So war´s: Rosenheim

So war´s: Rosenheim So war´s: Rosenheim

Rosenheim - Am 17.03.2011 machte die Export-Tournee Bayern in Rosenheim Halt. 36 Teilnehmer nutzen die Veranstaltung, um sich über das Einmaleins des Exportgeschäfts zu informieren.

Mit Zahlen zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen des bayerischen Exports, grundlegenden Informationen zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein Auslandsengagement sowie spannenden Unternehmerberichten wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten.

Die Moderation der Veranstaltung übernahmen Frank Dollendorf von der IHK und Dietmar Schneider von der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Sebastian Bauer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Rosenheim, und von Gerhard Kammel, Betriebsberater der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Nachdem die Teilnehmer über die wichtigsten Handelspartner Bayerns, aktuelle Forschungsergebnisse der Going International Studie 2010 sowie andere wichtige Punkte, die im Vorfeld eines Auslandsengagements zu klären sind, informiert wurden, zeigte Martin Grossmann vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie die Förderungsmöglichkeiten des Freistaats für den Einstieg in das Auslandsgeschäft auf. Neben dem Programm ‚Go International’, das erste Schritte bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte finanziell unterstützt, bieten Delegationsreisen und insbesondere das Messebeteiligungsprogramm gute Möglichkeiten, das Auslandsgeschäft erfolgreich zu gestalten.

Das „Salz in der Suppe“ jedoch, waren die drei Unternehmer, die aus dem Export-Nähkästchen plauderten: Den Anfang machte Anton Kathrein, Geschäftsführer der KATHREIN-Werke KG in Rosenheim und Vize-Präsident der IHK München mit seiner Aussage „Österreich ist das Exportland für Feige. Warum? Na weil wir die gleiche Sprache sprechen.“ Er ermunterte die Teilnehmer dazu, sich mit dem Nachbarland als idealen Einstiegsmarkt für den Export zu beschäftigen. Bei anderen Ländern seien eben auch andere Herausforderungen zu meistern. Neben sprachlichen Barrieren und interkulturellen Unterschieden erwähnte er noch weitere Probleme: „In Brasilien ist es beispielsweise so, dass Sie 65 Prozent „local content“ brauchen, das heißt, Sie müssen 65 Prozent Ihrer verkauften Güter vor Ort produzieren, sonst müssen Sie 35 Prozent Zoll bezahlen. Ein weiteres großes Problem ist die Bürokratie. Anstatt die Bürokratie abzubauen, wird es immer mehr – also Bürokratie pur.“ Dennoch ermutigte Kathrein die anwesenden Unternehmer, sich davon nicht abschrecken zu lassen. „Trauen Sie sich, ins Ausland zu gehen, denn ‚all business is local’.“ Es sei sehr wichtig, vor Ort zu sein und somit die Nähe zum Kunden zu garantieren. Dass das auch Nachteile haben könne, zeige sich vor allem in China. Hier wurde sein Produkt kopiert: „Wir haben dann mit einer versteckten Kamera herausgefunden, dass die Chinesin sich sehr wohl bewusst war, dass das nicht ganz legal ist. Aber sie meinte, dass sie nur die besten Produkte kopiere und dass sie die besten Kopien mache. Lob kann offensichtlich auch so aussehen.“

Der zweite Unternehmerbericht kam von Johann Sterr, Geschäftsführer der Hoffmann GmbH & Co. KG in Rosenheim: „Wir mussten in das Exportgeschäft einsteigen, da wir vom Inlandsgeschäft nicht leben könnten.“ Die Hoffmann GmbH & Co. KG stellt Propeller für jeden Einsatzzweck her. „Wenn wir keinen Export hätten, wären wir schon lange nicht mehr am Markt. In Deutschland wird dieser für uns immer kleiner.“ Weiterhin bekräftigte er, dass die Qualität des Produktes sowie die Zuverlässigkeit das A und O sind. Wie Anton Kathrein bestätigte auch er, dass die Bürokratie ein großes Problem darstelle, was erst einmal überwunden werden müsse: „Wir haben im März einen Auftrag erhalten und sollten im August liefern. Leider haben wir die Genehmigung für die Lieferung erst im November erhalten. So etwas wirkt sich dann leider negativ auf die Kundenbeziehung aus.“

Der dritte ‚best-practice-Unternehmer’ war Franz Mühlbauer, Geschäftsführer der HMS Elektrotechnik GmbH in Vogtareuth: „Wir sind eine kleine Firma mit zehn Beschäftigten und produzieren Elektrotechnik für die Bereiche Automobil, regenerative Energien und Maschinenbau. Unser Export besteht vor allem aus unserer Dienstleistung für den Kunden.“ Auch er legte den Teilnehmern nahe, dass die Qualität des Produktes und die Verlässlichkeit wichtige Faktoren sind, um im Ausland erfolgreich zu sein. Die HMS Elektrotechnik GmbH ist mit dem großen Unternehmen MAN beispielsweise nach Thailand gegangen. Somit konnte sie sozusagen im ‚Huckepackverfahren’ einen neuen Markt erschließen. Auch bei der Frage nach den Problemen hatte Franz Mühlbauer genügend auf Lager: „In manchen Ländern, beispielsweise Russland, haben wir das Problem, dass unsere Werkzeugkisten, die bei uns auch um die 1.000 Euro kosten, einfach verschwinden oder nicht mehr zurückgegeben werden. Auch die Rechnungsstellung kann schwierig sein, da ist sogar die Steuerabteilung oft überfragt.“ Zum Schluss gab Franz Mühlbauer den anwesenden Unternehmen noch folgenden Tipp: „Informieren Sie sich über die Kultur und die Rituale in den fremden Ländern. Wenn Sie dort Geschäfte machen wollen, müssen Sie sich anpassen.“

Am Ende der Veranstaltung nutzen viele Teilnehmer noch die Gelegenheit, sich bei einem kleinen Imbiss auszutauschen und mit den Experten und Unternehmern zu sprechen.

Bild (von links): Dietmar Schneider (Handwerkskammer), Franz Mühlbauer (HMS Elektrotechnik GmbH),  Prof. Anton Kathrein(KATHREIN-Werke), Johann Sterr (Hoffmann GmbH & Co. KG), Sebastian Bauer (Vorsitzender IHK-Gremium Rosenheim), Frank Dollendorf (IHK)