Ausbau des Stromsektors in Nigeria

Ausbau des Stromsektors in Nigeria

Lagos (27.8.2015) - Die Bereitstellung von mehr Strom ist eine der wichtigsten Aufgaben für Nigerias neuen Präsident Buhari. Das Potenzial für Investitionen in diesem Sektor wird seit vielen Jahren als sehr hoch eingeschätzt. Privates Kapital fließt jedoch erst jetzt in neue Kraftwerke. Im Bereich Erneuerbare Energien werden noch im laufenden Jahr Ausschreibungen erwartet.

Die seit 2012 in die Wege geleitete Privatisierung und Liberalisierung des Stromsektors erleichtert private Investitionen, ist aber bei weitem noch nicht abgeschlossen. Noch immer ist der staatliche Einfluss groß. Nigerias Stromsektor ist überreif für Großinvestitionen. Wie umfangreich der Nachholbedarf ist, verdeutlichen die Zahlen: Die größte Volkswirtschaft Afrikas verfügt Mitte 2015 in etwa über eine installierte Kapazität von 13.300 Megawatt (MW). Davon sind jedoch nur 6.100 MW betriebsbereit. Über den tatsächlichen Energiebedarf in dem 180-Millionen-Einwohner-Land kann man nur mutmaßen. Die Zahlen gehen von sehr konservativ geschätzten 12.800 MW (seitens der Regierung) bis hin zu 100.000 MW. Selbst ein extrem armes Land wie Bangladesch mit einer Einwohnerzahl von etwa 150 Millionen verfügt mit 10.000 MW über die doppelte Kapazität wie Nigeria.

Nigerianisch-deutsche Energiepartnerschaft

Obwohl die Stromknappheit kein neues Problem ist, mangelt es seit vielen Jahren an Investitionen im Stromsektor. Seit 2012 verfolgt der Staat ein äußerst ambitioniertes Privatisierungsmodell des Sektors. 2013 wurde das staatliche Monopol Power Holding Company of Nigeria (PHCN) aufgelöst. Aus den Hinterlassenschaften der PHCN sind sechs Kraftwerke (GenCos) sowie elf Distributionsnetze in den Großstädten (DisCos) entstanden und größtenteils von privaten Betreibern mit zumeist ausländischer Beteiligung übernommen worden. Ein deutscher Betreiber ist nicht dabei. Das Übertragungsnetz bleibt vorerst in den Händen der staatlichen Transmission Company of Nigeria (TCN). Die TCN wird aber in einer dreijährigen Konzession von der kanadischen Manitoba gemanagt und auf die Privatisierung vorbereitet. Parallel dazu wurde der ebenfalls unter staatlicher Kontrolle stehende Nigerian Bulk Electricity Trading (NBET) Trader installiert, der den Strom von den GenCos aufkauft und ihn dann an diejenigen DisCos weiterverkauft, die noch nicht kommerziell arbeiten. Die DisCos mit Kaufkraft, wie in Lagos oder Abuja, können den Strom direkt von den GenCos beziehen.

Irgendwann sollen alle GenCos mit DisCos direkt über Abnahmeverträge verhandeln. Davon ist man jedoch noch weit entfernt. Viele privatisierte DisCos sind marode und arbeiten nach wie vor ineffizient. Nur schrittweise sollen daher Marktmechanismen eingeführt werden. Zahlungskräftigere DisCos wie in Lagos versuchen hingegen verzweifelt an mehr Strom zu kommen, den sie für gutes Geld an ihre Kunden verkaufen könnten. So vergibt die Lagos Eko Electricity Distribution Company (EKEDC) Lizenzen für neue private Kraftwerksbetreiber.

Der Bedarf an weiteren Kraftwerken bleibt hoch. Insbesondere im Süden des Landes, wo auch das Übertragungsnetz vergleichsweise gut ausgebaut ist, dürfte es in den nächsten Jahren zu zahlreichen weiteren Kraftwerksprojekten kommen. Dabei dürfte Gas als Energieträger die größte Rolle spielen. Für deutsche Unternehmen, die sich an Projekten in Nigeria beteiligen möchten und politische Flankierung benötigen, bietet unter Umständen die Nigerianisch-Deutsche Energiepartnerschaft, die 2007 ins Leben gerufen wurde, eine geeignete Plattform.

Ländliche Elektrifizierung soll vorangetrieben werden

Werden derzeit nur etwa 40 bis 50 Prozent der Nigerianer mit Strom versorgt, sollen es bis 2020 nach dem Willen der Regierung 75 Prozent sein. Dabei sollen vor allem dezentrale Lösungen zum Zuge kommen. In deren Rahmen könnten private Investoren in kleinere Kraftwerke investieren und diese betreiben. Was angesichts der hohen Nachfrage nach einem Selbstgänger aussieht, wird bislang jedoch kaum praktiziert. Das Problem ist der Investorenschutz: Investoren brauchen Planungssicherheit für 15 bis 20 Jahre - gerade in Nigeria äußerst problematisch. Derzeit befindet sich ein derartiger regulativer Rahmen, der die Investoren schützen soll, in Arbeit.

In Nigeria stehen stattdessen hunderttausende von Dieselgeneratoren, die den teuersten Strom von allen zur Verfügung stehenden Alternativen produzieren. Jedes Unternehmen, jeder wohlhabende Haushalt und sämtliche Regierungsgebäude sind an Generatoren angeschlossen. Anders als zum Beispiel in Ghana sind diese kein Notfall-Backup, sondern der Grundversorger mit Strom.

Hybridlösungen, bei denen man zwischen Solar- und Dieselstrom hin- und herschalten kann, können bei hohen Dieselpreisen Kosten sparen. Zum Einsatz kommen sie bislang jedoch kaum. Gleiches gilt für eine mögliche Kosteneinsparung durch Energieeffizienz. Weder Haushalte noch die Industrie sind bislang wirklich offen für derartige Maßnahmen. Angesichts der Probleme bei der Stromversorgung könnte sich dies aber schon bald ändern.

Erneuerbare Energien: Ausschreibung nach südafrikanischem Modell vorgesehen

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, auch erneuerbare Energien zum Zuge kommen zu lassen. Dabei will sie auf die Einführung von Einspeisetarifen verzichten und sich vielmehr am südafrikanischen Modell orientieren, das Ausschreibungen vorsieht, bei denen das beste Angebot den Zuschlag erhält. Gleichwohl soll die Ausschreibung Obergrenzen für die Preise je Kilowattstunde enthalten. Auch wird im Ausschreibungstext die vorgesehene Megawattzahl sowie weitere Spezifizierungen enthalten sein.

Laut Angaben des Energieexperten der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), Daniel Werner, eignet sich fast ausschließlich Photovoltaik in Nigeria. Concentrated Solar Power (CSP) verfügt nur über geringes Potenzial, weil die von Dezember bis März andauernde Harmattan-Saison den Himmel deutlich eintrübt. Der Harmattan ist ein aus der Sahara kommender Staubwind. Für weitere erneuerbare Energieträger scheint Nigeria kaum geeignet. Dazu zählt neben Wind- auch Wasserkraft. Durch die höchst unterschiedliche Wasserführung der meisten Flüsse ist für kleine Wasserkraftwerke das optimale Umfeld nicht gegeben. Potenzial besteht dagegen bei Biomasse: Auf einer Müllhalde von Lagos wurde bereits ein derartiges Kraftwerk für 24 MW installiert.

Die besten Bedingungen für Photovoltaik finden sich im trockenen Norden des Landes. Dort jedoch sind die Netze für die Einspeisung am schlechtesten ausgebaut. Mit Unterstützung der GIZ wird gerade übergeprüft, wie viel Megawatt überhaupt ins Netz eingespeist werden können. Mit der ersten Ausschreibungsrunde für erneuerbare Energien wird noch 2015 gerechnet. Sie könnte 500 bis 1.000 MW umfassen. Veröffentlicht werden wird sie von NBET, der für den Stromhandel und damit auch die die Stromabnahmeverträge zuständig ist. Dabei soll es verschiedene Runden geben, weil sich NBET erst einmal einen Eindruck vom Markt verschaffen möchte, bevor es die konkreten Ausschreibungen formuliert. In einer ersten Runde soll es einen Request for Information geben, bei dem Unternehmen unverbindlich Angaben zu geplanten Projekten einreichen können. Danach sollen sie in einer Expression of Interest ihr Interesse bekunden und schließlich in einem Request for Proposal ihr Angebot abgeben.

Hier gelangen Sie zur vollständigen Meldung inklusive Kontaktadressen.

(Quelle: GTAI)