"Lockerungsübungen" in Kuba machen vorsichtige Hoffnung

'Lockerungsübungen' in Kuba machen vorsichtige Hoffnung

Havanna/Berlin (21.7.2015) - Wenn die USA ihr Embargo gegen Kuba aufheben, könnte der karibische Inselstaat nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) für die deutsche Automobil-, Energie- und Maschinenbaubranche interessant werden.

In den von Kuba angekündigten Wirtschaftsreformen sieht DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier allerdings noch keine Grundlage für ein größeres Engagement deutscher Unternehmen vor Ort. "Es ist ein zartes Pflänzchen vorsichtiger Hoffnung, nicht das neue Investitionsprojekt Nummer eins der europäischen Wirtschaft", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters anlässlich der Kuba-Reise von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Deutsche Unternehmen müssten bislang massive Probleme im Geschäft mit den USA befürchten, wenn sie Handel mit Kuba trieben, erläuterte Treier. Insofern gelte es, abzuwarten, bis die Vereinigten Staaten das weitreichende Embargo gegen den sozialistischen Inselstaat aufhöben.

"Lockerungsübungen" vor Ort machten zwar Hoffnung, bisher habe sich das kubanische Wirtschaftssystem aber noch nicht verändert. "Für die deutsche Wirtschaft spielt Kuba im Moment keine besonders große Rolle." Im vergangenen Jahr habe Deutschland Güter im Wert von rund 190 Millionen Euro in den Inselstaat exportiert – vor allem Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse –, damit stehe das Land auf einer Stufe mit dem Sudan.

Deutsche Unternehmen könnten auch profitieren

Etwa 30 deutsche Unternehmen seien in Kuba vertreten, so Treier. Sie könnten aber vor Ort nicht produzieren. Und: "Wenn Sie heute Verträge abschließen, steht das alles unter Vorbehalt, das sind lauter Absichtserklärungen. Am Schluss gibt es in jedem Bereich eine staatliche Institution, die darüber entscheidet, ob das Geschäft getätigt wird oder nicht." Zudem könnten Mitarbeiter nicht frei angeworben werden, sondern würden den ausländischen Firmen von einer Agentur zugeteilt, berichtete der DIHK-Außenwirtschaftschef.

Seiner Einschätzung nach dürfte Deutschland bei einer weiteren Öffnung Kubas vom Markt für hochwertige und Luxusgüter profitieren; auch deutsche Autos hätten angesichts des stark veralteten Fuhrparks Absatzchancen.

Die USA seien jedoch rein geografisch im Vorteil. "Die Amerikaner sind mit einer Entfernung von 150 Kilometern nach Florida viel näher dran, da müssen wir uns nichts vormachen", gab Treier zu bedenken. "Das ist ja auch ein Kostennachteil, wenn wir alles über den Atlantik schippern müssen."

Maschinenbau, Infrastruktur und Erneuerbare Energien

Chancen sieht der Außenwirtschaftsexperte auch für den Verkauf deutscher Maschinen, wenn auf Kuba verstärkt Produktion aufgebaut werde. "Da spielt der Preis nicht die ausschlaggebende Rolle, da werden wir sicher zum Zuge kommen." Der Export chemischer Vorerzeugnisse für die Gesundheitsversorgung werde sicher ebenfalls stark wachsen.

Darüber hinaus könnten sich deutsche Unternehmen um die Modernisierung der veralteten Infrastruktur in Kuba bewerben – dabei gehe es um Telekommunikation, Straßenbau, aber auch um Medizintechnik für Krankenhäuser oder landwirtschaftliche Maschinen. "Das sind Bereiche, die perspektivisch schon Hoffnung auf bessere Geschäfte machen", so Treier. Denkbar sei auch ein Engagement beim Ausbau der erneuerbaren Energien, an dem Kuba ein Interesse signalisiert habe.

Unabdingbare Voraussetzung werde aber die Aufhebung des US-Embargos sein – und ein Regime-Wechsel, den die USA wohl zur Bedingung dafür machen würden.

Bürokratie schreckt nicht ab

All dies werde noch eine Weile dauern. "Man kann sich hier schon einen Zeitraum – jetzt sind wir mal optimistisch – von zwei Jahren vorstellen, in dem diese Annäherung zwischen Kuba und den USA letztlich auch zu einer deutlicheren Öffnung des Wirtschaftssystems und einer Lockerung des Embargos führen kann." In der Zwischenzeit werde es vielleicht einzelne Bereiche geben, in denen für ausländische Firmen mehr möglich sei als bisher. Besonders weit entwickelt sei ohnehin bereits der Tourismus.

Die Bürokratie der staatlichen Planwirtschaft schrecke deutsche Unternehmen weit weniger als das US-Embargo, sagte Treier. Bürokratie gebe es auch in anderen Ländern. Diesem Problem würden sich die Betriebe stellen, wenn Kuba sich dann tatsächlich weiter öffne. "Natürlich ist die Bürokratie erst einmal da", erklärte der Experte. "Aber Marktwirtschaft heißt nicht, dass keine Bürokratie da ist – sie ist nur anders."

Eine ausführliche Einschätzung zur Wirtschaftslage in Kuba bietet die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) unter diesem Link.

(Quelle: DIHK)