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Wirtschaftsforum: Mit "Haut und Haar" auf Afrika einlassen!

München/Nürnberg (25. Oktober 2004)

Rund 130 Teilnehmer aus Unternehmen und Institutionen haben am diesjährigen Wirtschaftsforum Afrika teilgenommen, das am 22. Oktober unter Federführung der Industrie- und Handelskammern Nürnberg und München und dem Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) stattgefunden hat. Ziel der vom bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Tagesveranstaltung in der IHK München war es, bayerische Unternehmer in Workshops, Fachvorträgen und Einzelgesprächen über Marktchancen auf dem afrikanischen Kontinent zu informieren und ihnen neue Perspektiven für Auslandsgeschäfte zu eröffnen.

 „Das Wirtschaftsforum Afrika fand insgesamt zum zweiten Mal statt und konnte in diesem Jahr mehr Besucher als bei der Premiere 2003 verzeichnen“, sagte Projektleiter Rüdiger Busch vom AWZ. Der Erfolg der Wirtschaftsforums basiert auf der „guten Mischung“ zwischen Diskussionsrunden, Referaten und der Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit Experten, unter anderem von der Bundesagentur für Außenwirtschaft bfai, der Hypo- und Vereinsbank, dem Afrika-Verein, der Deutschen Entwicklung- und Investitionsgesellschaft und diversen in Afrika tätigen bayerischen Unternehmern. Auf Anregung von Besuchern des Afrikatags 2003 besuchte dieses Mal eine afrikanische Wirtschaftsdelegation aus Uganda sowie der Direktor der Investment Promotion Agency Kenias das Wirtschaftsforum. Damit konnten sich die Teilnehmer auch durch persönliche Gespräche mit den Delegierten Eindrücke über das „Doing Business“ in Uganda und Kenia verschaffen (siehe Bild!). Die Delegation aus Uganda wurde angeführt von Issac Musumba, Minister of State, Ministry of Finance, Planning and Economic Development. Somit konnte ein 'Ostafrika-Special' als Schwerpunkt amgeboten werden.

Auftakt: Der Außenhandel Bayerns mit Afrika

Im Grußwort skizzierte Georg Reichl, Ministerialrat im bayerischen Wirtschaftsministerium, das wirtschaftliche Verhältnis zwischen dem Freistaat und Afrika: 2,3 Prozent des bayerischen Außenhandels werden mit Afrika gemacht. 2,9 Prozent aller bayerischen Einfuhren stammen aus Afrika, 1,7 Prozent der bayerischen Güter werden nach Afrika geliefert. Davon macht Südafrika alleine 30 Prozent des Gesamtafrikanischen Handelsvolumens aus. An zweiter Stelle des Außenhandels mit Afrika steht Libyen, v.a. durch die Öl-Einfuhren nach Bayern. Immerhin sind mit Südafrika und Libyen zwei Länder Afrikas unter den Top 30 des bayerischen Außenhandels. Aber: Der bayerische Außenhandel mit Gesamtafrika ist noch immer kleiner als der mit Belgien.

Den Wirtschaftsstandort Afrika aus deutscher Sicht stellte Dr. Sabine Hepperle vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag Berlin vor: Nach ihren Worten habe Nigeria ein hohes Marktpotenzial, v.a. für Gebrauchsgüter und neuen Technologien, und weise gute Marktchancen durch makroökonomische Politikstabilität und Dynamik auf. Südafrika sei der wichtigste deutsche Handelspartner Afrikas mit ca. 4,9 Prozent Wachstum. Sabine Hepperle wies auch auf die Gründung des „East African Business Convent“ als Anlaufstelle mit strategischer Bedeutung hin.  Diese Einrichtung soll nach ihren Worten als Anlaufstelle für Ostafrika aufgebaut werden, da die deutsche Wirtschaft dort noch nicht im erhofften Maß präsent ist.

Einer der Höhepunkte: Erfahrungsberichte

Ein Höhepunkt des Wirtschaftsforums sind die Berichte von Firmeninhabern, die bereits ins Afrika unternehmerisch tätig sind: Den Auftakt der Erlebnisse machte Stefan Obser, von Burgmann Industries. Die Firma mit Sitz in Wolfratshausen produziert Dichtungssysteme vor allem für Pumpen, die für Wasser- und Erdölförderanlagen genutzt werden. Oberster Grundsatz für die Bearbeitung des afrikanischen Marktes sei die Voraussetzung, sich mit „Haut und Haar“ auf das Land einzulassen. Bemerkenswert sei die extrem gut ausgebildete Industrie mit viel deutschem Equipment. Nachteil: Das Equipment muss gewartet werden, doch ein Wartungsservice ist im Land immer noch nicht verfügbar.

Um Geschäfte zu tätigen und Beziehungen auf dem afrikanischen Kontinent aufzubauen sei es wichtig, „ein Gesicht vor Ort zu haben, dem man vertrauen kann“, so Obser. Ein Auftreten mit Anzug und Krawatte sei für Geschäftsverbindungen unwichtig, wichtiger ist es, „selbst Hand anzulegen und sich die Hände schmutzig zu machen, um Probleme zu lösen und Maschinen wieder zum Laufen zu bringen“. Das  schaffe Vertrauen und zeige Kompetenz. Burgmann Industries haben in Afrika einen Umsatz von zwei Millionen Euro. Eine neue Welle aus den Ländern Ägypten und Marokko lasse weitere lukrative Aufträge erhoffen.

Volker Kuhn von den Kathrein-Werken (Mobilfunknetz und Sattelitenanlagen, Rosenheim) berichtete von seiner Unternehmensphilosophie, nur einheimisches Personal in den Auslandsniederlassungen einzustellen. Afrika wurde nicht als strategischer Markt bearbeitet und konzeptionell erschlossen, vielmehr resultiere das Engagement von Kathrein darauf, dass der Markt nach neuen  Kommunikationsmitteln gerufen habe. Südafrika sei dabei sehr vorteilhaft, da es dort 52.000 deutschsprachige Haushalte gäbe. In Nigeria werde der Begriff „Made in Germany“ hoch gehandelt und die deutsche Ingenieurkraft hoch geschätzt. Problematisch sei die Sicherheitslage und die politische Stabilität. Geschäfte müssten generell abgesichert sein, dazu sei eine vertrauensvolle Bank notwendig.

„Angola ist ein sehr interessanter Markt, bei dem persönliche Kontakte die wichtigste Rolle spielen“, sagte Uli  Burkhardt von IMAG (München).  Ebenso wichtig ist die dauerhafte Präsenz am Markt. Geduld und Überzeugungsarbeit seien unentbehrliche Voraussetzungen um am Markt erfolgreich zu sein. „Portugiesisch als Landesprache ist ein Muss!“ Generell gilt, dass die wissenschaftlich vermittelten Marketingkonzepte in Angola nicht greifen und der Markt individuell über Persönlichkeiten bearbeitet werden muss.

Fazit

Nach diesen Erfahrungsaustausch rundeten parallel stattfindende Länder- und Fach-Workshops zu den Themen Libyen, Algerien, „How to do business in Africa“ und „Öffentliche Ausschreibungen“. Heiko Schwiderowski, Delegationsleiter der ugandischen Delegation, war sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Gespräche zwischen bayerischen Unternehmern und den Delegationsmitgliedern: „Geschäftsverbindungen konnten geknüpft werden und haben gute Aussicht auf Erfolg.'