Tunesiens Kfz-Sektor mit Potenzial

Tunesiens Kfz-Sektor mit Potenzial

Tunis (19.04.2017) Tunesien verfügt über eine für regionale Verhältnisse diversifizierte und entwickelte Kfz-Branche. Die Industrie kann auf einen großen Pool gut ausgebildeter Ingenieure mit niedrigen Einstellungskosten zurückgreifen und verfügt in weiten Bereichen über wettbewerbsfähige Produktionskosten. Die Kfz-Teile-Exporte konnten in den letzten Jahren zum Teil kräftig zulegen. Es gibt Expansionspotenzial in einigen Zukunftsbereichen des tunesischen Kfz-Sektors.

Die tunesischen Statistiken führen die Kfz-Branche kaum explizit auf. Sie fällt zum einen unter dem sogenannten Sektor mechanische Industrien und zum anderen zu den elektrischen und elektronischen Industrien. Die Kfz- und Kfz-Teileindustrie beschäftigt insgesamt rund 93.000 Menschen. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte bei rund 2,5% liegen. Von den 230 Unternehmen der Kfz-Industrie (offizielle Zahlen) sind rund 134 vor allem auf den Export ausgerichtet. Zu den dominierenden Zweigen gehören die Herstellung von Kabeln und Kabelbäumen. Gut vertreten sind die Produzenten elektronischer Komponenten (Verteiler, Stecker und Beleuchtung); auch gibt es Firmen für Innenausstattung (Sitze, Konsolen) und Hersteller von Antriebssystemen. Es gibt rund 105 ausländische Firmen in der Kfz-Industrie. Breit aufgestellt sind ebenso Unternehmen mit tunesischer Kapitalmehrheit.

Kfz-Teile-Exporte legen kräftig zu

Trotz Wirtschaftsschwäche im eigenen Land und eines verlangsamten Kfz-Absatzes in Europa konnten die Exporte der tunesischen Kfz-Teileindustrie seit dem Fall des Ben Ali-Regimes im Januar 2011 zum Teil kräftig zulegen. Zudem sind die ausländischen Direktinvestitionen in den für die Kfz-Industrie relevanten Bereichen gestiegenen. Bezeichnenderweise haben vor allem schon im Land angesiedelte Unternehmen die Investitionen getätigt. Vor allem die internationale Wahrnehmung Tunesiens als Krisenland schreckt Investoren, die noch nicht in Tunesien vertreten sind, ab.

Studie sieht Potenzial für Weiterentwicklung

Trotz Exporterfolge in den letzten Jahren, ist die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung nach 2010 am Kfz-Sektor nicht spurlos vorbei gegangen. Es wird sich demnach noch erweisen müssen, ob die Kfz-Branche an die hohe Dynamik bis 2010 wird anknüpfen können. Insgesamt wird eine erfolgreiche Entwicklung der Kfz-Zulieferung von folgenden Faktoren abhängen: Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen, anhaltende politische Stabilität, eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage und Exportstrategien für den Kfz-Sektor.

Positiv anzumerken ist in diesem Zusammenhang das hohe Potenzial der tunesischen Kfz-Branche, wie eine jüngst abgeschlossene Studie "Growing Tunisia`s Automotiv Industry" (Februar 2017) feststellt. Das von der AHK Tunesien (Deutsch-Tunesische Industrie und Handelskammer) beauftragte Beratungsunternehmen PM & Partner Marketing Consulting (PM & P) kommt zu dem positiven Schluss, dass Tunesiens wettbewerbsfähige Ausrichtung auf die Segmente Elektrik, Elektronik, Innenausstattung und Nutzfahrzeuge für die zentralen Wachstumsbereiche einer zukünftigen Kfz-Teile-Zulieferung genutzt werden kann. Dabei können die Zukunftstrends im Automobilsektor schlagwortartig mit den Themen Elektroauto, Connectivity, autonomen Fahren und Leichtbau umschreiben werden.

Auf Basis Ihrer Erkenntnisse empfiehlt die PM & P die Entwicklung sogenannter Cluster in den Bereichen Elektrik, Elektronik, Nutzfahrzeuge und Innenausbau/Module. Als eine wichtige Unterstützung für den Ausbau einer Kfz-Zulieferung könnte sich PM & P zufolge die Ansiedlung eines Kfz-Fabrikanten erweisen. Hierzu müsste allerdings ein Tiefseehafen gebaut werden und eine dazu gehörende Wirtschaftszone entstehen. Kaum berücksichtigt sind in der Studie das hohe IKT-Potenzial Tunesiens und Möglichkeiten dieses für den Kfz-Sektor zu nutzen. Wichtigstes Plus des IT-Sektors ist die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Entwickler bei wettbewerbsfähigen Lohnkosten.

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