China: Warnung vor erhöhter Anzahl von Betrugsfällen

China: Warnung vor erhöhter Anzahl von Betrugsfällen

Peking (22.06.2015) Über die letzten Jahre waren immer wieder Fälle von Betrügereien in den Handelsbeziehungen mit China zu verzeichnen. In den letzten Monaten hat die Häufigkeit solcher Fälle jedoch stark zugenommen, weshalb an dieser Stelle erneut vor den gängigsten Maschen gewarnt werden soll. Opfer sind nicht nur Opportunitätskäufer vermeintlich günstiger Waren aus China, sondern immer häufiger auch Unternehmen mit langjährigen Geschäftserfahrungen in und mit China. Nachfolgend skizzieren wir kurz die drei häufigsten Formen des Betruges und geben Hinweise mit welchen Maßnahmen das Risiko hier Opfer von Betrügern zu werden verringert werden kann.

 

1. Ein Container voller Schrott

Diese sehr häufig und schon seit sehr langer Zeit vorkommende Betrugsvariante zielt auf Gelegenheitskäufer von Waren und Rohstoffen aus China ab. Es handelt sich bei den Opfern fast ausschließlich um Erstkäufer, die den Kontakt zum Verkäufer auf Handelsplattformen im Internet gefunden haben. Vor der Bestellung werden i.d.R. Muster zu Testzwecken geliefert und vom Käufer für gut befunden und sodann die Bestellung getätigt. Die Zahlung erfolgt sodann per Vorkasse oder L/C gegen Vorlage der Ladepapiere am Ausgangshafen. Bei Ankunft der Ware stellt der Käufer dann fest, dass minderwertige Waren, Ausschuss oder gar andere Waren als bestellt (alle jedoch ohne wirtschaftlichen Wert) im Container enthalten sind. Sehr häufig handelt es sich bei den Gütern um Chemikalien oder Rohstoffe, bei denen durch bloße Inaugenscheinnahme die Fehlerhaftigkeit der Ware von einem Unkundigen nicht sofort erkennbar ist. In den meisten Fällen existieren die als Verkäufer dargestellten Unternehmen gar nicht und die Bankkonten sind sehr häufig im Namen von Briefkastenfirmen aus Hong Kong eröffnet worden. Jeglicher Kontakt erfolgt zumeist per E-Mail und Mobiltelefon. Dies macht es sehr schwer, die Betrüger zu identifizieren und eine Rechtsverfolgung wird hierdurch meist aussichtslos. Hinzu kommt, dass die Transaktionswerte i.d.R. bei etwa USD 25.000 bis USD 50.000 liegen, was im Verhältnis zu gering ist um eine leicht sehr kostspielige Rechtsverfolgung mit ungewissem Ergebnis zu rechtfertigen.

Dies macht es umso wichtiger vor einer Transaktion das Risiko Opfer eines Betruges zu werden zu vermindern. So sollte der Verkäufer vor der Transaktion mit verhältnismäßig einfachen Mitteln etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Hierzu ein paar Anhaltspunkte und Vorschläge:

- Schöpfen Sie Verdacht wenn die Anschrift des Partners unklar ist und der Ort des Sitzes nicht dem Ort der der Bankverbindung entspricht (bzw. die Bank nicht in der nächsten größeren Stadt, sondern in einer anderen Provinz oder gar in Hong Kong ist – ein Blick auf die Landkarte kann hier aufschlussreich sein).

- Teilen Sie dem Verkäufer mit, dass Sie eine "Know-Your-Business-Partner"-Überprüfung durchführen und verlangen Sie Kopien der Registrierung ("Business License") der Gesellschaft und eine Kopie des Personalausweises des gesetzlichen Vertreters.

- Lassen Sie sich einen simplen Kreditbericht über den Verkäufer anfertigen und überprüfen Sie, ob die von dritter Seite erforschten Informationen mit den Ihnen vom Verkäufer mitgeteilten Informationen übereinstimmen (ein solcher Report von etablierten Anbietern kostet um die 200 Euro und ist in etwa 2 Wochen auch auf Englisch erstellt).

- Idealerweise sollte die Ware von eigenen Mitarbeitern oder einem Dienstleister direkt vor der Verschiffung geprüft werden.

- Zumindest ein einfaches Vertragsdokument sollte verwendet werden, sodass die wesentlichen Elemente der Vereinbarung (Art und Spezifikation/Qualität der Güter, Preis, Zahlungsweise, Namen und Sitz der Parteien und deren Vertreter, sowie Bankinformationen, Rechtswahl und Schiedsvereinbarung) in einem Dokument festgehalten sind, welches auch unterzeichnet (und bei Gesellschaften in der Volksrepublik vom Verkäufer gestempelt) sein sollte.

- Melden Sie sich im Vorfeld bei Ihrer zuständigen IHK und bitten diese, eine Anfrage bei der zuständigen deutschen Auslandshandelskammer in China für Sie durchzuführen.

Diese einfachen und verhältnismäßig kostengünstigen Maßnahmen sind zwar kein 100%iger Schutz gegen Betrüger, haben jedoch auf etwaige schwarze Schafe eine erhebliche abschreckende Wirkung, sodass diese aus Scheu vor dem für die Betrüger erhöhten Risiko zumeist die Verhandlungen unter einem Vorwand beenden werden und sich leichtere Beute suchen.


2. Der (echte oder vermeintliche) Hacker-Angriff

Auch diese Masche ist seit langem sehr verbreitet, doch es häufen sich in letzter Zeit die Fälle solcher Betrugsfälle. Opfer werden hier im Gegensatz zum vorher geschilderten Fall i.d.R. Gesellschaften die schon bestehende Geschäftsbeziehungen in China haben und seit einiger Zeit von etablierten Partnern in China dauerhaft oder alle paar Jahre einmal Waren beziehen.
Die Betrüger machen sich hierbei im Falle echter Hacker-Attacken die schlechte IT- Sicherheit chinesischer Unternehmen zu Nutze, verschaffen sich illegal Zugang zur E-Mail Korrespondenz und übernehmen diese im letzten Moment, d.h. kurz nach Tätigung einer Bestellung. Sodann werden gefälschte Emails gesendet, welche für diese Transaktion eine Änderung der Bankverbindung avisieren auf die eine Anzahlung zu leisten sei. Oft sind die hierbei genannten neuen Bankverbindungen nicht in China sondern anderswo (etwa Hong Kong). Nach erfolgter Anzahlung kommt dann häufig noch eine Bestätigung des Zahlungseingangs mit dem Hinweis, dass die Waren nun produziert würden. Wenn nach einiger Zeit dann vom Käufer nachgefragt wird wie der Stand sei erfährt dieser, dass das Geld niemals vom Verkäufer erhalten wurde und somit auch die Waren noch nicht bereitgestellt/produziert wurden. Die Betrüger oder Inhaber der Konten sind hier zumeist nicht auffindbar, sodass auch die chinesische Polizei in aller Regel nicht gewillt ist hier tätig zu werden, da der Täter hier nicht klar benannt werden kann.
In jüngerer Zeit sehen wir auch vermehrt Fälle, bei denen erhebliche Zweifel daran bestehen, dass es sich tatsächlich um Hacker-Angriffe handelt und der Verdacht sich aufdrängt, dass Mitarbeiter des Verkäufers involviert sind und ihr Insiderwissen nutzen um solch einen Hacker-Angriff nur vorzutäuschen. Dieser Verdacht ergibt sich besonders dann, wenn der Betrüger hier detailliert auch Informationen zum Produkt geben kann.
Ein Schutz gegen solche Betrügereien ist im Falle echter Hacker-Angriffe recht leicht möglich, da ein Fax oder ein Anruf zur Bestätigung einer Änderung von Bankverbindungen oder anderer Vertragsbestandteile Abhilfe schaffen kann. Im Falle vorgetäuschter Hacker-Angriffe ist dies nicht so einfach, wobei aber auch hier Kommunikation auf anderen Wegen hilft, denn diese erhöht das Risiko für den Betrüger strak, sodass dieser u.U. von seinem Plan ablässt, um sich nicht zu sehr zu exponieren. In jedem Fall hilft hier auch eine Festlegung der wichtigsten Vertragsbestandteile in einem simplen Vertrag und die Schaffung mehrerer unabhängiger Kommunikationswege (idealerweise mit einem Eskalationsmechanismus vom Sachbearbeiter zum Manager). Zumindest im Falle von nachträglichen Änderungen erheblicher Inhalte der Vereinbarung sollte immer eine Rückbestätigung auf alternativem Wege gesucht werden.


3. Das "geheime China Projekt"

Diese recht neue Form des Betruges ist sehr komplex und es sind in den letzten Monaten mindestens vier Fälle zu unserer Kenntnis gelangt, bei denen Betrüger – teils erfolgreich – Gelder in der Größenordnung von EUR 1,5 Millionen bis EUR 15 Millionen erschwindelt haben. Es scheint, dass die höheren Werte den hohen Aufwand für die Betrüger rechtfertigen. Opfer werden hier meist Unternehmen mit einer etwas komplexeren Organisation aber mit weniger strikten Strukturen, also etwa größere KMU.

Die Täter wenden hierbei einige Zeit und Energie auf, um die Interna einer Gesellschaft (in der Regel mit einem existierenden oder geplanten Geschäftszweig in China) auszuspähen. Hierbei wird sodann ein Mitarbeiter identifiziert, der selbst in einer wichtigen Assistenz oder Weisungsempfänger Position ist, aber selbst keine große eigene Entscheidungsbefugnis hat. Dieser Mitarbeiter erhält sodann unvermittelt dringende Emails – vermeintlich von einem der leitenden Manager der Gesellschaft (der zu dieser Zeit zumeist auf Geschäftsreise oder im Urlaub und damit nicht leicht erreichbar ist). Danach müsse zur Rettung eines Geschäfts in China oder zur Sicherung einer Investition unbedingt schnell ein großer Betrag nach China oder Hong Kong überwiesen werden. Da die Sache sehr vertraulich sei (oder Wahlweise die Steuerbehörden nichts davon wissen dürften) wird der Mitarbeiter zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet. Es wird sodann avisiert, dass ein externer Berater, der die Transaktion betreue, sich wegen der Details melden würde. Dieser vermeintliche externe Berater meldet sich sodann meist telefonisch und gelegentlich auch per Email und vermittelt den Eindruck erheblicher Dringlichkeit. Sodann werden die Autorisierungen für den Geldtransfer (etwa Überweisungsträger) mit den (gefälschten) Unterschriften der Manager per Email übersandt, welche der Mitarbeiter sodann zur Bank tragen soll (je nach Art der Zahlung und Stellung des Mitarbeiters gibt es hier unterschiedliche Spielarten).

Sobald das Geld überwiesen ist verstummt i.d.R. die Kommunikation, wobei uns auch Fälle bekannt sind, in denen nach erfolgreicher Überweisung versucht wurde auf gleichem Wege weitere Überweisungen auszulösen. Die Empfängerkonten wurden oft mit gefälschten Dokumenten von nicht oder nicht mehr existierenden Unternehmen eröffnet und eine Identifizierung der Täter ist nicht leicht. Nur wenn solche Zahlungen schnell erkannt werden, besteht eine Chance für die Bank die Auszahlung der Gelder an den Empfänger zu verhindern.

Ein Schutz ist hier nur durch klare interne Strukturen und die Vereinbarung strenge Prozesse mit den befassten Banken, sowie auch hier einem System der Rückbestätigung bestimmter Entscheidungen möglich. Die geeigneten Prozesse sollten hier präventiv mit den eigenen Bankern besprochen werden, denen solche Fälle wahrscheinlich nicht unbekannt sind.

(Quelle: Auswärtiges Amt / Beiten Burkhardt Asia News - Newsletter vom Mai 2015)

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