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Äthiopiens neue Verkehrsinfrastruktur

Äthiopiens neue Verkehrsinfrastruktur

Addis-Abeba (12.3.2015) - Äthiopien will mit einer gewaltigen Anstrengung eine moderne Infrastruktur aufbauen, die dem Land endlich nachhaltigen Wohlstand bringen soll. Neben dem Energiesektor haben vor allem der Eisenbahn- und Straßenbau Priorität. Der Westen hält sich bei Engagements zurück, während Indien, die Türkei und China ökonomische und politische Chancen wittern.

Ob sich das Land einen solchen Kraftakt leisten kann und ob der volkswirtschaftliche Nutzen richtig kalkuliert ist, bleibt abzuwarten. Die großen Geberorganisationen sind skeptisch, während die VR China überall da besonders gerne einspringt, wo der Westen zaudert.

Äthiopien hält sich nicht mit einer Verbesserung und Wartung bestehender Infrastrukturen auf, sondern setzt auf ein komplett neues Mega-Schienennetz, Hochbahnen über den Verkehrsachsen der Hauptstadt und mautpflichtige Autobahnen. Einem Vergleich mit deutschen Standards mag das alles nicht standhalten, für afrikanische Verhältnisse aber ist das alles grandios. Das reichere Nachbarland Kenia spricht schon seit Jahrzehnten über solche Infrastrukturprojekte, Äthiopien schafft Fakten.

Bemerkenswert ist unterdessen, dass Indien, die Türkei und China Ausschreibungsbedingungen schlucken, die es so zum Beispiel im benachbarten Kenia nicht gibt: So müssen sie sich zu gewissen Know-how-Transfers verpflichten und dürfen nur Fachpersonal mitbringen und nicht etwa, wie bei chinesischen Projekten in Kenia bislang üblich, auch Hilfsarbeiter und Lkw-Fahrer.

Schienenbau im Fern- und Stadtverkehr

Äthiopien hat das erklärte Ziel, ein 5.000 km langes Normalspur-Eisenbahnnetz aufbauen zu wollen. Im Rahmen des nationalen Fünfjahresplans 2010 bis 2015 sollen erste 2.395 km fertiggestellt und 49 Städte verbunden werden. Der Zeitplan ist zwar viel zu ehrgeizig, schon eine Teilverwirklichung aber ist ein großer Erfolg, vor allem ein politischer. So soll der besonders wichtige, 656 km lange und 4 Milliarden US-Dollar teure Streckenabschnitt von der Hauptstadt Addis Abeba zum Hafen von Dschibuti im Oktober 2015 in voller Länge in Betrieb gehen. Das Projekt sei zur Hälfte fertiggestellt, sagte der äthiopische Premierminister Hailemariam Desalegn im Oktober 2014. Die Bahn wird von der China Railway Group gebaut und zum Großteil von der Export-Import Bank of China finanziert. Auf den elektrifizierten Strecken sollen chinesische HXD3B-Lokomotiven (mit Bombardier-Technik) eingesetzt werden.

Eine weitere, 675 km lange Eisenbahn führt einmal von der nordäthiopischen Stadt Mekele über Weldya/Hara Gebeya und Semera zum neuen dschibutischen Hafen Tadjourah und soll vornehmlich dem Export äthiopischer Pottasche dienen. Die Strecke soll zum Teil von indischen Unternehmen gebaut werden; an einem Finanzpaket wird noch gearbeitet. Nach Angaben von Hailemariam hat das türkische Unternehmen Yapi Merkezi Insaat VE Sanayi AS derweil damit begonnen, eine 389 km lange nördliche Eisenbahn von Awash nach Weldya zu bauen. Ende Oktober 2014 konnte ein 865-Millionen-Dollar-Finanzpaket für das Projekt geschnürt werden.

Straßen

Äthiopiens großes Vorzeigeprojekt im Straßenbau ist seine erste Autobahn: der 85 km lange, sechsspurige und mautpflichtige Expressway von Addis Abeba nach Adama, der Mitte September 2014 für den Verkehr freigegeben wurde. Das etwa 550 Millionen Dollar teure Vorhaben wurde mit 350 Millionen Dollar von der China Export Import Bank finanziert.

Ökonomisch wichtig ist auch ein Schnellstraßenprojekt, das den Nordosten Äthiopiens mit dem Hafen Dschibuti verbinden soll. Im September 2014 haben die Ethiopian Roads Authority und die chinesische CGC Overseas Construction Group den Bau eines 220 km langen Streckenabschnitts zwischen Dire Dawa und dem Grenzort Dewele vereinbart. Das 195 Millionen Dollar teure Projekt soll Mitte 2017 fertiggestellt sein und dann vor allem den geplanten Industriepark in Dire Dawa beflügeln. Die chinesische Export-Import-Bank wird das Vorhaben zu 85 Prozent finanzieren.

Flughäfen

Äthiopien hat im Sommer 2014 mit der dritten Ausbauphase des Bole International Airport begonnen; Bauzeit drei Jahre. Das Vorhaben wird mit einem 250-Millionen-Dollar-Kredit der China Import Export Bank unterstützt. Bauunternehmer ist die China Communications Construction Company. Nach der Erweiterung steigt die Jahreskapazität des Flughafens von 5 Millionen auf 25 Millionen Passagiere.

Eine Machbarkeitsstudie für einen komplett neuen internationalen Flughafen im Umland von Addis Abeba ist auch schon in Auftrag gegeben worden. Weitere Flughafenprojekte betreffen Hawassa, Semera (Afar) und Shire (Tigray). Äthiopien hat 17 größere Flughäfen mit kommerziellem Flugverkehr.

(Quelle: GTAI)