Angolas Landtechnikmarkt eröffnet Chancen

Angolas Landtechnikmarkt eröffnet Chancen

Luanda (2.6.2015) - In Angola befindet sich der Landmaschinenmarkt noch im Anfangsstadium. Umso größer ist das Potenzial für die Zukunft. Die landwirtschaftliche Produktion soll kräftig steigen, denn trotz guter Bedingungen muss Angola seine Lebensmittel großteils importieren. Staatliche Programme und vermehrtes Engagement privater Investoren werden den Absatz von Landtechnik in Gang bringen. Gefragt ist einfache und robuste Technik, die eingesetzten Arbeitsbreiten werden aber steigen.

Angolas Markt für Landtechnik ist ein großes Versprechen für die Zukunft. Der Staat im südlichen Afrika ist flächenmäßig fast dreimal so groß wie Deutschland. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche wird mit fast 59 Millionen Hektar angegeben. Rund 35 Millionen Hektar eignen sich potenziell für den Ackerbau, wovon zurzeit nur 16 Prozent genutzt werden. Hinzu kommen große Süßwasservorkommen, sodass nach Aussage von José Amaro Tati, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, etwa 7,5 Millionen Hektar Ackerland bewässert werden können.

Noch zu Zeiten der portugiesischen Kolonialherrschaft galt Angola als eine Kornkammer, die nicht nur sich selbst versorgte, sondern auch ein großer Agrarexporteur war. Ein 27jähriger Bürgerkrieg (1975 bis 2002) zerstörte jedoch die landwirtschaftliche Infrastruktur. Getrieben durch die Erdölförderung nahm Angola in den letzten Jahren zwar einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, viele der verdienten Petrodollars müssen heute jedoch für die Einfuhr von Lebensmitteln ausgegeben werden.

Mit breit angelegten Programmen und der Hilfe privater Investoren will Angola sein landwirtschaftliches Potenzial dazu nutzen, den Nahrungsmittelbedarf der knapp 23 Millionen Einwohner wieder selbst decken zu können. Nach Prognosen von Economist Intelligence Unit (EIU) wird der Landwirtschaftssektor des Landes in den kommenden Jahren kontinuierlich um 5 bis 6 Prozent wachsen.

 

Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Anbieter

Der angestrebte Ausbau und die beabsichtigte Professionalisierung der Landwirtschaft, zusammen mit dem großen Flächenpotenzial, eröffnen einen interessanten Markt für deutsche Landtechnik. Im März 2015 erkundeten neun deutsche Unternehmen im Rahmen einer von der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika in Zusammenarbeit mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Angola durchgeführten Reise die Geschäftschancen.

Ältere Studien zeigen, dass in Angola noch rund 70 Prozent der Bodenbearbeitung per Hand vorgenommen werden, der verbleibende Anteil größtenteils mit Ochsengespannen. Für die Zukunft hegt Mecanagro, die staatliche Gesellschaft zur Mechanisierung der Landwirtschaft, aber ehrgeizige Ziele. Während 2014 rund 30.000 Hektar durch die verschiedenen Programme maschinell bearbeitet wurden, sollen dies dem neuen Strategieplan zufolge bis 2017 annähernd 350.000 Hektar sein. Auch falls eine volle Umsetzung nicht gelingen sollte, dürfte diese Zielsetzung den Absatz von Traktoren anregen.

Zahl kommerzieller Farmer steigt an

Neben den staatlichen Kunden ist die Zahl der kommerziellen Farmer noch gering. Eine Zielgruppe sind mittlere Farmer, die in der Regel 50 bis 70 Hektar, manchmal auch 100 Hektar bearbeiten. Diese kaufen in erster Linie kleineres Gerät. Auf dem Gelände des John Deere-Händlers in Luanda stehen deshalb vor allem Traktoren im Bereich 55 bis 80 PS. Daneben gibt es einige - örtliche Branchenkenner schätzen fünf bis zehn - private Großfarmen. Solche Betriebe erreichen eine Größe von mehreren tausend Hektar.

Die Zahl kommerzieller Farmer dürfte in den kommenden Jahren aber deutlich wachsen und dem Absatz von Landtechnik einen Schub verleihen. Örtliche Händler hoffen sogar auf einige Boomjahre mit bis zu 12.000 verkauften Traktoren pro Jahr. Um das Ziel der Selbstversorgung zu erreichen, bräuchte Angola mindestens 300 neue kommerzielle Farmen mit je 2.000 Hektar, sagt ein Maschinenhändler in Luanda. Gleichzeitig soll das Exportgeschäft, insbesondere mit tropischen Anbausorten, wieder angekurbelt werden, um die Wirtschaft aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien.

"Eine Vielzahl an Projekten ist bereits in Planung, sodass der Markt für Ausrüstung schon in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich wachsen wird", so Joao Alberto Macedo von Agrolider. Das Unternehmen gehört zu den bedeutendsten Agrarfirmen in Angola mit insgesamt drei Farmen. Die größte liegt mit 6.000 Hektar Fläche bei Quibala (Provinz Cuanza Sul).

Auch Weiterverarbeitung soll ausgebaut werden

Die Regierung wirbt zusätzlich um Investoren für große agro-industrielle Parks, in denen nicht nur Feldanbau, sondern auch eine weiterverarbeitende Wertschöpfungskette entstehen soll. In der Provinz Malanje befindet sich der Agro-Industrial Complex Capanda mit einer zur Verfügung stehenden Anbaufläche von etwa 290.000 Hektar. Insgesamt dürften bereits rund 18 Konzessionen vergeben worden sein.

´Wie überall in Afrika gilt in Bezug auf die Technik auch in Angola das Credo "so einfach wie möglich und keine Elektronik", erklärt Joaquim Vieira vom John Deere-Händler LonAgro. Die Geräte müssen schwierige Bedingungen und schlechte Dieselqualität aushalten. Für alle Händler bestehen große Schwierigkeiten, einen After-Sales-Service anzubieten.

Zukunftspotentail für deutsche Anbieter

Die Händlerstrukturen befinden sich erst in der Aufbauphase und dürften sich in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Einer der größten Händler für Anbaugeräte ist Agrozootec. "Unser Sortiment ist derzeit mit den portugiesischen und italienischen Marken, wie Joper Tomix und Maschio Gaspardo, komplett ausgefüllt", erklärt Unternehmensvertreter José Alexandre Silva. Nachgefragt wird vor allem kleines Gerät.

"Für deutsche Hersteller bestehen aber Zukunftspotenziale", so Silva. "Mit der einsetzenden Professionalisierung in der angolanischen Landwirtschaft dürften verstärkt Geräte mit größeren Arbeitsbreiten eingesetzt werden, wobei deutsche Anbieter mit Effizienz und Qualität punkten können".

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(Quelle: GTAI)