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Arbeitsmarkt macht Mittel- und Osteuropa attraktiv

Berlin (10. Mai 2006) - AHK-Umfrage auf der Wirtschaftskonferenz "Mittelosteuropa - Chancen ohne Grenzen" vorgestellt

Deutsche Unternehmen sind mit dem Erfolg ihres wirtschaftlichen Engagements in Mittel- und Osteuropa überwiegend zufrieden. Das ergibt eine aktuelle Umfrage von 12 Auslandshandelskammern (AHKS) und Delegiertenbüros, die Dirk Wölfer, Leiter der AHK Ungarn, heute auf der  AHK/DIHK-Wirtschaftskonferenz 'Mittelosteuropa - Chancen ohne Grenzen' vorgestellt hat. Befragt wurden rund 1.000 deutsche Unternehmen in 14 Ländern der Region. Danach wird die konjunkturelle Situation insgesamt als günstig beurteilt, und die eigene Geschäftslage ist nach Meinung der Befragten sogar noch besser als die allgemeine Konjunktur. Zwei Drittel der Unternehmen rechnen damit, dass die Geschäfte 2006 noch besser laufen werden als zuletzt. Darin spiegelt sich vor allem wider, dass mit den umfangreichen Investitionen der vergangenen Jahre in den Ländern der Region moderne und wettbewerbsfähige Unternehmen entstanden sind, die überdurchschnittlich erfolgreich operieren.

Die Region Mittel- und Osteuropa (MOE) ist heute einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Deutsche Unternehmen sehen diese Region nicht nur als Absatzmarkt, sondern engagieren sich unmittelbar vor Ort. Über 10.000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung gibt es bereits in diesen Ländern. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute rund 50 Milliarden Euro in den Ländern der Region investiert, vom kleinen Vertriebsbüro bis zum hochmodernen Automobilwerk.

Die in diesem Jahr erstmals einheitlich durchgeführte AHK-Umfrage zeigt trotz vieler regionaler Unterschiede, dass die Unternehmen prinzipiell mit dem Investitionsklima zufrieden sind: Im Durchschnitt aller Länder berichten rund vier von fünf Unternehmen, dass sie ihre Investition auch heute wieder im selben Land durchführen würden.

Die Umfrage belegt aber auch: Die Attraktivität eines Investitions­standortes wird von einer Vielzahl von Bewertungskriterien bestimmt – sowohl hinsichtlich der Motivation für eine Investitionsentscheidung als auch in Bezug auf die Zufriedenheit mit der aktuellen Situation. In allen Ländern zeigt sich, dass die Investitionsmotive die Punkte Rechtssicherheit und die Qualität des Arbeitskräfteangebotes betreffen (Produktivität, Leistungsbereitschaft, Qualifikation). Fast ebenso wichtig sind Steuerbelastung, Steuersystem und -verwaltung sowie die Arbeitskosten. Weniger ausschlaggebend sind hingegen der Zugang zu öffentlichen Fördermitteln oder die Verfügbarkeit lokaler Zulieferer – die Unternehmen bauen vor allem auf das eigene Potenzial.

Bei der Bewertung der tatsächlichen Situation zeigen die Umfrageergebnisse, dass zumindest in Bezug auf den Arbeitsmarkt in der Mehrzahl der Länder die Erwartungen weitgehend erfüllt werden: Qualifikation, Motivation, Kosten und Produktivität der Arbeitskräfte erhielten durchweg gute Noten und bekräftigen damit einen der wichtigsten Standortvorteile der Region. Bei der Steuerbelastung zeigen sich hingegen gravierende Wahrnehmungsunterschiede: In Estland und in der Slowakei vergeben die Unternehmen Bestnoten, während in Ungarn und in mehreren Balkanländern das Thema Steuern zu den am heftigsten kritisierten gehört. Am negativen Ende der Zufriedenheitsskala rangiert in fast allen Ländern die Administration: Korruption, Bürokratie und mangelnde Transparenz belasten die Investoren erheblich und trüben damit das insgesamt positive Bild.

Alles in allem sind die Unternehmer in Estland am zufriedensten mit den Standortbedingungen. Aber auch die Slowakei, Lettland sowie Rumänien und Slowenien schneiden gut ab, Tschechien folgt auf dem sechsten Rang. Weniger zufrieden sind Unternehmer in Mazedonien, Bulgarien und Bosnien. Aber auch im einstigen Investoren-Vorzeigeland Ungarn sowie in Polen sehen die Manager mittlerweile erheblichen Handlungsbedarf, um die Attraktivität des Standortes zu sichern.

Die Beurteilung der Investitionsstandorte ändert sich, wenn nicht nur die Investoren vor Ort urteilen: Von außen betrachtet bewerten die Manager Tschechien als den attraktivsten Standort, noch vor der Slowakei, Estland und Slowenien. Diese Benotung gründet sich offensichtlich weniger auf eigene praktische Erfahrungen, sondern vor allem auf die von Wirtschaftsexperten, Medien oder Politikern vermittelten Informationen über die einzelnen Länder. Unternehmen, die den Schritt ins Ausland planen, sind also in jedem Fall gut beraten, sich sachkundige Unterstützung vor Ort zu holen – z.B. bei den Auslandshandelskammern.

  • Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie rechts im Anhang.