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Chemiemärkte Lateinamerikas entwickeln sich uneinheitlich

Chemiemärkte Lateinamerikas entwickeln sich uneinheitlich

São Paulo (01.09.2015) Die schwache Konjunktur drückt in Brasilien und Argentinien auf die Nachfrage nach Chemieprodukten. Gleichzeitig entwickeln sich die Märkte in Mexiko und Kolumbien weiter positiv. Einen Lichtblick in fast allen Ländern bilden die steigenden Arzneimittelimporte. Durch den Preisverfall bei Öl und Gas sind einige Petrochemie-Projekte aufgeschoben oder angepasst worden. In Mexiko, Kolumbien und Bolivien stehen aber wichtige Industriekomplexe vor dem Abschluss.

Der Auslandsumsatz der deutschen Chemieindustrie mit Lateinamerika nahm 2014 ab. Steigende Exporte nach Mexiko konnten den Nachfragerückgang im mit Abstand bedeutendsten Markt Brasilien nicht wettmachen. Für das erste Halbjahr 2015 meldete der Verband der chemischen Industrie VCI eine deutliche Absatzsteigerung, die maßgeblich auf die starke Abwertung des Euro zurückzuführen ist. Die Einfuhr von Chemieerzeugnissen nach Mexiko steigt weiter. Auch in Kolumbien sind die Aussichten positiv. Eine Erholung der Importnachfrage in Brasilien ist bislang nicht abzusehen.

Krise in Brasilien mindert Inlandsverkauf und Importe

In Brasilien drosselt die Rezession in den wichtigen Abnehmerbranchen Kfz-Industrie und Bauwirtschaft die inländische Nachfrage nach Industriechemikalien. Im ersten Halbjahr 2015 ging der inländische Verkauf um 4% zurück. Zudem verteuert der schwache brasilianische Real den Import, der um 14% abnahm.

Der deutlich gestiegene Export (+22%) belebt die Produktion der brasilianischen Chemieindustrie (+3%). Die durchschnittliche Auslastung der Kapazitäten war aber mit 79% weiterhin niedrig. Die inländische Nachfrage nach chemischen Enderzeugnissen soll 2015 selbst in der sonst stabilen Sparte der Agrarchemikalien zurückgehen oder bestenfalls stagnieren. Mit Wachstum rechnet lediglich der Pharmasektor.

Die brasilianische Chemieindustrie kämpft um den Bestand im Wettbewerb mit der starken Konkurrenz aus Asien, aber auch aus den USA und Mexiko. Zwischen 2004 und 2014 stiegen die Produktionskosten wesentlich stärker als in den USA oder Mexiko und höhlten die Wettbewerbsfähigkeit immer weiter aus. Große brasilianische Konzerne wie Braskem, Oxiteno und die Unigel-Gruppe entschieden sich bereits für Investitionen in Mexiko. Positive Aussichten bestehen für die inländische Pharmaindustrie, die durch staatliche Förderung und öffentlich-private Produktionspartnerschaften vorangetrieben wird.

Gute Aussichten für Marktnachfrage und Industrie in Mexiko

Im Gegensatz zu Brasilien kurbelt die gute Konjunktur der Kfz-Industrie und der Bauwirtschaft die Nachfrage in Mexiko an. Auch der Markt für Kosmetika verzeichnet ein hohes Wachstum. Stärkere Regenfälle haben 2014 der von Dürre geplagten Landwirtschaft Luft verschafft. Dadurch steigt die Nachfrage nach Agrarchemikalien. Die Pharmaindustrie Mexikos beliefert auch den US-Markt sowie Venezuela und Panama. Mit der Produktion steigt der Bedarf an Wirkstoffen, die zu 95% importiert werden.

Die Produktionskosten liegen in Mexiko wesentlich niedriger als in Brasilien, Argentinien und anderen lateinamerikanischen Staaten. Nach der Pharmaindustrie verzeichnet die Kosmetikbranche und seit der Energiereform auch die Petrochemie Investitionen multinationaler Konzerne. Bislang profitiert die mexikanische Chemieindustrie nur bedingt von der wachsenden Nachfrage. Kurz- bis mittelfristig wird die Einfuhr von chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen weiter zunehmen.

Ebenso wie in Brasilien schwächelt die Nachfrage in Argentinien, dem drittwichtigsten Absatzmarkt für deutsche Chemieerzeugnisse in Lateinamerika. Während sich der Abwärtstrend in der Kfz-Industrie fortsetzt, registrierte die Bauwirtschaft im ersten Halbjahr 2015 erste Anzeichen einer Erholung. Entgegen Prognosen einer stabilen Nachfrage lag der Verkauf von Agrarchemikalien im ersten Quartal 30% unter dem des Vorjahreszeitraums.

Gleichzeitig stiegen Import und Inlandsverkauf von Pharmazeutika außergewöhnlich stark an. Die chemische Industrie beklagt steigende Produktionskosten und abnehmende Wettbewerbsfähigkeit infolge der hohen Inflation und des überbewerteten argentinischen Pesos. Unter den gegebenen Bedingungen wird ein Zuwachs der Nachfrage hauptsächlich über Importgüter gedeckt.

Deutschland konnte die Pharmaexporte nach Kolumbien seit 2011 nahezu verdoppeln und war 2014 noch vor den USA das wichtigste Lieferland für Pharmaerzeugnisse. Auch in den kommenden Jahren wird der Bedarf an Medikamenten deutlich zunehmen und den Import stimulieren. Aufgrund der positiven Marktentwicklung investieren multinationale Konzerne in die kolumbianische Pharmaindustrie, die auch die Nachbarländer Ecuador, Venezuela, Panama und Peru beliefert. Die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen wird insbesondere durch den Boom der Bauwirtschaft belebt. Der Verkauf von Agrarchemikalien erholte sich 2014. Für 2015 wird ein Wachstum um 6% bis 8% erwartet.

Marktentwicklung in Chile relativ stabil

Das erste Halbjahr 2015 verlief positiv für die Chemieindustrie in Chile. Infolge der wachsenden Nachfrage nach Wasch- und Reinigungsmitteln und Pharmazeutika nahmen sowohl Produktion, als auch Inlandsverkauf zu. Auch die Kunststoffindustrie verzeichnet gute Ergebnisse. Prognostiziert wurde der Sparte Chemie, Kautschuk und Plastik für 2015 ein Wachstum um 4,6%.

Die Ausweitung der Anbauflächen in der Agrarwirtschaft spricht für einen steigenden Bedarf an Agrarchemikalien. Dahingegen sind aus der Kfz-Industrie und der Bauwirtschaft derzeit keine Nachfrageimpulse zu erwarten. Chemische Erzeugnisse als Bergbauprodukte sind wichtige Exportgüter Chiles. Die bedeutendsten Investitionsprojekte setzen derzeit die SQM-Gruppe im Abbau von Natrium- und Kaliumnitrat und die Tochterfirma Molyb der Codelco-Gruppe in der Gewinnung von Molybdän(VI)-Oxid und Schwefelsäure um.

 

Ansprechpartner: Gloria Rose amerika@gtai.de

(Quelle: gtai)