Ostafrikas Wirtschaft wächst 2016 überdurchschnittlich

Ostafrikas Wirtschaft wächst 2016 überdurchschnittlich

Nairobi (05.02.2016) Die äthiopische Wirtschaft wird 2016 um 10,2% wachsen, sagt die Weltbank, mehr als jedes andere Land südlich der Sahara. Insgesamt kann sich die wirtschaftliche Entwicklung in Ostafrika 2016 sehen lassen, während der Durchschnitt in Subsahara-Afrika lediglich bei moderaten 4,2% liegen wird, so die Prognose. Andere Regionen der Welt können mit deutlich höheren Wachstumsraten aufwarten, wie Südasien (7,3%), Ostasien/Pazifik (6,3%) sowie der Nahe und Mittlere Osten (5,1%).

Das Wirtschaftswachstum in Subsahara-Afrika verlangsamte sich 2015 auf 3,4%, sagt die Weltbank, im Vergleich zu noch 4,6% im Jahr zuvor. Verantwortlich macht die Bank dafür externe Faktoren wie gesunkene Rohstoffpreise, verlangsamtes Wachstum bei wichtigen Handelspartnern und erschwerte Kreditaufnahme, aber auch interne Negativfaktoren wie die politische Instabilität sowie ein Mangel an Strom. Im neuen Jahr könnte das Wachstum dank sich stabilisierender Rohstoffpreise wieder auf 4,2% anziehen, sagt die Weltbank.

Aber die notorisch optimistische Bretton-Woods-Institution verschweigt nicht die weiter bestehenden Risiken: Politische Unsicherheiten umgeben anstehende Wahlen, islamistische Terrorgruppen treiben weiter ihr Unwesen und die Stromversorgung bleibt mangelhaft. Und ob sich die Rohstoffpreise 2016 tatsächlich stabilisieren, bleibt abzuwarten - ein weiterer Verfall ist ebenso denkbar. Eine fortgesetzte ökonomische Verlangsamung in der VR China dürfte auch Afrika treffen, ebenso eine Normalisierung der US-amerikanischen Geldpolitik. Sehr hoch sind die Risiken für Länder, die außer Rohstoffen nicht viel zu bieten haben - oft sind das auch die ärmsten Länder.

Infrastrukturinvestitionen beflügeln äthiopisches Wachstum

Am optimistischsten beurteilt die Weltbank Äthiopien, dessen Wirtschaft im laufenden Finanzjahr (8.7.15 bis 7.7.16) um 10,2% wachsen soll und in den beiden Folgejahren noch einmal um jeweils 9,0% - so viel wie kein anderes Land in Subsahara-Afrika. Dies verdankt Äthiopien Infrastrukturprojekten, Bergbau und einem höheren Privatkonsum. Gleichzeitig profitiert Äthiopien als Importeur von den gesunkenen Ölpreisen, aber auch einer stärkeren Landwirtschaft, steigenden öffentlichen Investitionen sowie einem boomenden verarbeitenden Gewerbe und Bausektor. Ausländische Direktinvestitionen sprudeln und vermindern die Abhängigkeit von Krediten und Gebern. Ein weiterer Schub steht bevor, wenn die riesigen Kraftwerksprojekte ans Netz gehen und nicht nur den Strommangel beseitigen, sondern Äthiopien auch Strom exportieren kann.

Der Optimismus in Bezug auf Äthiopien wird allerdings nicht von allen geteilt. Die britische Economist Intelligence Unit (EIU) hält die Erwartungen für übertrieben. 6,3% seien für 2015/16 eine wahrscheinlichere Größe, heißt es. Im Subsahara-Afrika-Vergleich können sich solche Zuwachsraten dennoch sehen lassen, in den nächsten Jahren ist sogar mehr drin.

Ruanda bleibt ökonomisch in der Spur

Ruandas Wirtschaft dürfte im Kalenderjahr 2016 laut Weltbank um 7,6% zulegen. Wie Äthiopien profitiert das Land von Infrastruktur- und Bergbauvorhaben, einem höheren Konsum, den gesunkenen Ölpreisen und künftig von einer besseren Stromversorgung. Anders als Äthiopien kann der winzige Binnenstaat aber kaum Direktinvestitionen anziehen, sondern bleibt von internationalen Gebern abhängig.

Die EIU stimmt bei Ruanda der Weltbank zu: Die Landwirtschaft profitiert von Investitionen und wird wetterunabhängiger und kommerzieller gemacht. Hinzu kommen steigende Preise für Tee- und Kaffee, Ruandas wichtigste landwirtschaftliche Exporterzeugnisse. Die Industrie hat es dagegen schwer, sich regional - vor allem gegenüber Kenia - zu behaupten. Hinzu kommen eine schlechte und teure Stromversorgung sowie die exorbitanten Transportpreise auf den Korridoren von Mombasa und Daressalam nach Ruanda. Mit der Inbetriebnahme neuer Kraftwerke sowie einem Stromimport aus Kenia sollte sich die Versorgung verbessern. Negativ wirken sich derweil ein Rückgang internationaler Gebergelder aus, welcher den Spielraum öffentlicher Investitionen einengt.

Tansania beflügelt wirtschaftspolitische Fantasien

Tansania kommt mit einem antizipierten Wachstum von 7,2% an dritter Stelle in Ostafrika, ist nach Ansicht von Beobachtern aber angesichts seines großen Potenzials die Nummer zwei nach Äthiopien, auch wenn Kenia die größte Volkswirtschaft in Ostafrika darstellt. Das größte Potenzial sind die Gaslagerstätten, die, wenn sie einmal ausgebeutet werden, Tansania nach vorne puschen dürften. Die Entscheidungen über Investitionen von etwa 15 Mrd. $ sind noch nicht getroffen. Wie auch Äthiopien hat Tansania zudem riesiges landwirtschaftliches Potenzial. Und: Tansania hat eine neue, sich bislang reformorientiert gebende Regierung, die mit Elan ans Werk geht und Missstände wie die auch in Tansania viel zu hohe Korruption angehen will.

Die Weltbank sieht Infrastruktur, Bergbau und Konsum als Motoren des Wachstums in Tansania. Das Land kann von nennenswerten ausländischen Direktinvestitionen profitieren. Dies erhöht den Spielraum für eigene Investitionen des Staates erheblich. Die EIU teilt den Optimismus der Weltbank und unterstreicht die Beiträge von Bauwirtschaft, Telekommunikation und Finanzsektor. Eine von geringem Niveau expandierende Industrie verarbeitet zunehmend lokale Rohstoffe und Erzeugnisse weiter. Die Landwirtschaft bleibt die Stütze der Wirtschaft, ist aber von geringer Produktivität und hoher Wetterabhängigkeit geprägt. Das zweite Zukunftsthema ist neben der Gasförderung die Entwicklung der Häfen. In das Management des größten Hafens, Daressalam, ist Bewegung gekommen. Die neue Regierung will den Hafen ausbauen und auf Vordermann bringen, bevor das von der Vorgängerregierung favorisierte Bagamoyo-Hafenprojekt angegangen wird.

Vielversprechende Entwicklungen in Osteuropa

In Ostafrika entwickeln sich vor allem Äthiopien und Tansania vielversprechend, was sich in positiven deutschen Exportsteigerungen (Äthiopien 2014: +37%; Tansania: +19%) bemerkbar macht. Kenia bleibt ein im afrikanischen Maßstab guter Kunde, der aber mit der Dynamik der beiden Nachbarn derzeit nicht mithalten kann. Alle anderen ostafrikanischen Staaten haben nur ein relativ geringes Potenzial. Dennoch: Selbst in gescheiterten Staaten wie Südsudan, Somalia oder Burundi gibt es finanzkräftige Kunden, die eine deutsche Maschine schätzen und sie auch bezahlen können.

(Quelle: gtai)