Viel Platz für deutsche Investoren in Nigeria

Viel Platz für deutsche Investoren in Nigeria

Accra (16.7.2015) - Der Terror von Boko Haram und das Image eines schwierigen Marktes verdecken, wie lukrativ Nigeria für ausländische Firmen sein kann - gerade nach dem geordneten Machtwechsel. Das Land bietet ein riesiges Potential bei Konsumgütern und die neue Regierung sorgt für Aufbruchsstimmung.

"Ihr Deutschen seid dafür bekannt, dass ihr bei uns immer nur eure Produkte verkaufen wollt. Wir aber brauchen Investitionen. Ein Bekenntnis zu Nigeria sieht anders aus", sagte Ende April 2015 der Leiter des Wasserversorgungsunternehmens von Lagos, nachdem Teilnehmer einer deutschen Wirtschaftsdelegation ihre zumeist technischen Komponenten gepriesen hatten. Damit brachte er das Verhalten deutscher Firmen in Nigeria auf den Punkt: Handel ja, Investitionen nein. Ein Teilnehmer aus Deutschland stimmte den kritischen Worten zu: "Uns fehlen in der Tat deutsche Unternehmen, die Konzessionen erwerben, zum Beispiel für den Betrieb eines Wassernetzes. Solche Unternehmen würden auch vertraute Komponenten aus Deutschland kaufen."

Bislang treten deutsche Unternehmen fast ausschließlich als Zulieferer in Nigeria auf. Unternehmen etwa aus dem Vereinigten Königreich, aus Frankreich, den USA oder Südafrika investieren dagegen sehr erfolgreich. Sie betreiben Supermärkte, Mobilfunknetze, Kraftwerke, Ölplattformen oder Nahrungsmittelfabriken. Eine Ausnahme von deutscher Seite ist die von Rocket Internet finanzierte E-Commerce-Plattform Jumia.

Dass Geschäfte in Nigeria schwierig und mit hohen Risiken behaftet sind, ist bekannt. Allerdings gilt das Land mit seinen etwa 180 Millionen Einwohnern auch als einer der potenzialreichsten Märkte weltweit. Gerade nach der friedlichen Regierungsübergabe an den neuen Präsidenten Muhammadu Buhari ist die Aufbruchstimmung groß. "General Buhari kommt aus dem Norden Nigerias. Das ist einer der Gründe, warum man ihm zutraut, das Problem mit Boko Haram zu lösen", sagt André Rönne, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Lagos. "Auch glauben viele, dass er gegen die Korruption vorgehen wird." Buharis politischer Spielraum ist durch die zahlreichen Siege seines Parteienbündnisses All Progressives Congress in den Bundesstaaten weitergewachsen.

Private Investitionen sind gefragt

Durch den Regierungswechsel rücken die Folgen des Ölpreisrückgangs fast in den Hintergrund. Während der Ölstandort Nigeria einen massiven Abbau von Kapazitäten erleidet, dürften sich in anderen Bereichen neue Chancen eröffnen. Die Bereitschaft der neuen Regierung, zum Beispiel Investitionen in die Landwirtschaft oder die Nahrungsmittelindustrie zu fördern, dürfte größer sein als früher. Aufgrund reduzierter Öleinnahmen des Staates wird die Regierung beim Betrieb von Mautstraßen, Brücken, Bahnstrecken, Kraftwerken, Wassernetzen oder Müllentsorgungssystemen in Zukunft noch mehr auf private Investoren setzen. In der 22,5-Millionen-Einwohner-Stadt Lagos wurde mit dem "Office of PPP" bereits 2008 eine Anlaufstelle für Unternehmen geschaffen, die sich im Infrastrukturbereich engagieren wollen.

Für einen Markteinstieg in Nigeria ist der Zeitpunkt so gut wie seit Jahren nicht. Aufgrund des Regierungswechsels müssen die extrem wichtigen Beziehungen in die Politik neu geknüpft werden - die Karten werden also neu gemischt. Beobachter meinen, dass die neue Administration frühestens nach der Sommerpause 2015 ihre Arbeit aufnehmen wird. Anlass genug auch für deutsche Unternehmen, sich den Markt etwas genauer anzusehen.

(Quelle: GTAI)