Drei Erfolgsgeschichten aus Subsahara-Afrika

Drei Erfolgsgeschichten aus Subsahara-Afrika

Nairobi/Accra/Johannesburg (22.7.2015) - Mit der wachsenden Einbindung Afrikas in die Weltwirtschaft steigt die Wertschöpfung vor Ort. Drei Erfolgsgeschichten aus Afrika südlich der Sahara.

Äthiopien: Textilindustrie im Aufwind

Bekleidungsfirmen sind Nomaden. Steigen die Kosten, zieht die Karawane weiter. Internationale Textil- und Lederwarenverkäufer wie die britische Handelskette Tesco oder die schwedische Hennes & Mauritz geben sich in der äthiopischen Hauptstadt die Klinke in die Hand. Sie wollen alle billig einkaufen und investieren höchstens in eine eigene Qualitätskontrolle vor Ort. Die Branche steht auch wegen der Produktionsbedingungen unter Beobachtung.

Richtig geklotzt wird dagegen auf der Produktionsseite. So will der chinesische Schuh- und Lederwarenproduzent Huajian 2,2 Milliarden US-Dollar  investieren, der indische Baumwollspinner ShriVallabh Pittie 550 Millionen Dollar. "Äthiopien ist genau wie China vor 30 Jahren", sagt Zhang Huarong, Präsident der Huajian International Group, "schlechte Transportinfrastruktur, viele Arbeitslose". Rund 100.000 Jobs will er schaffen - zu Löhnen von wenig mehr als 40 Dollar im Monat.

In der Produktion läuft noch nicht alles rund. Die Versorgung mit Baumwolle könnte besser sein, eine Zulieferindustrie fehlt komplett. Die Regierung aber zeigt sich kooperativ für die Bedürfnisse der Produzenten. Die Infrastruktur wird verbessert, insbesondere die Transportwege zum Seehafen Dschibuti. Die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba verfügt auch über ein fähiges Luftdrehkreuz mit zehn Direktflügen in die Europäische Union, darunter Frankfurt und Wien.

Nigeria: Produktion nah am Verbraucher

Deutsche Zulieferer von Maschinen schauen in Afrika stets auf die Nahrungsmittelindustrie. Vor allem Nigeria verfügt als Konsummarkt über ein riesiges Potenzial. Zu den derzeit etwa 180 Mio. Einwohnern kommen jährlich mehr als vier Millionen hinzu. 2014 exportierten deutsche Unternehmen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen für etwa 104 Millionen Euro nach Nigeria; Tendenz: steigend. Unternehmen wie Krones und KHS betreiben seit Jahren Büros im Wirtschaftszentrum Lagos. 2014 hat dort auch Bosch eine Filiale eröffnet.

Eine Ansiedlung in Nigeria hat jedoch ihre Tücken. Zur angespannten Sicherheitslage und der immer noch hohen Korruption gesellen sich hohe Energiekosten sowie teures Personal. Andererseits locken die große Nachfrage sowie der immense Nachholbedarf bei Industrieinvestitionen. Zudem wurden die Importzölle für Nahrungsmittelmaschinen und andere Investitionsgüter kürzlich wieder gesenkt, während sie für Nahrungsmittel stiegen. Projekte internationaler Branchengrößen wie Unilever, Nestlé oder Heineken erhöhen die Standards in der Industrie. "Die Instandhaltung von Anlagen für Anlagenbauer wird immer wichtiger", meint Alexander Fuchs vom deutschen Abfüllanlagenhersteller KHS.

Südafrika: Autos für den Kontinent

Südafrika hat die diversifizierteste Wirtschaft auf dem Kontinent. Eine Schlüsselbranche ist die Kfz-Industrie. So sind unter anderem BMW, Mercedes Benz und VW mit Werken vertreten. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt der Fahrzeugindustrie liegt bei rund 7 Prozent. Dank der Anreize des Automotive Production and Development Programme steigt die Produktion - 2015 um etwa 11 Prozent auf rund 627.500 Kraftfahrzeuge, so Nico Vermeulen, Chef des Branchenverbandes Naamsa. In fünf Jahren könnten seiner Einschätzung nach etwa 900.000 Fahrzeuge jährlich vom Band laufen.

Im Schlepptau der wachsenden Automobilindustrie entsteht eine hochwertige Wertschöpfungskette. Rund 500 Zulieferunternehmen sind aktiv, davon gehören etwa 120 zur Tier-1-Kategorie. Der Inlandsanteil bei Komponenten beträgt rund 40 Prozent.

Etwa die Hälfte der Kfz-Produktion geht in den Export. Die wachsende Mittelschicht des Kontinents wird die Nachfrage erhöhen. Infrastrukturprojekte und Wirtschaftswachstum beflügeln den Absatz von Nutzfahrzeugen. Ein hoher Exportanteil erfordert jedoch auch Zuverlässigkeit. Produktionsausfälle durch Streiks zerstörten Vertrauen in den Standort Südafrika, erklären die Vertreter der Automobilkonzerne. Es muss schleunigst zurückgewonnen werden, denn die Konkurrenz schläft nicht. Mit Nigeria entsteht ein zweiter afrikanischer Produktionsstandort, der um die Investitionen der Autobauer konkurriert.

(Quelle: GTAI/markets)

"markets - Das Magazin für Märkte und Chancen", kann kostenfrei abonniert werden.