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Exporte: DIHK-Umfrage bei den deutschen Auslandshandelskammern

Berlin (04. Oktober 2005)

Die Dynamik der deutschen Exporte wird 2006 nur leicht nachlassen. Dies geht aus der AHK-Umfrage 'Export und Import 2005/2006' hervor, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jetzt in Berlin vorstellte.

Auf Grundlage der Erhebung bei 117 Auslandshandelskammern (AHKs) sei für das kommende Jahr bei den deutschen Ausfuhren eine Zuwachsrate von gut 6 Prozent zu erwarten – nach 7 Prozent in diesem Jahr, berichteten DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke und DIHK-Außenwirtschaftsexperte Reiner Perau bei der heutigen Pressekonferenz zum Thema.


Ursache der Verlangsamung sei die sich abschwächende Weltkonjunktur: Das Weltwirtschaftswachstum soll der AHK-Umfrage zufolge im laufenden Jahr 4,3 Prozent und 2006 noch 4,1 Prozent erreichen.

Wenn sich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen weiter positiv entwickle, so die DIHK-Fachleute, werde das deutsche Exportwachstum dem Trend des Welthandels folgen, der 2005 mit 6,5 Prozent und 2006 mit 6 Prozent expandiere.

Mehr Infos zur Umfrage und die dazugehörige Broschüre enthält das folgende komplette Statement von Axel Nitschke und Reiner Perau:

Statement zur AHK-Umfrage „Export und Import 2005/2006“ von Dr. Axel Nitschke, DIHK-Chefvolkswirt, und Reiner Perau, DIHK-Außenwirtschaftsexperte:

Die Dynamik der deutschen Exporte lässt im Jahr 2006 nach. Die Zuwachsrate der Exporte wird im nächsten Jahr bei gut sechs Prozent liegen – nach 7 Prozent in diesem Jahr. Ursache der Verlangsamung ist die sich abschwächende Weltkonjunktur. Die hohen Ölpreise dämpfen das Wachstum in den Kraftzentren der Weltwirtschaft - den energieintensiv produzierenden Volkswirtschaften der USA und Chinas. Wir erwarten auf Grundlage der Umfrage bei 117 AHKs ein Weltwirtschaftswachstum von 4,3 Prozent in diesem und 4,1 Prozent im nächsten Jahr.

Das deutsche Exportwachstum wird damit in diesem und im nächsten Jahr wieder im Trend des Welthandels liegen, der mit 6,5 Prozent (2005) und 6 Prozent (2006) expandiert. Voraussetzung hierfür ist eine sich weiter positiv entwickelnde Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. In den letzten Jahren wirkten sich die Verlängerung der Arbeitszeiten und damit niedrigere Lohnstückkosten sowie die Verlagerung von Teilen der Produktion an kostengünstigere Standorte günstig aus.

Die Importe werden in diesem Jahr wegen der stark gestiegenen Rohstoffpreise nominal um 7,5 Prozent wachsen. Der DIHK und die AHKs gehen davon aus, dass Öl und Energie sich im nächsten Jahr zumindest nicht weiter verteuern werden und sehen einen Importanstieg von 6 Prozent im Jahr 2006 voraus.

Beim Handelsbilanzüberschuss wird im nächsten Jahr auch ein Rekord erreicht werden. Bei Einfuhren von rund € 660 Milliarden und Ausfuhren von rund € 830 Milliarden ergibt sich ein positiver Saldo von über € 170 Milliarden. Für 2005 werden Exporte von rund € 780 Milliarden und Importe von etwa € 620 Milliarden einen Überschuss von über € 160 Milliarden bedeuten.

Die Regionalstruktur des deutschen Außenhandels verschiebt sich dabei auf Grund unterschiedlicher Wachstumsraten in den Weltregionen. Die zehn neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union werden als Absatzmarkt für deutsche Exporte zum ersten Mal wichtiger als die USA. Die ölreichen Länder des Nahen und Mittleren Ostens bringen Exporteuren 2005/2006 das größte Wachstum. Unter den zehn größten Exportmärkten wächst China weiter am schnellsten, kommt aber bis zum Jahr 2010 nicht über Rang 8 hinaus. In der deutschen Importrangliste wird es bereits innerhalb dieses Jahrzehnts die Nummer 1 werden.

Entwicklung deutscher Exporte

Während innerhalb der Währungsunion die deutschen Exporte im Jahr 2006 mit 4,8 Prozent – nach gut sechs Prozent in diesem Jahr – relativ verhalten wachsen, entwickeln sich die Geschäfte mit den neuen EU-Ländern dynamischer: Sie bringen den deutschen Exporteuren Zuwachsraten von 7 Prozent im Jahre 2005 und 9 Prozent im Jahre 2006. Der Investitionsgüterexporteur Deutschland wird somit weiter vom Modernisierungsbedarf der neuen EU-Mitglieder profitieren, deren Volkswirtschaften nach Einschätzung der AHKs etwa doppelt so schnell wachsen wie die der alten EU-Länder.

Die deutschen Exporte in die europäischen Länder außerhalb der EU wachsen mit jeweils 10 Prozent in beiden Jahren besonders stark. Neben der Russischen Föderation entwickeln sich vor allem Rumänien und Bulgarien, die Türkei und die Ukraine besonders dynamisch.

Für die Länder der asiatisch-pazifischen Region erwarten die AHKs ein Exportplus von 8 Prozent bzw. 10 Prozent.  Die Exporte deutscher Firmen nach Nordamerika wachsen mit vier bis fünf Prozent. Die USA werden dank robusten Wirtschaftswachstums jedoch auf absehbare Zeit nach Frankreich zweitgrößter Einzelmarkt für deutsche Exporteure bleiben.

Das höchste Wachstum für die deutschen Exporte geht zur Zeit von den rohstoffreichen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens aus. Für die Region werden Steigerungsraten von über 20 Prozent (2005) und 10 Prozent (2006) erwartet.

Entwicklung deutscher Importe

In diesem Jahr wird die Zuwachsrate der Importe über der der Exporte liegen. Der Grund liegt in den dramatisch gestiegenen Energiekosten. Alleine der Wert der Importe aus der Russischen Föderation, unserem wichtigsten Energielieferanten, ist im ersten Halbjahr um fast die Hälfte gestiegen.

Augenscheinlich kauft insbesondere die vorleistungsintensive deutsche Industrie vielfach Vorprodukte bei Niedriglohnländern ein, während hochwertige deutsche Endprodukte bei den hochentwickelten Industrieländern abgesetzt werden.

Als Beispiele für diesen Trend mögen China und Frankreich gelten. Nach China steigen die deutschen Exporte zwar mit zweistelligen Raten, jedoch deutlich langsamer als die Importe aus China. Auf Grund dieser hohen Wachstumsraten wird China im nächsten Jahr bereits Deutschlands drittwichtigster Importpartner werden. Bis 2010 wird es zum größten Lieferanten Deutschlands werden.  

Im Falle Frankreichs – noch Nummer 1 als Importmarkt – stellt sich dies umgekehrt dar. Hier steigen die deutschen Exporte schon lange schneller als die Importe aus Frankreich. Bei Importen von € 54 Milliarden wird Deutschland 2006 nach Prognose der AHK Güter im Werte von € 84 Milliarden exportieren.

Außenwirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

Deutschland ist wie kaum ein anderes Land auf offene Märkte angewiesen. Die enge Einbindung in die internationale Arbeitsteilung sichern Wohlstand und Arbeitsplätze. Dementsprechend wendet sich der DIHK deutlich gegen jede Art von Protektionismus. Die Bundesregierung ist in den nächsten Jahren verstärkt gefordert, einen Rückfall der EU in wachstumsfeindlichen Protektionismus zu verhindern.

Zu offenen Märkten und zum Wettbewerb gehört dabei auch die Einhaltung von Spielregeln. Für die innovative deutsche Exportwirtschaft ist der Schutz geistigen Eigentums ein wichtiger Faktor, besonders bei deren Engagement in Schwellenländern wie z. B. China. Die Durchsetzung des gewerblichen Rechtsschutzes hat in China nicht mit der Modernisierung und Internationalisierung der Wirtschaft Schritt gehalten. Der DIHK erwartet daher, dass die chinesische Politik sich engagierter als bisher dieses Problems annimmt und dadurch verlässlichere Spielregeln schafft.

Der DIHK begrüßt die Entscheidung der chinesischen Regierung, durch mehr Flexibilität in der Währungspolitik die globalen Ungleichgewichte zu verringern. Gleichwohl kann die erfolgte leichte Aufwertung des Renminbi nur ein erster Schritt sein.

Schließlich ist bei der Bewertung der die Weltwirtschaft und den Außenhandel beeinflussenden Ölpreise Augenmaß gefordert: Die Preise spiegeln  Engpässe bei Raffinerie- und Förderanlagen und die Erwartung  weiter steigender Ölnachfrage insbesondere in Asien wider. Die EU und Deutschland müssen geeignete Rahmenbedingungen für eine stärkere Diversifizierung der Energieträger und für eine weitere Verbesserung der Energieeffizienz setzen. Dies spricht für eine Steigerung der Forschungsförderung. Mit verstärkter Energieforschung müssen neue Energiequellen erschlossen und die Kosten alternativer Energiequellen gesenkt werden.

Zum Thema: Eine Grafik zur Entwicklung in den Jahren 2004, 2005 und 2006 finden Sie hier.