Estnischer Markt für Augenoptik erholt sich

Estnischer Markt für Augenoptik erholt sich

Talinn (08.06.2015) Brillen und andere augenoptische Leistungen sind in Estland meist privat zu zahlen. Der Absatz ist in der starken Wirtschaftskrise nach 2008 erheblich geschrumpft. Mit dem jüngsten Aufschwung erholt sich der Markt für Augenoptik aber wieder kräftig. Estnische Anbieter wenden sich auch an die vielen ausländischen Patienten in Kurorten. Die führende Optikerkette und die meisten Importe stammen aus Finnland.

Der Umsatz des estnischen Optikmarktes hat sich 2013 laut Branchenverband auf 21,5 Mio. Euro summiert (2012: 19,3 Mio. Euro). Erste Angaben lassen für 2014 ein geschätztes Wachstum von 8,3% erwarten. Laut neuesten verfügbaren Angaben des Nationalen Instituts zur Gesundheitsentwicklung TAI haben die landesweiten Ausgaben allein für Brillen und andere Sehhilfen 2013 etwa 7,0 Mio. Euro betragen. Davon haben Haushalte 93,9% selber aufgewandt. Der estnische Augenoptikmarkt bestimmt sich somit nicht allein durch den medizinischen Bedarf, sondern in erheblichem Maße auch durch die Kaufkraft der Patienten.

In den kommenden Jahren ist mit einer weiter steigenden Nachfrage zu rechnen, denn wegen der starken Konjunkturkrise gibt es immer noch einen hohen Nachholbedarf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2008 und 2009 preisbereinigt um insgesamt 19,3% eingebrochen und auch die Gesundheitsausgaben der Haushalte sind von 2008 bis 2011 um nominal 16,4% gesunken.

Neben der Kaufkraft der Patienten bestimmt auch die geringe Bevölkerungsdichte die Struktur des estnischen Augenoptikmarktes, denn das nordbaltische Land zählt mit einer Gesamtbevölkerung von 1,3 Millionen Menschen und durchschnittlich 30,3 Einwohnern je Quadratkilometer (2014) zu den am dünnsten besiedelten Staaten der EU.

Die Nachfrage konzentriert sich zudem stark auf Tallinn, wo 2014 etwa 411.000 Personen beziehungsweise 31% aller Einwohner Estlands lebten und wo das Einkommen deutlich höher als in den anderen Landesteilen ist. Weitere bedeutendere Orte sind Tartu (98.500 Einwohner), Narva (59.000 Einwohner) sowie die Kurbäder Pärnu (40.000 Einwohner) und Haapsalu (10.000 Einwohner).

Daher haben selbst die größten estnischen Optikerketten im internationalen Vergleich nur wenig Niederlassungen. Der mit 17 Filialen führende Anbieter ist Instrumentarium Optika OÜ, eine Tochtergesellschaft des gleichnamigen finnischen Händlers, gefolgt von Eesti Optika (16 Geschäfte) und Lensoptika (12 Filialen). Die Optiline Grupp kommt unter verschiedenen Namen auf zusammen 30 Geschäfte. Die Optikläden führen auch Sehtests durch, bei geringem Bedarf aber nur an festgesetzten Tagen. Landesweit existieren laut Branchenverband etwa 150 Optikgeschäfte.

In allen Landesteilen vertretene Ketten müssen zudem dem Umstand Rechnung tragen, dass estnische Einwohner 69% der Bevölkerung ausmachen, Russen jedoch weitere 25% stellen. Letztere beherrschen vor allem im Osten des Landes das Estnische nur unzureichend und sollten daher mit eigenen russischen Kampagnen angesprochen werden. Dies verteuert das Marketingbudget bei Interesse an dieser Zielgruppe merklich und kann sogar zwei Drittel des estnischen Etats erreichen.

Laser- und andere Optikbehandlungen wenden sich auch an Ausländer

Grundsätzlich gilt für optische und andere Gesundheitsleistungen in Estland, dass die Inlandsnachfrage durch Anzahl und Kaufkraft der Einwohner zwar ihre Grenzen hat, dass aber ausländische Patienten den Markt erweitern. Insbesondere Kureinrichtungen behandeln überwiegend Kunden aus dem Ausland, in erster Linie aus Finnland, aber auch aus Russland und anderen Ländern im Ostseeraum. Im Jahr 2013 kamen 57,7% aller behandelten Übernachtungsgäste in Kurbädern aus dem Ausland, und bei den Bettentagen betrug ihr Anteil sogar 70,3%.

Augenärztliche Laserbehandlungen spielen in Estland ebenfalls eine Rolle. Dabei wenden sich die hierauf spezialisierten Anbieter oft ausdrücklich auch an ausländische Kunden. Augenoperationen per Laser bieten etwa die Unternehmen KSA Silmakeskus mit vier Niederlassungen sowie Laservisioon OÜ und ReFocus Silmakeskus mit jeweils zwei Standorten an. KSA Silmakeskus und Laservisioon OÜ sind auch in Helsinki präsent, KSA Silmakeskus zudem in Stockholm.

Außenhandel ist 2014 sprunghaft gestiegen

Der estnische Import von wichtigen augenoptischen Erzeugnissen hat sich 2014 fast vervierfacht (+274,4%) auf ein Volumen von 27,7 Mio. Euro. Diese Entwicklung ist ganz überwiegend auf die höhere Nachfrage im Inland zurückzuführen, wenngleich auch von nennenswerten Reexporten auszugehen ist. So hat sich die Ausfuhr ebendieser augenoptischen Produkte 2014 sogar um 362,7% auf 9,1 Mio. Euro erhöht, obwohl Estland kein bedeutender Produzent ist. Unter anderem setzt aber Instrumentarium Optika OÜ auch für den finnischen Markt bestimmte Brillengläser und -gestelle in Estland zusammen.

Mit Abstand bedeutendster Handelspartner bei Augenoptik ist Finnland, von wo 2014 ganze 67,9% des estnischen Imports stammten und wohin im Gegenzug 73,5% der (Re-)Exporte gingen. Der deutsche Lieferanteil war dagegen 2014 in Estland mit 5,3% relativ gering, wenngleich die deutsche Importquote in einzelnen Segmenten wie optischen und nicht-optischen augenärztlichen Geräten (18,9 beziehungsweise 65,6%) oder auch Fernrohren und Periskopen (38,8%) sowie Teilen dafür (24,9%) deutlich höher war. Dies liegt Marktkennern zufolge auch daran, dass die meist hochwertigen und überdurchschnittlich teuren deutschen Produkte für viele estnische Käufer unerschwinglich sind.

 

(Quelle: GTAI)