Fokus auf... Irak

Fokus auf... Irak

Irak: Geschäftschancen für den bayerischen Mittelstand: Der Irak gilt als das derzeit wahrscheinlich umfangreichste Wiederaufbauprojekt weltweit.

Der Irak gilt als das derzeit wahrscheinlich umfangreichste Wiederaufbauprojekt weltweit. Das Land verfügt mit bis zu 120 Milliarden Barrel über die drittgrößten Erdölreserven auf der Welt. Mit 32 Mio. Einwohnern, einer Wachstumsrate von 9 Prozent und einem natürlichen Reichtum an fossilen Brennstoffen gilt der Irak als der Zukunftsmarkt im Nahen und Mittleren Osten. Dies birgt ein enormes Potenzial für die bayerische Wirtschaft. Neben der Ölbranche boomt auch die Baubranche, da große Teile der Infrastruktur wieder aufgebaut werden müssen. Die Sicherheitslage hat sich stark verbessert, ist aber je nach Landesteil sehr unterschiedlich.

Sicherheitslage

 

Der Norden des Landes, Kurdistan, ist als sicher zu bezeichnen. Die Lage dort ist gekennzeichnet durch eine sich stabilisierende Wirtschaft mit enormen Nachholbedarf (wie er im ganzen Land besteht). Die Rahmenbedingungen hier sind jedoch ungleich besser als im Rest des Landes. Zum Beispiel haben vIm September 2011 auf der „Project Iraq - Internationale Fachmesse für Bautechnik, Innenausbau, Baumaterialien und – ausrüstungen“ elf bayerische Aussteller auf dem Bayerischen Firmengemeinschaftsstand erfolgreich teilgenommen.
 
Anders dagegen die Lage in Zentralirak (um Bagdad) und Südirak: Nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes können dort nichttouristische Aufenthalte in Betracht gezogen werden, wenn bereits bei der Planung die regional unterschiedliche Sicherheitslage und die daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen beachtet werden und die Reise auf der Basis eines tragfähigen professionellen Sicherheitskonzepts durchgeführt wird. Elemente eines professionellen Sicherheitskonzepts sind u.a.: Verwendung gepanzerter Fahrzeuge, Fahren im Konvoi, Vorabaufklärung und genaue Planung von Fahrtrouten sowie Sicherheitspersonal in angemessener Zahl und Bewaffnung.  Auf dieser Grundlage sind derzeit Reisen in ausgewählte Bezirke der Hauptstadt Bagdad und nach Basra möglich. Wer nach Bagdad reisen möchte, sollte daher unbedingt professionelle Schutzmaßnahmen ergreifen und seinen Aufenthalt auf als gesichert geltende Bereiche beschränken. Gegenwärtig zählt neben dem Flughafen selbst nur die sogenannte "Internationale Zone" im Stadtzentrum dazu, so die Ausführungen des Auswärtigen Amts.
 
Bei der 37. Baghdad International Fair (BIF) vom 01.-10. November 2010 konnte erstmalig seit mehreren Jahren ein deutscher Gemeinschaftsstand organisiert werden. Aufgrund der sehr positiven Resonanz der beteiligten Unternehmen, die stark vom offiziellen „Begleitprogramm“ (Gespräche mit der irakischen Regierung) profitierten, wird es auch 2011 bei der 38. BIF (01.-07. November 2011) einen vom Bundeswirtschaftsministerium finanziell geförderten Gemeinschaftsstand geben.
 
Die Situation in Basra wird aber von Reisenden, die vor Ort waren, auch als sicher eingestuft. Dies ist eine der Feststellungen, die die Teilnehmer der branchenübergreifenden Delegationsreise vom 15.-20.05.11 für deutsche Unternehmen nach Basra gemacht haben. Man fährt zwar an unzähligen Check-Points vom Flughafen Basra in die Innenstadt vorbei, wird aber nicht kontrolliert. Abends herrscht in der Innenstadt reges Treiben, man geht in den am Fluß Schatt al-Arab anliegenden Restaurants essen und kann sich relativ frei bewegen. Aber ohne einen lokalen Partner bzw. Kontakt ist eine direkte Reise nach Basra ohne Sicherheitskonzept nicht zu empfehlen. Hier bietet sich die Hilfe der Deutschen Wirtschaftsbüros im Irak an, die Unterstützung bei Kontaktanbahnungen bietet. Die IHK Nürnberg für Mittelfranken pflegt seit 2010 Kontakt mit der Handelskammer im südirakischen Basra. Gegenseitige Besuche haben diesen Kontakt intensiviert.
 
Das Deutsche Wirtschaftsbüro Irak (DWI), das es seit 2010 mit drei Niederlassungen im Land gibt, ist erster Ansprechpartner für deutsche Firmen. Die Leiter der Büros Bagdad und Basra (Zentral-und Südirak), Clemens von Olfers sowie des Büros Erbil/Kurdistan, Volker Wildner, sind im Herbst 2011 in einer Art „Deutschland-Road-Show“ unterwegs, um über die aktuelle Situation im Irak zu informieren. An einem Terminen macht die „Irak-Road-Show“ Station in Bayern: am Mittwoch, 05.10.11 in der IHK Nürnberg zum Seminar „Irak: Wiederaufbau bietet Geschäftschancen“. Die Vertreter des DWI berichten über die aktuellen Geschäftsmöglichkeiten, ein Erfahrungsbericht eines Unternehmens, Fachinformationen zu Finanz- und Rechtsfragen im Irakgeschäft und die Vorstellung des Instruments der Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft runden dieses kompakte Seminar ab. Nachmittags besteht die Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit den Referenten.
 
 
Es lohnt sich, sich mit den Geschäftschancen im Irak zu befassen: Flankierende Unterstützung bietet die Wirtschaftsplattform Irak, die als umfassendste, deutschsprachige Irak-Website http://www.wp-irak.de, bezeichnet werden kann. Hier finden sich zahlreiche Informationen über Wirtschaft, Politik, Arbeit/Bildung, Regionen, Recht, Reise/Transport, Sicherheit, den Chancen und zu den Finanzen. Deutsche und irakische Redakteure bestücken diese Website, ein „Muss“ für jeden Irak-Interessenten.
Das Projekt „Irak-Horizonte 2015 – heute säen, morgen ernten“ (http://www.iraq-horizons.com/) ist eine Gemeinschaftsinitiative des DIHK, des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts (GI) mit dem Ziel, den interkulturellen Austausch und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Irak zu stärken und den Wiederaufbau des Landes nachhaltig voranzubringen. Ziel ist die Weiterbildung junger, bereits berufstätiger, irakischer Akademiker/-innen mit wirtschaftsrelevanten Abschlüssen, um ein Netzwerk von qualifizierten und an Deutschland interessierten Entscheidungsträgern in Regierung und Unternehmen im Irak aufzubauen. Deutsche Unternehmen erhalten durch das Projekt die Möglichkeit, das enorme wirtschaftliche Potenzial des Landes zu nutzen, neue Netzwerke auf- bzw. ihre bereits bestehenden Geschäftskontakte auszubauen.
 
(Autor: Christian Hartmann, IHK Nürnberg)