Namibias Bergbau erwartet Anstieg der Rohstoffpreise

Namibias Bergbau erwartet Anstieg der Rohstoffpreise

Windhoek (26.11.2015) Namibias Bergbau investierte 2014 rund 1,53 Mrd. US$. Ein Großteil davon entfiel auf den Bau der Husab-Mine, die 2016 als zweitgrößte Uranmine der Welt fertiggestellt wird. Weitere Uranprojekte stehen in den Startlöchern, um von dem künftig erhofften Nachfrageschub zu profitieren. Der Offshore-Bergbau erwartet eine steigende Förderung von Diamanten und Phosphat. Auch Vorhaben für Zink, Kupfer, Gold und Eisenerz bieten Chancen für Zulieferer.

Für internationale Bergbaukonzerne steht Namibia als Investitionsstandort hoch im Kurs: Im aktuellen "Annual Survey of Mining Companies 2014" des kanadischen Fraser Institute wurde das Land zum attraktivsten Bergbaustandort Afrikas gewählt. Chancenreiche mineralische Lagerstätten und ein investorenfreundliches Umfeld sorgen dafür, dass auch in Zeiten schwacher Weltmarktpreise für Rohstoffe zahlreiche Minenprojekte in der Planung sind. Insbesondere im Uranbergbau bringen sich die Gesellschaften in Stellung, um bei dem mittelfristig erwarteten Anstieg des Uranpreises schnell in die Ausführungsphase gehen zu können.

Dies gilt allen voran für die Forsys Metals Corporation mit dem Norasa Uranium Project. "Norasa ist eines der wenigen Uranprojekte weltweit, das über eine Minenlizenz verfügt und startklar für den Bau ist", erklärte CEO Marcel Hilmer in der namibischen Presse. Für Norasa wurde aus den ehemals eigenständigen Projekten Valencia und Namibplaas ein Großvorhaben geschaffen, das der Machbarkeitsstudie zufolge über ein Vorkommen von rund 91 Mio. Pound (lb; etwa 41 Mio. kg; 1 lb = circa 0,454 kg) Uranoxid verfügt.

Geplant sind zwei große Tagebaugruben sowie eine kleinere. Für die Mine mit einer Jahresproduktion von 5,3 Mio. lb werden 24 Monate Bauzeit und eine Investitionssumme von annähernd 430 Mio. US$ veranschlagt.

Etwa 870 Mio. US$ will Bannerman Resources in das Etango Uranium Project investieren. Im konventionellen Tagebau sollen dort pro Jahr 6 Mio. bis 9 Mio. lb gefördert werden. Auch Etango befindet sich mit einer fertigen Machbarkeitsstudie und Demonstrationsanlage (Haufenlaugung) in der fortgeschrittenen Planungsphase.

Beide Projekte setzen auf steigende Urannachfrage insbesondere aus Ländern mit umfangreichen Atomprogrammen, wie die VR China, Indien oder der Nachbarstaat Südafrika. Auch die World Nuclear Association (WNA) zeigt sich optimistisch und erwartet einen Anstieg der weltweiten atomaren Erzeugungskraft von 379 GW (2015) auf 552 GW (2035). Branchenkenner in Namibia sind jedoch der Ansicht, der Uranpreis müsse auf 65 bis 70 US$/lb steigen, bevor die Minengesellschaften ihre Investitionsentscheidungen treffen würden. Von Januar bis Oktober 2015 bewegte sich der Preis für Uran lediglich zwischen 35 und 40 US$/lb.

Sollte der Uranpreis jedoch im erforderlichen Maße anziehen, dürften die bestehenden Uranminen Langer Heinrich und Rössing ebenfalls Ausbaupläne aus der Schublade holen. So arbeitet die mehrheitlich zu Paladin Energy gehörende Mine Langer Heinrich an Studien für die geplante Ausbaustufe 4, die ab 2017/18 starten könnte. Neben der Erhöhung der derzeitigen Kapazität von 5,2 Mio. lb pro Jahr soll die Lebenszeit der Förderstätte um 20 Jahre verlängert werden.

Auch die Rössing-Mine (Rio Tinto) will mit der Erschließung des aussichtsreichen Z20 Vorkommens ihre Betriebszeit bis 2040 ausdehnen. Die Erschließung soll über einen benachbarten Tagebau erfolgen. Die kurz vor Produktionsbeginn eingemottete Trekkopje-Mine von Areva soll bei steigenden Preisen ebenfalls in Betrieb gehen.

Mit diesen Vorhaben und der Husab-Mine dürfte Namibia zum weltweit zweitgrößten Uranproduzenten nach Kasachstan aufsteigen. Weitere Uranprojekte werden von den Gesellschaften Deep Yellow (Omahola, Tubas Sand), Zhonghe Resources und Marenica Energy vorangetrieben.

Diamanten und Phosphor lagern im Meeresgrund

Die Diamantenförderung ist die zweite große Säule des namibischen Bergbaus. Beherrscht wird der Sektor von Namdeb, einem 50:50-Joint Venture zwischen De Beers und dem Staat Namibia. Von den rund 1,8 Mio. Karat, die 2014 produziert wurden, stammen etwa zwei Drittel aus der Offshore-Förderung. Bislang erfolgt die Förderung vom flachen Meeresboden in 90 bis 120 m Tiefe. Künftig soll sich der Fokus jedoch mehr in Richtung Festland verlagern.

In den Mid-Waters der ehemaligen Flussmündung des Orange Rivers lagern hochqualitative Vorkommen von rund 80 Mio. Karat. Diese will Namdeb im Rahmen des "Project 2050" an die Oberfläche holen, allerdings ist die Technologie für den felsigen und durch Furchen geprägten Grund noch nicht vorhanden. "Zur Erschließung der Mid-Water Gebiete werden wir in den kommenden Jahren kontinuierlich in Innovation und neue Technologien investieren", erklärte Namdeb Sprecherin Pauline Thomas. Derzeit agiert Namdeb mit einer Flotte von sechs Schiffen. Ein in Norwegen gebautes zusätzliches Explorationsboot soll 2017 hinzukommen.

Ob künftig auch Phosphat aus dem Meer gefördert werden kann, ist weiter fraglich. Die Vorhaben von LL Namibia Phosphates und Namibian Marine Phosphate wurden durch ein 2013 verhängtes Moratorium gestoppt, da die Auswirkungen auf die für Namibia sehr wichtige Fischerei unklar sind. Offiziell ist das Moratorium im März 2015 ausgelaufen, dürfte sich aber bis zur Fertigstellung umfassender Gutachten verlängern.

LL Namibia Phosphates will rund 800 Mio. US$ in eine Düngemittelfabrik in Lüderitz investieren. Mit der Planung der Anlage zur Verarbeitung von rund 2 Mio. t Phosphat pro Jahr werden die Unternehmen Outotec und Ecophos in Verbindung gebracht. Namibian Marine Phosphate will für sein Sandpiper-Projekt rund 326 Mio. US$ in die Hand nehmen. Selbst wenn sich der Abbau vom Meeresboden als nicht umweltverträglich erweisen sollte, könnte Namibia Phosphat fördern: Kimo Mineral Resources erforscht die Lagerstätte Kameelburg bei Kalkfeld mit vermuteten Reserven von 170 Mio. t.

Projekte für Zink, Kupfer und Gold in der Pipeline

Die Lebenszeit der beiden großen, benachbarten Zinkminen Skorpion (Vedanta Resources) und Rosh Pinah (Glencore) geht zu Ende. Die Zukunft liegt in der Erschließung des im Gemeinschaftsbesitz befindlichen Gergarub Vorkommens. Da Gergarub in direkter Nähe der bestehenden Minen liegt, könnte vorhandene Infrastruktur genutzt werden. Vedanta und Glencore beharken sich jedoch in einem Rechtsstreit über die Auslegung der Joint Venture-Verträge, die noch von den Voreignern Anglo American und Exxaro geschlossen wurden.

Zumindest das Fortbestehen der Skorpion-Zinkraffinerie ist bereits gesichert. Diese wird umgerüstet, um künftig neben dem in Namibia abgebauten Zinkoxid auch Zinksulfat aus der in Südafrika entstehenden Gamsberg-Mine verarbeiten zu können.

Hinweis: Der Text wurde gekürzt. In der Vollversion erhalten Sie zusätzlich Informationen zu Projekten im Gold-, Kupfer- und Eisenbergbau.

Heiko Stumpf

afrikanahost@gtai.de