt aktiv. Diese Anbieter haben in der Regel einen Wettbewerbsvorteil im Bereich von integrierten Ansätzen zur Steigerung der Energieeffizienz. Siemens entwickelte beispielsweise die Raum- und Gebäudeautomatisierungsplattform Desigo CC, die neben der Lufttechnik den Strom und die Beleuchtung integriert. Von Mai bis Juni 2015 war der Großkonzern mit einer Roadshow in Italien unterwegs, um die Technologie vorzustellen.

Es arbeiten aber auch leistungsfähige und innovative italienische Unternehmen in diesem Segment. Im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Horizont 2020 wurde das piemontesische Unternehmen Cimberio prämiert. Der Ventilhersteller SmartCim will 2,3 Millionen Euro in die Entwicklung von energieeffizienten beziehungsweise ressourcenschonenden Klimatisierungslösungen investieren. Davon sollen 70 Prozent von der EU finanziert werden.

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(Quelle: GTAI)