Gesundheitswirtschaft: Angst vor Ebola darf sich nicht auf Entwicklung Afrikas auswirken

Berlin (30.10.2014) - Mit großer Sorge hat die deutsche Wirtschaft darauf hingewiesen, dass die Angst vor Ebola mittlerweile auch für das Ausbleiben europäischer Investoren in nicht betroffenen afrikanischen Ländern sorgt.

Im Rahmen des ersten Deutsch-Afrikanischen Gesundheitssymposiums in Berlin forderte die deutsche Gesundheitswirtschaft mehr politische Unterstützung auf Afrikas Zukunftsmärkten.
 
„Die Ebola-Krise zeigt einmal mehr, wie dringend die Gesundheitssysteme afrikanischer Staaten modernisiert und ausgebaut werden müssen. Deutsche Unternehmen sowohl aus der Pharma-, Gesundheitsinfrastruktur als auch aus der Medizintechnikbranche können hier eine wichtige Rolle spielen“, erklärte Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft am jetzt  in Berlin. Wichtig dabei sei aber eine entsprechende politische Unterstützung. Nachholbedarf gebe es sowohl beim Thema Finanzierung als auch bei Ausschreibungen und Konsortien. Auch sollte die Ressortzuständigkeit zwischen dem deutschen Gesundheits- und Entwicklungsministerium deutlicher abgesteckt werden, so Liebing. Der Bedarf an Gesundheitsprodukten aus Deutschland sei hoch. Das zeige auch die aktuelle Ebola-Epidemie in Liberia, Sierra Leone und Guinea.
 
Neben der notwendigen schnellen Hilfe für die drei von Ebola betroffenen Staaten sei es von besonderer Bedeutung, darauf hinzuweisen, dass in 51 weiteren afrikanischen Staaten keine Gefahr durch die Epidemie bestehe.
 
„Die deutschen, international orientierten Akteure der Gesundheitswirtschaft decken alle Bereiche von Beratungs- und Architekturleistungen, Krankenhausbau und -ausstattung, pharmazeutischen und diagnostischen Produkten bis hin zum Krankenhausbetrieb, zu Versicherungskonzepten und Lösungen für eHealth und Telemedizin ab“, so Roland Göhde, Mitglied des Vorstands des Afrika-Vereins und Vorstandsvorsitzender der German Healthcare Partnership. Über die systemische Bündelung des verfügbaren Portfolios sowie ein äußerst langfristig gedachtes und umgesetztes partnerschaftliches Engagement in den Zielländern könnten die Unternehmen einen künftig weiter steigenden, wichtigen Beitrag zur Stärkung afrikanischer Gesundheitssysteme leisten.
 
Durch die insgesamt positive Wirtschaftsentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent und durch die Herausbildung einer wachsenden Mittelschicht steige die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten: 2016 wird das Marktvolumen Schätzungen zufolge 30 Mrd. US-Dollar betragen, 2020 bereits 45 Mrd. US-Dollar. Die staatlichen Gesundheitsausgaben werden laut Prognosen der Weltbank bis 2015 um jährlich etwa 7,1 Prozent steigen. Auch private Investitionen werden voraussichtlich um ein Vielfaches zulegen.
 
2013 exportierte Deutschland medizinische Geräte und orthopädische Ausrüstung im Wert von 208 Mio. Euro nach Subsahara-Afrika. Rund 64 Prozent der Geräte gingen nach Südafrika. Medizinische Importe aus Deutschland nahmen vor allem in Nigeria zu – hier stiegen sie um 31 Prozent auf 15 Mio. Euro. 2012 belief sich der Einfuhrzuwachs sogar auf 108 Prozent. Der Anteil Subsahara-Afrikas an Deutschlands medizintechnischen Exporten bleibt aber gering. Weltweit exportierte Deutschland 2013 für 19,26 Mrd. Euro medizinische Geräte und orthopädische Ausrüstung, 2,0 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil von Subsahara-Afrika daran lag bei lediglich 1,08 Prozent.