Aktuelle Trends aus Ghana

Aktuelle Trends aus Ghana

Accra (29.4.2015) - Sinkende Preise für Gold und Öl, fehlende Staatseinnahmen sowie hohe Konkurrenz der heimischen Produktion durch Importe setzen Ghanas Wirtschaft zu. Zulieferer sollten aber genau hinschauen und nicht generell von einer Flaute ausgehen. Mittelständler im vielversprechenden verarbeitenden Gewerbe suchen nach Kapitalgebern im Ausland und drängen auf eine Lösung der Stromkrise. Investitionen fließen in den Energiesektor, die Öl- und Gasförderung und Krankenhäuser.

 

In Ghana hat der seit 2013 anhaltende wirtschaftliche Abschwung etliche Sektoren erfasst, allen voran den Bergbau und den verarbeitenden Sektor. Letzterer leidet vor allem unter Kapitalmangel sowie den seit Ende 2014 immer heftigeren Stromausfällen. Die Stromkrise sorgt für breite Unruhe, sodass Lösungen in diesem Bereich politische Priorität genießen dürften. Ungeachtet dessen gehen die Geschäfte in anderen Bereichen weiter gut. Dazu zählen unter anderem die Bereiche Häuserbau, Telekommunikation, Öl und Gas, Teile der Nahrungsmittelindustrie sowie der Medizinsektor, in den der Staat derzeit reichlich investiert.

Im Energiesektor laufen derzeit diverse Projekte um den aktuellen Bedarf von ca. 1.950 Megawatt (MW) zu decken. Es fehlen etwa 600 MW. Erneuerbare Energien können sich bei kleineren Anlagen im privaten oder gewerblichen Bereich lohnen. Diese Abnehmer zahlen hohe Strompreise. Bei der für die Distribution aus dem Netz zuständigen staatlichen Electricity Company of Ghana (ECG) genießen erneuerbare Energien keine Priorität. Zwar gibt es seit 2013 attraktive Einspeisetarife (zum Beispiel Photovoltaik circa 20 US-Cent/kwh), sich jedoch auf die marode ECG als einzigen zahlenden Kunden zu verlassen, wäre fahrlässig.

Gesundheit: Neue Krankenhäuser müssen ausgerüstet werden

Eine Reihe von Krankenhausbauten dürften kurzfristig die Nachfrage nach Medizintechnik und Medikamenten erhöhen. Allein in Accra gibt es vier nennenswerte Projekte: Neu beziehungsweise ausgebaut werden das staatliche Ridge Hospital, das Accra Police Hospital, das University of Ghana Teaching Hospital sowie das private Accra Airport City Hospital). Hinzu kommt noch die Modernisierung des Military Hospitals in Kumasi.

Lieferanten von Medizintechnik sollten versuchen, frühzeitig mit den Beschaffern Kontakt aufzunehmen. Ob die von der Regierung initiierte Investitionsoffensive langfristig zu Beschaffungen und Instandhaltung von Medizintechnik führt, steht derweil in den Sternen. Problematisch in Ghana ist der Mangel an Fachpersonal für das Management der Krankenhäuser, weshalb Public Private Partnerships eine wichtig Rolle zukommen wird.

Landwirtschaft: Stagnation trotz Potenzial

Trotz sehr guten Potenzials gibt es nur wenige neue private Investitionen. Dominiert wird die Landwirtschaft von Kleinbauern mit nur wenig mechanisiertem Anbau. Für High-Tech-Landtechnik ist der Markt einschließlich der großen Farmen nicht geeignet. Auf eine Modernisierung der Landwirtschaft zielt das noch bis 2017 laufende Ghana Commercial Agriculture Project (GCAP), das von der Weltbank mit 100 Millionen US-Dollar unterstützt und begleitet wird. In dessen Rahmen sollen die Rahmenbedingungen für private Investitionen in größere Agrar-Betriebe verbessert werden.

Potenzial besteht laut Experten beim Anbau von frischem Gemüse (Tomaten, Gurken, Paprika) in Gewächshäusern für die Supermärkte der Städte. Auch Großfarmen für Yams, Reis, Kassava und Mais sowie der Anbau von Tropenfrüchten für europäische Supermärkte könnte sich lohnen. Benötigt werden für derartige Projekte in der Regel ausländisches Kapital und Know How.

Nahrungsmittelindustrie: Nur Alkohol läuft gut

Unter der geringeren Konsumbereitschaft leiden Teile der Nahrungsmittelindustrie, insbesondere Softdrinkproduzenten. Die von der portugiesischen Equatorial Africa betriebene Coca-Cola-Abfüllfabrik in Kumasi wird geschlossen. Alkoholische Getränke laufen immer noch ganz gut. SABMiller, die Guiness-Brauerei in Accra, Kasapreko (lokaler Hersteller von Bitters) und die südafrikanische Distell (Savannah Dry, Hunter) haben entweder in ihre Anlagen investiert oder sind noch dabei.

Investitionen kommen in vielen Bereichen der Nahrungsmittelverarbeitung nicht zustande, weil der Markt mit Billigimporten überschwemmt wird, vor allem mit Geflügel, Speiseöl und Tomatenmark. Der Schutz der eigenen Industrie seitens der Regierung ist verglichen mit Nigeria und Côte d'Ivoire gering. Auch Agroprocessing (Kakao, Palmöl, Nüsse, Reis, Mais) stagniert im Vergleich zu den großen Nachbarn. Einigermaßen erfolgreich arbeitet noch der Nussverarbeiter Ghana Nuts (Cashew-, Erd- und Sheanüsse), der seine Fabrik in Techiman gerade umfangreich ausbaut.

Umwelttechnik: Die städtischen Wassernetze bleiben am Tropf der Geber hängen

Von Gebern abhängig ist der im westafrikanischen Vergleich ineffiziente städtische Wasserversorger Ghana Water. So hat die Weltbank seit 2013 im Rahmen des GAMA Sanitation & Water Projects in Accra und Tema 155 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Darüber hinaus zahlt die niederländische Regierung 100 Millionen Euro für Projekte in der Wasserver- und -entsorgung in den Städten Accra, Cape Coast und Elmina. Weitere Geber mit jeweils eigenen Projekten sind die African Development Bank (AfDB), die Agence Francaise de Développement (AFD), die kanadische Regierung, UNICEF und ASAid.

Angesichts steigender Müllberge und fehlenden Platzes für neue Halden drängen Lösungen in Sachen Abfall zunehmend. Gutes Potenzial sehen Experten beim Recycling. Einziger offizieller Recycler ist das von einem Deutschen geleitete Unternehmen Citywaste, das vor allem von der Industrie beliefert wird. Der private städtische Müllentsorger Zoomlion ist politisch sehr gut vernetzt und investiert regelmäßig, derzeit in Kompostieranlagen. Eine Müllverbrennungsanlage könnte helfen, die alleine aus Accra stammenden täglichen etwa 1.500 Tonnen Müll loszuwerden.

Informations- und Kommunikationstechnik: Content ist die neue Losung

Inzwischen ist Ghana an fünf Unterseekabel angeschlossen. Für die nächsten zehn Jahre reicht das an Kapazität, sagen Experten. Sechs Mobilfunkbetreiber mit zum Teil eigenen terrestrischen Fiberoptiknetzen, drei 4G-Lizenzhalter für Datenübertragungen sowie 10 Internet Service Provider sorgen für hohen Konkurrenzdruck und niedrige Preise. Handygespräche nach Europa sind extrem günstig. Gerade sind Airtel und Tigo dabei, ihr Glasfasernetz auszubauen, um ihre Marktanteile zu erhöhen.

Dass der IKT-Markt in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, daran haben Beobachter keinen Zweifel. Da bei der Telefonie bereits ein hoher Sättigungsgrad erreicht ist, bieten die Dienstleister zunehmend Datenservices an. MTN und Airtel bieten die kostenlose Nutzung von Facebook, Twitter und Google an, um Kunden zu ködern. Über Tigo, MTN und Airtel kann jetzt Musik heruntergeladen werden, bald soll das auch mit Videos möglich sein. E-Commerce steckt in Ghana im Gegensatz zu Nigeria und Côte d'Ivoire noch in den Anfängen.

Hier kommen Sie zur kompletten Meldung, auch mit Einzelheiten zum Thema Energie, Öl- und Gasförderung sowie den Bergbau in Ghana.

(Quelle: GTAI)