Äthiopien, Kenia und Uganda trotzen Rohstoffpreisverfall

Addis Abeba/Nairobi/Kampala (29.07.2015) Die Märkte in Subsahara-Afrika hängen nach wie vor stark von den Weltmarktpreisen für Rohstoffe ab. Die niedrigen Ölpreise beeinflussen das Wachstum der Region. Der Kreditversicherer Coface hat eine Studie zur wirtschaftlichen Lage von 45 rohstoffabhängigen Märkten südlich der Sahara veröffentlicht.

Gleich mehrere Faktoren trugen seit 2008 zum beschleunigten Wachstum in Subsahara-Afrika um jährlich rund fünf Prozent bei. Dazu zählen strukturelle Anpassungen im Hinblick auf das relativ niedrige Pro-Kopf-Einkommen, hohe Investitionen aus dem Ausland, ein teilweise stabileres politisches Umfeld und mehrere Schuldenerlasse. Der Aufschwung wurde auch von den hohen Preisen für Rohstoffe vorangetrieben, die für die Region von zentraler Bedeutung sind. Fossile Brennstoffe, besonders Öl, machen 53 Prozent der Exporterlöse der Subsahara-Länder aus. Deutlich dahinter folgen Erze, Metalle und Edelsteine mit zusammen 17 Prozent, Lebensmittel und landwirtschaftliche Rohprodukte mit 11 Prozent. Für einige Länder ist der Brennstoffanteil noch größer: In Nigeria, Tschad, Äquatorial-Guinea und Angola macht er zwischen 60 und 100 Prozent aus.

13 Länder relativ robust

Entsprechend schwächten Ausmaß und Dauer des Preisrückgangs die Region. Die einzelnen Länder sind jedoch ganz unterschiedlich davon betroffen, je nachdem, ob sie nachwachsende oder nicht-erneuerbare Rohstoffe exportieren. Während für Lebensmittel oder landwirtschaftliche Grunderzeugnisse der Preisrückgang relativ moderat bleibt, befinden sich die Preise für Rohöl und Basismetalle im freien Fall. Unter den 45 Ländern, die Coface untersucht hat, kristallisierten sich 13 heraus, die weniger stark betroffen sind: Äthiopien, São Tomé und Principe, Uganda, Malawi, die Kapverdischen Inseln, Kenia, Burundi, die Seychellen, die Zentralafrikanische Republik, Mauritius, Tansania, Swasiland und Togo. Sie alle profitieren davon, dass die erzielten Exportpreise nicht so stark fallen wie die zu zahlenden Preise für ihre Importgüter.

Am besten aufgestellt: Kenia, Äthiopien und Uganda

In einem weiteren Schritt zur Bestimmung der langfristigen Perspektiven in Subsahara-Afrika geht Coface auf die Diversifizierung der jeweiligen Volkswirtschaften ein. Denn Diversifizierung unterstützt das Wachstum langfristig und lässt die Länder außenwirtschaftlich erstarken. Dabei kam heraus, dass nur drei Länder einen Grad an Diversifizierung erreicht haben, der sie auch kurzfristig wenig anfällig macht für die sinkenden Rohstoffpreise: Kenia, Äthiopien und Uganda.

Bereits im vergangenen Jahr hat eine Studie zu New Emerging Countries, welche Länder also in der Lage sind, in die Fußstapfen der BRICS zu treten, das große Potential von Kenia und Äthiopien herausgearbeitet. Uganda lässt sich sicherlich ergänzen. Jüngste Zahlen bestätigen das Potential der drei ostafrikanischen Länder für dynamisches Wachstum. 2014 stieg ihr BIP im Schnitt um annähernd sieben Prozent. Damit wird in diesen Ländern eine Wachstumsrate erreicht, die der von China entspricht.

In Äthiopien und Uganda stützt sich die Diversifizierung auf das produzierende Gewerbe. Dessen Wachstum ist der erfolgreichen Integration in internationale Wertschöpfungsketten zu verdanken. Hier zeichnet sich eine Entwicklung ab, wie man sie aus einigen südostasiatischen Ländern in den letzten Jahren kennt. Mehr als 100 Produkte werden mittlerweile exportiert – zwischen 2000 und 2013 hat sich der Export mehr als verdreifacht. Zwei Branchen ragen besonders mit ihrem Beitrag zur Diversifizierung der Wirtschaft heraus: die Textilindustrie und die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten.

Kenia wiederum hat auf ein Entwicklungsmodell gesetzt, das auf Dienstleistungen aufbaut. Sie machen über 60 Prozent des BIP des ostafrikanischen Landes aus. Anders als andere Subsahara-Länder, die traditionell von Handel, Logistik und öffentlichen Dienstleistungen leben, zeigt Kenia besondere Dynamik im Telekommunikationsbereich, besonders im Mobile Banking. Auch die Übernahme ausgelagerter Geschäftsprozesse floriert dank niedriger Arbeitskosten. Kenia ist das einzige Land der Region, das sich auf zwei Säulen entwickelt: der wachsenden Bedeutung dieser relativ hoch entwickelten Dienstleistungsbereiche und dem steigenden Anteil der exportierten Services, die bereits mehr als 40 Prozent der Ausfuhren ausmachen.

Risiken bleiben

Diese positiven Entwicklungen und das unbestreitbare Potential der Region bedeuten nicht, dass es keine Risiken mehr gibt. Die politische Situation in der Region ist nach wie vor von Instabilität geprägt. Und auch die mangelhafte Infrastruktur ist bekanntermaßen eine Schwäche, ebenso wie das hohe Leistungsbilanzdefizit und die ansteigende öffentliche Verschuldung. Und wie die Coface-Untersuchung zeigt, erreicht ein Land wie Ruanda zwar auch eine hinreichende Diversifizierung, zählt aber nicht zu den Gewinnern in Afrika, da ihm die volatilen Rohstoffpreise dann doch zu schaffen machen.

(Quelle: Subsahara-Afrika-Blog )